Papst Benedikt XVI. tritt zurück

Der Gejagte: Papst Benedikt XVI. tritt zurück

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Linienkampf im Vatikan bis hin zu Morddrohungen

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Ein Paukenschlag. Das gab es vorher nur einmal in der 2000jährigen Geschichte des Christentums: Ein Papst tritt zurück. In seiner Erklärung führt Benedikt XVI. Altersgründe an, die Kraft habe nachgelassen, angesichts großer Herausforderungen könne er das Amt nicht mehr ausfüllen. Ist das auch ein versteckter Hinweis auf die Linienkämpfe im letzten Jahr im Vatikan, über die COMPACT 7/2012 ausführlich berichtete? Damals machten sogar Gerüchte um ein Mordkomplott die Runde und erhielten von höchster Seite Bestätigung…


Hier ein Auszug aus dem Artikel von Fedrico Bischoff in COMPACT 7/2012. Die Ausgabe mit weiteren Vatikan/Vatileaks-Beiträgen kann man hier bestellen.

Die Kritik Romeos verweist auf die Linienkämpfe im Vatikan, die nach allgemeinem Dafürhalten auch bei den folgenden Veröffentlichungen von Geheimpapieren eine Rolle spielten. Benedikt „befasse sich überwiegend mit der Liturgie und vernachlässige das ,Tagesgeschäft‘“ – dieses Unbehagen muss bei vielen aus der alten Garde eine Rolle spielen. Wobei der deutsche Papst vielen „Alten“ nicht deswegen unbequem ist, weil er „modern“ sein will, sondern genau umgekehrt, weil er die traditionelle Aufgabe der Kirche, etwa die Liturgie, höher gewichtet als das alltägliche „Business“, das sich vor seiner Zeit in der Heiligen Stadt ausgebreitet hat.

Mit beherzten Personalentscheidungen machte der Deutsche seit seiner Wahl 2005 klar, dass ein neuer Wind um den Petersdom wehen sollte. Vor allem die Ernennung seines langjährigen Vertrauten Bertone zum Camerlengo mit den Funktionen eines Staatssekretärs war eine Kampfansage. Dessen Credo „Weniger Diplomatie und mehr Evangelium“ ist Ziel der Kritik, die Romeo in seiner Philippika aus China gegen den Pontifex schleuderte.

Noch wichtiger war vermutlich eine zweite Personalentscheidung: Im Jahre 2009 bestellte er Ettore Gotti Tedeschi an die Spitze der Vatikanbank (Instituto per la Opere di Religione – IOR). Er sollte den Laden ausmisten, der dort über Jahrzehnte entstanden war. Ziel war, alle internationalen Standards „zur Verhinderung von Geldwäsche, Betrug und Fälschung“ (so die gemeinsame Vereinbarung zwischen Vatikanstaat und Europäischem Rat) zu erfüllen. Das war eine Kampfansage. Der letzte Papst, der sich mit dem geheimen Finanzapparat des Vatikan angelegt hat, überlebte diesen Versuch nicht lange. Johannes Paul I. starb am 29. September 1978 nach nur 33 Tagen im Amt – keine 24 Stunden nach seiner Entscheidung, wichtige Geldmanager der Kurie zu entmachten. Als Todesursache wurde Herzinfarkt angegeben, doch eine Autopsie unterblieb, und die Schwester, die den Toten als ersten gefunden hatte, wurde zu Stillschweigen verpflichtet. Der Staatssekretär des Vatikan nahm alle persönlichen Habseligkeiten des Verstorbenen sowie sein Testament unter Verschluss – sowie die Liste mit den anvisierten Personalentscheidungen. Der britische Investigativjournalist David A. Yallop hat den Fall in seinem Bestseller Im Namen Gottes? untersucht und sieht den Papst als Opfer eines Mordanschlages der Geheimloge P2. Deren Konfident war auch der 2009 von Joseph Ratzinger gestürzte (und durch Tedeschi ersetzte) Vatikanbankchef Angelo Caiola.

Der Knoten der un-heiligen Bankgeschäfte schürzt sich Ende der 60er Jahre. Nach dem Tod des populären Johannes XXIII. sah sich der Vatikan mit einem starken Spendenrückgang konfrontiert. Im selben Zeitraum hob die italienische Republik auch die Steuerfreiheit für den Vatikan – ein Privileg aus den Zeiten Mussolinis – auf. Der neue Papst Paul VI. wollte am römischen Fiskus vorbei möglichst viel Geld ins Ausland schleusen und betraute damit zwei Personen: den US-Amerikaner Paul Casimir Marcinkus, der ab 1971 Präsident der Vatikanbank wurde, sowie den sizilianischen Banker Michele Sindona. Dieser hatte sich mit Schwarzgeldmillionen aus dem Reptilienfonds der CIA das Wohlwollen der Kurie erkauft. Sindona wiederum stand im Bunde mit Roberto Calvi, der sich einst brüstete, mit diesem sauberen Geschäftspartner zusammen die Mailänder Börse zu beherrschen. Was wichtiger ist: Calvi war auch Schatzmeister der Freimaurerloge P2. Nachdem diese im Jahr 1981 aufgeflogen war, erklärte der Militärgeheimdienst SISMI gegenüber einer parlamentarischen Untersuchungskommission die Hintergründe der Entstehung von P2: “Es war Ted Shackly, Direktor aller verdeckten Operationen der CIA im Italien der 70er Jahre, der den Chef der Freimaurerloge P2 (Lucio Gelli) Alexander Haig vorstellte. Haig und Kissinger gaben Gelli im Herbst 1969 die Ermächtigung für die Rekrutierung von 400 hohen italienischen und NATO-Offizieren in seine Loge.“ Die Mitgliederlisten des Geheimbundes umfasste Anfang der 80er Jahre 962 Namen, darunter drei Geheimdienstchefs, 50 hohe Armeeoffiziere, elf Polizeipräsidenten, fünf Präfekten, zehn Bankpräsidenten, drei Minister im Amt, zwei Ex-Minister und 38 Parlamentsabgeordnete.

Johannes Paul I. wollte Marcinkus entmachten und wurde, siehe oben, deswegen liquidiert. Sein polnischer Nachfolger Johannes Paul II. schützte die Dunkelmänner und nutzte ihr Geld in Absprache mit der CIA unter anderem zur Finanzierung der Untergrundbewegung Solidarnosc. Trotzdem zerriss das Spinnennetz, da die wilden Geschäfte der Schwarzröcke in den USA zu Bankenpleiten geführt hatten und die US-Justiz Ermittlungen aufnahm. Calvi floh nach London, wo er 1982 erhängt unter einer Brücke aufgefunden wurde. Sindona wurde 1986 in einem italienischen Gefängnis vergiftet. Gegen Marcinkus wurde 1987 Haftbefehl erlassen – doch der Vatikan, an dessen Spitze immer noch der Pole Karol Woytila stand, verweigerte seine Auslieferung, ersetzt ihn lediglich an der Spitze der Vatikanbank durch Caloia, der im Auftrag von Marcinkus – der starb erst 2006 – die dunklen Geschäfte weiter betrieb. Erst mit der Ersetzung von Caiola durch Tedeschi 2009 schuf Benedikt XVI. Luft für einen Neuanfang.

Zu den schlimmsten Entwicklungen der jüngsten VatiLeaks-Affäre gehört, dass im Klima allgemeiner Verdächtigungen ein Kesseltreiben gerade gegen Tedeschi begann. Angeführt wurde das Halalili von den USA: Ende März 2012 kündigte die US-amerikanische Investmentbank J.P. Morgan die Konten der Vatikanbank, gleichzeitig tauchte der Heilige Stuhl erstmals im Strategiebericht des US-Außenministeriums zum Kampf gegen Drogenkriminalität und auf einer Liste von Staaten, die wegen des Verdachtes von Geldwäsche beobachtet werden, auf. Tedeschi kapitulierte schließlich und trat zurück. Die Konsequenzen sind verheerend. Die FAZ berichtete am 12. Juni 2012: „Gotti Tedeschi soll ein Memorandum über all die Untiefen der Vatikanbank geschrieben haben, das im Falle seines Unfalls oder anderer unvorhergesehener Umstände an den Papst und andere Verbände hätte weitergereicht werden sollen. Nun liegt es dagegen in den Händen der italienischen Staatsanwälte.“ Zugespitzt könnte man sagen: Der italienische Premier Mario Monti hat nun Zugriff auf die Geheimpapiere von Tedeschi – eben jener Monti, der im Vorstand der Bilderberger, ein führendes Mitglied der Trilateralen Kommission und Berater der US-Bank Goldman Sachs ist.

Das nächste Ziel des Machtkampfes im Vatikan dürfte Staatssekretär und Camarlengo Bertone sein und schließlich Benedikt selbst. Muss er um sein Leben fürchten? Soll er, wie von Erzbischoff Romeo in China selbstsicher vorhergesagt, bis November 2012 beseitigt werden? (Vollständig lesen, inklusive der Hinweise auf ein Mordkomplott, in der Printausgabe COMPACT 7/2012).


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