Bei anderen gelesen…

Berliner Kurier vom 01.02.2026 von Peter Wiezorek

Dauerfrost, aber der BFC Dynamo schiebt bisher nur ein bisschen Frust

Beim Test in Neuruppin trifft Rufat Dadashov wieder doppelt, doch die Spiele auf Kunstrasen lassen die Sehnsucht auf Tauwetter steigen.

Was bleibt einem übrig, wenn um Regionalliga-Punkte weiterhin nichts geht? Richtig, man versucht über Testspiele, das Gefühl für Ball und Gegner nicht zu verlieren. So gut das die aktuelle Witterung zulässt. So gesehen, ist der 3:1 (3:0)-Sieg des BFC Dynamo bei Brandenburgliga-Primus MSV Neuruppin ja schon mal was.Beim vierten Kick auf Kunstrasen fuhren die Weinrot-Weißen den zweiten Sieg ein. Einen unter erschwerten Bedingungen. Trainer Sven Körner (43): „Als ich in Neuruppin ankam, war noch alles grün. Dann war’s plötzlich weiß und am Ende nur noch glatt und eisig.“Auf dem schwierigen Untergrund bewies dann aber Rufat Dadashov mit zwei Toren (10., 30.) seine wiedergefundene Treffsicherheit (fünf Tore in den letzten drei Spielen), das zwischenzeitliche 3:0 (33.) besorgte Neuzugang Kevin Lebersorger.

Nach dem 1:3 (54.) wechselte Körner dann nach einer Stunde wieder munter durch. Der Coach: „Wir waren in dieser Woche zum ersten Mal auf dem Platz. Ich muss den Jungs mal ein Kompliment machen, wie sie das alles mit den widrigen Umständen annehmen.“Das müssen sie auch weiter, beim Blick auf die Wettervorhersage ist an regulären Spielbetrieb noch länger nicht zu denken. Das Spiel Sonntag in Meuselwitz steht kurz vor der Absage, die Trainingsplätze im Sportforum sind gesperrt.Um im Rhythmus zu bleiben, muss noch ein Testspiel her. Körner: „Wir bräuchten mal eines so richtig auf Rasen.“ Dafür muss dann aber ein Gegner her, der einen beheizbaren Platz hat.


Bei anderen gelesen…

Rotfuchs Ausgabe Januar 2026 von Oberst a.D. Oberst Gerhard Giese


Bei anderen gelesen….

Berliner Kurier vom 22.01.2026 von Florian Thalmann

OP am Nischel – Schädel von Karl Marx wird geöffnet

In diesem Jahr wird das Monument in Chemnitz 55 Jahre alt. Dafür soll der Nischel im Stadtzentrum noch einmal aufgehübscht werden.

Er ist die wichtigste Sehenswürdigkeit in Chemnitz – der Stadt, die in der DDR den Namen Karl-Marx-Stadt trug. Doch nun geht es dem „Nischel“, der berühmten XXL-Büste von Karl Marx, an den Kragen. Laut Berichten steht eine OP bevor, beim Nischel soll die Schädeldecke geöffnet werden. Der Grund: Nach Jahren muss geprüft werden, wie verrostet das Innenleben des berühmten Kopfes ist.OP am Nischel: Schädel von Karl Marx wird saniert

Über die Maßnahme berichtet unter anderem der MDR. Der berühmte XXL-Kopf von Karl Marx muss sich demnach schon bald einer Operation unterziehen. Denn im Herbst wird der „Nischel“, wie er liebevoll genannt wird, stolze 55 Jahre alt. Ein guter Anlass, um die wichtige Sehenswürdigkeit von Chemnitz einer ordentlichen Prüfung zu unterziehen.Noch im Frühjahr soll die Schädeldecke des Kopfes abgenommen werden, damit man sich einen Überblick über das Innenleben verschaffen kann. Man vermutet, dass es im Inneren des Kopfes Roststellen geben wird, sagte Simone Becht vom Kulturmanagement Chemnitz. Auch das Gesicht soll wieder etwas gepflegt und auf Vordermann gebracht werden. Kosten für den riesigen Eingriff am Bronze-Nischel: 45.000 Euro.Es wird Zeit: Seit mehr als 50 Jahren steht der Nischel auf seinem Sockel an der Brückenstraße 10 im Zentrum von Chemnitz. Der Kopf ist 7,1 Meter hoch, mit Sockel kommt das riesige Monument sogar auf eine Höhe von mehr als 13 Metern.

Die Plastik, die den Kopf des Philosophen, Ökonomen und Gesellschaftstheoretikers abbildet, wiegt etwa vierzig Tonnen und wurde im Jahr 1971 eingeweiht. Gegossen wurde es übrigens in Leningrad – dann wurde der Kopf in 95 Einzelteile zerlegt und ins damalige Karl-Marx-Stadt gebracht. Zur Einweihung kamen neben etwa 250.000 Schaulustigen auch DDR-Chef Erich Honecker und Robert-Jean Longuet, der Urenkel von Karl Marx.Die Bezeichnung „Nischel“, gern versehen mit dem Artikel „dor“, also „dor Nischel“, kommt von der mitteldeutschen Bezeichnung für „Kopf“ oder „Schädel“. Das Areal, auf dem sich das Monument befindet, wird im Volksmund auch gern „Schädelstätte“ genannt. Für Chemnitz ist der Nischel eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Gegenüber dem MDR sagte eine Gästeführerin, noch heute wolle jeder den berühmtesten Kopf der Stadt sehen. Das Interesse sei riesig – und es sei gut, dass der Nischel jetzt saniert wird.


Bei anderen gelesen….

Berliner Kurier vom 22.12.2025 von Florian Thalmann

Author - Florian Thalmann

Florian Thalmann…

Adventskalender

Weihnachten in der DDR: Drei Rezepte für Plätzchen aus dem Osten

Spekulatius, Gewürzplätzchen, Weihnachtssterne: Wir haben ein paar tolle Rezepte aus dem DDR-Backbuch für Sie. Ran an den Herd, das Nudelholz ruft!

Das Weihnachtsfest ist fast da – nur noch zwei Tage, dann sitzt die Familie auch bei Ihnen hoffentlich entspannt unter dem Tannenbaum. Dann steht auch Essen auf dem Tisch, und das reichlich! Gänsebraten, Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat, Karpfen? Egal, vor allem Plätzchen muss es geben! Wenn Sie noch nicht gebacken haben, kommt jetzt die letzte Gelegenheit. Nur: Was soll es sein? Wir haben für unseren DDR-Adventskalender heute einen Blick in das Backbuch der DDR geworfen – und verraten drei herrlich einfache Rezepte, die Ihnen garantiert das Weihnachtsfest versüßen. Viel Freude beim Backen!

Rezept für Gewürzplätzchen aus der DDR: Würzig und gehaltvollZutaten: 250 g Mehl, 1 Päckchen Puddingpulver (Vanille), ½ Päckchen Backpulver, 1½ TL Lebkuchengewürz, 3 EL Sahne, 1 Ei, 80 g Zucker, 125 g Margarine, etwas Salz, 30 g Zitronat oder Orangeat, 50 g gehackte Mandeln, etwas Bittermandelaroma, Korinthen

Und so geht’s: Zuerst mischen Sie Mehl, Puddingpulver, Backpulver, Salz und Lebkuchengewürz in einer Schüssel. In einer zweiten Schüssel schlagen Sie die Margarine mit dem Zucker und dem Salz schaumig. Ziehen Sie dann die Sahne und das Ei unter. Unter diese Masse sieben Sie nach und nach die Mehlmischung. Zum Schluss kommen das sehr klein gehackte Zitronat, die Korinthen und die Mandeln dazu, mit ein paar Tropfen Bittermandelaroma verfeinern Sie die Mischung. Rollen Sie den Teig dann dünn aus und stechen Sie daraus Plätzchen aus. Diese werden auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech bei mittlerer Hitze gebacken. Anschließend auskühlen lassen und mit Zuckerguss verzieren.

Spekulatius aus der DDR: So backen Sie den Klassiker selbst

Zutaten: 150 g Butter, 250 g Mehl, 100 g Zucker, 2 kleine Eier, 1 TL Spekulatiusgewürz, etwas Salz, Ingwer, Kardamom und Muskat, 1 Messerspitze Backpulver, 80 g gemahlene Mandeln

Und so backen Sie Spekulatius: Die Margarine schaumig schlagen, den Zucker unterrühren und dann nach und nach die Eier zugeben. Mehl, Backpulver und gemahlene Mandeln mischen. Die Gewürze unterrühren. Die trockenen Zutaten nach und nach in die Buttermasse geben. Den fertigen Teig eine Stunde im Kühlschrank kalt stellen. Dann mit einem Modelholz (Spezialform für Spekulatius) in Form bringen. Alternativ können Sie den Teig auch ausrollen und beliebige Formen ausstechen. Die Kekse auf einem mit Backpapier belegten Blech bei mittlerer Hitze für etwa 15 Minuten backen. Sie sollten nicht zu dunkel werden.

Weihnachtssterne aus der DDR: Das leckere und einfache RezeptZutaten: 200 g Butter, 200 g Zucker, 1 Päckchen Vanillinzucker, 400 g Mehl, 2 Eier, etwas Salz, abgeriebene Schale einer Zitrone, 2 EL Weinbrand oder RumUnd so backen Sie die Weihnachtssterne: Die Butter in einer großen Rührschüssel schaumig schlagen. Dann den Zucker und den Vanillinzucker einrieseln lassen und weiterschlagen, bis eine schaumige Masse entstanden ist. Die Eier unterrühren. Mehl, Salz, Zitronenschale mischen und im Wechsel mit dem Weinbrand unter die Mischung rühren. Teig für acht Stunden gut gekühlt ziehen lassen. Dann ausrollen, Sternchen ausstechen und auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech bei mittlerer Hitze goldbraun backen. Die Sterne können Sie am besten mit einem Guss aus Puderzucker und Zitronensaft verzieren. Guten Appetit!


Stellungnahme des Außenministeriums der Demokratischen Volksrepublik Korea zu den Ereignissen in Venezuela

Nachfolgend veröffentlichen wir die offizielle Stellungnahme des Außenministeriums der Demokratischen Volksrepublik Korea zu den erschütternden Ereignissen in Venezuela:


Pjöngjang, 4. Januar (KCNA)

Auf Anfrage der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA äußerte sich ein Sprecher des Außenministeriums der DVRK am 4. Januar zu der eklatanten Verletzung der Souveränität Venezuelas durch die USA:

Mit Sorge beobachten wir die dramatische Situation in Venezuela, verursacht durch das rücksichtslose Vorgehen der USA. Dies führt zu zunehmender Instabilität und verschärft die ohnehin schon angespannte Situation auf dem südamerikanischen Subkontinent.

Dieser Vorfall ist ein weiteres Beispiel für den rücksichtslosen und brutalen Charakter der USA, der die internationale Gemeinschaft seit Langem und immer wieder aufs Neue geißelt.

Das Außenministerium der DVRK verurteilt die schwerwiegende Verletzung der Souveränität der bolivarischen Republik Venezuela und den eklatanten Verstoß gegen die UN-Charta und das Völkerrecht – deren Hauptzwecke die Achtung der territorialen Integrität und die Einhaltung des Nichteinmischungsprinzips sind – aufs Schärfste, und verurteilt den hegemonialen Machtanspruch der USA in Venezuela.

Die internationale Gemeinschaft muss den Ernst der gegenwärtigen Lage in Venezuela – die katastrophale Folgen für die Stabilität regionaler und internationaler Beziehungen hat – anerkennen, und ist aufgefordert, ihre Stimme gegen die wiederholte Verletzung der Souveränität anderer Länder durch die USA zu erheben.

(Übersetzung AiP)


Im englischen Original:

Pyongyang, January 4 (KCNA)

A spokesperson for the Foreign Ministry of the DPRK gave the following answer to a question raised by KCNA on January 4 as regards the fact that the U.S. wildly violated the sovereignty of Venezuela:

We are paying attention to the gravity of the present Venezuelan situation caused by the U.S. high-handed act, in connection with the increase of instability to be added to the already weakened regional situation.

The incident is another example that clearly confirms once again the rogue and brutal nature of the U.S. which the international community has so frequently witnessed for a long time.

The Foreign Ministry of the DPRK strongly denounces the U.S. hegemony-seeking act committed in Venezuela as the most serious form of encroachment on sovereignty and as a wanton violation of the UN Charter and international laws with respect for sovereignty, non-interference and territorial integrity as their main purpose.

The international community should recognize the seriousness of the present Venezuelan situation, which caused a catastrophic consequence to fixing the structure of regional and international relations, and raise voices of due protest and denunciation against the U.S habituated violation of sovereignty of other countries.

http://www.kcna.kp/en/article/q/b69ec08c77c5568fba03b352471a1777.kcmsf


Nunca volveremos a ser esclavos!

„Nunca volveremos a ser esclavos!“ – „Wir werden nie wieder Sklaven sein!“. Mit diesen kämpferischen Worten reagierte die Vizepräsidenten Venezuelas und – nach der Entführung des rechtmäßigen Präsidenten Nicolas Maduro – de facto Staatsoberhaupt Delcy Rodriguez auf die unfassbaren Ereignisse der letzten Stunden.

Die zutiefst völkerrechtswidrige Aggression auf den souveränen Staat Venezuela lässt uns und die freie Welt um Fassung ringen.

US-amerikanische Außen- und Kriegspolitik war im Steben nach Ausweitung ihres imperialistischen Herrschaftsanspruchs schon immer wenig zimperlich, und geprägt von ungezügelter Aggression, blindem Hass und moralischer Verderbtheit. Das jüngste Husarenstück aus Washington zeigt allerdings eine neue und zutiefst beunruhigende Qualität.

So wird nicht einmal der Versuch unternommen, dem unrechtmäßigen Akt der Aggression das Deckmäntelchen der „moralischen Verpflichtung“ umzulegen, wie noch in Libyen, dem Irak, Vietnam, Nicaragua, Korea und bei vielen anderen Gelegenheiten geschehen. In einem Nebensatz wird die Floskel der „Demokratisierung“ fallen gelassen, während in gleichem Atemzug die Ausbeutung des Landes durch US-amerikanische Öl-Konzerne und die Errichtung einer illegalen Besatzungsherrschaft zur neuen Realität erklärt wird. Das ist das unverhohlene Demokratieverständnis der Ostküsten-Hochfinanz … und Europa schaut zu.

Vor rund 13 Jahren verkündete der ewige Kommandant Hugo Chavez die Bolivarische Revolution, jagte die amerikanischen Kolonialherren mitsamt ihrer Marionetten-Regierung aus dem Land und verkündete den Beginn des Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Ein Befreiungsschlag, nicht nur für das venezoelanische Volk. Das Erdbeben am Rande der Anden war in allen Teilen der Welt spürbar und Geburtsstätte einer Gemeinschaft der freien und souveränen Staaten, basierend auf gegenseitigem Respekt und fruchtbarem Austausch unter Betonung der nationalen und kulturellen Unterschiede. Ein gelungener Gegenentwurf zur One-World-Dikatur des Westens, die jedwede nationale Identität zu vernichten trachtet, um wurzellose Arbeitssklaven für die Hochfinanz zu schaffen.

Dieser Befreiungsschlag, diese friedliche vom Volk getragene Revolution mit all ihren sozialen Errungenschaften soll nun quasi über Nacht rückgängig gemacht werden. Das ist es, was Delcy Rodriguez meint, wenn sie davon spricht, nie wieder Sklaven sein zu wollen.

Diesem kämpferischen Appell schließen wir uns an und rufen dem tapferen Venezuelanern zu: Ihr seid nicht allein. Die freien und fortschrittlichen Völker dieser Erde, werden dem wildgewordenen US-Imperialismus die Stirn bieten. Gemeinsam mit ihnen soll unser Ziel sein, die Revolution ins Herz des Westens zu tragen. Unsere Brüder und Schwestern in Deutschland und Europa aus ihrer Lethargie zu befreien und – wie in Venezuela – von ihren unsichtbaren Ketten, geflochten aus ausuferndem Hedonismus, hemmungslosem Konsum und jahrzehntelanger Indoktrination zu befreien und die Sklaverei zu beenden.

Mit diesem Ziel vor Augen, und den erwachten Völkern an unserer Seite soll der Sündenfall von Caracas den Anfang zum Todessstoß gegen des US-Imperialismus setzen.

Venceremos, du stolzes Volk von Venezuela.

„Juntos todo es posible“ – „Gemeinsam ist alles möglich!“


Bei anderen gelesen….

UZ vom 26.12.2025 von Hartmut König

Vor 80 Jahren wurde der Weltbund der Demokratischen Jugend gegründet

Unser Glück auf dem Frieden beruht

Am 10. November 1945, ein halbes Jahr nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus, trafen sich Jugendliche aus 63 Ländern in London, um den Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) zu gründen. Den Anstoß dazu hatte ein Weltjugendrat gegeben. Er war noch während des Krieges von Jugendorganisationen aus Ländern der Anti-Hitler-Koalition gebildet worden, um die junge Generation in den antifaschistischen Kampf einzureihen. Im Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Aggressionsarmee in Europa beendet worden. Im Juni wurden in San Francisco die Vereinten Nationen gegründet. Im Folgemonat stellten die Siegermächte in Potsdam Weichen für die Zukunft Deutschlands. Nazi-Führer, sofern sie sich nicht durch Suizid der Verantwortung für ihre Verbrechen entzogen hatten, waren in Haft und warteten auf ihren Prozess, der vier Tage nach Gründung des WBDJ in Nürnberg eröffnet wurde. Im August fielen die US-Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki – ein barbarischer Feldversuch, um diese neue Waffe als Druckmittel im sich abzeichnenden Kalten Krieg zu erproben.

Das Gründungsdatum des WBDJ lag in einer Zeit, in der aller Welt noch die Opfer und Verheerungen des faschistischen Raubkrieges vor Augen standen. Allein die So­wjet­union als Hauptkraft der Anti-Hitler-Koalition hatte 27 Millionen Tote zu beklagen. In den Konzentrationslagern waren über 11 Millionen Menschen ermordet worden. Städte und Landstriche waren verwüstet. Dessen eingedenk einten Sehnsucht nach künftigem Frieden und der Wille zu demokratischem Aufbruch die Völker und ihre jungen Generationen sehr stark. Dass sich bereits neue Gefährdungen am Welthorizont abzeichneten, machte es umso dringlicher, die richtigen Lehren aus der Geschichte zu ziehen und die Einheit im Kampf für Frieden und soziale Gerechtigkeit zu bewahren.

Junge deutsche Antifaschisten als Beobachter-Dieser Geist beherrschte die erste Weltkonferenz der Jugend in London, die am 31. Oktober 1945 begann und zehn Tage später mit der Gründung des WBDJ beendet wurde. Die 473 Delegierten, insgesamt 30 Millionen junge Menschen vertretend, votierten für eine Organisation, die in der Geschichte der internationalen Jugendbewegung eine neue Seite aufschlug. Jugendliche verschiedener politischer Richtungen, weltanschaulicher Orientierungen, sozialer Herkunft und unterschiedlicher Hautfarbe hatten sich für die Verteidigung ihrer Hauptinteressen zusammengeschlossen. Zum Vorsitzenden des Rates des WBDJ wurde der Franzose Guy de Boisson gewählt. An der Konferenz nahm auch eine Delegation von sechs jungen deutschen Antifaschisten unter Leitung von Horst Brasch als Beobachter teil. Ferner durfte aus Deutschland ein Mitglied des zentralen Antifaschistischen Jugendausschusses im Rat des WBDJ als Beobachter mitwirken. Die später gegründete Freie Deutsche Jugend wurde 1948 in den Weltbund aufgenommen.

Das Gelöbnis, das die Konferenzteilnehmer auf einer öffentlichen Kundgebung in London sprachen, klingt wie ein kühner Traum, der sich in den folgenden Jahrzehnten teilweise erfüllen, jedoch immer wieder auf erbitterten Widerstand der imperialistischen Mächte stoßen sollte: Alle Überreste des Faschismus von der Erde zu tilgen, eine tiefe und ehrliche internationale Freundschaft aller Völker der Welt zu fördern, einen gerechten und dauerhaften Frieden zu erhalten, Not und erzwungene Betätigungslosigkeit auszumerzen. Wie viel sich von diesem Vermächtnis erfüllen ließ, zeigt ein Blick in die Geschichte. Es ganz einzulösen bleibt eine humanistische Aufgabe.

Kraftquell WeltfestspieleUnter den vielen Aktionen des WBDJ, Jugendliche aus aller Welt um dieses Ziel zu vereinen, gehören die Weltfestspiele zu den prägendsten. Gemeinsam mit dem fast zeitgleich gegründeten Internationalen Studentenbund (ISB) sowie einem breiten Spektrum der demokratischen Jugend- und Studentenbewegung organisiert, setzten die Weltfestspiele unüberhörbare politische Zeitzeichen und waren zugleich für Teilnehmer wie Gastgeber unvergessliche emotionale Erlebnisse. Ich habe unverlierbare Erinnerungen an die Festivals in Sofia, Berlin, Havanna, Moskau und Pjöngjang. Wenn ich sie hervorrufe, sind sie wie Klammern um die Weltdinge, die sich zu jenen Zeiten ereigneten. Auch habe ich das Weltjugendlied im Ohr, das Lew Oschanin und Anatoli Nowikow zu den I. Weltfestspielen 1947 in Prag geschrieben hatten und dessen Hymnus mir bis heute stark und unverbraucht erscheint: „Jugend aller Nationen / uns vereint gleicher Sinn, gleicher Mut. / Wo auch immer wir wohnen, / unser Glück auf dem Frieden beruht. / In den düsteren Jahren / haben wir es erfahren: / Arm war das Leben. / Wir aber geben / Hoffnung der müden Welt.“

Besonders wach sind meine Erinnerungen an die X. Weltfestspiele 1973 in der DDR-Hauptstadt Berlin. Nicht nur, weil ich mit Reinhold Andert dafür das Lied „Wir sind überall“ geschrieben hatte und mich hier mit besonderem Inte­resse auf meine bevorstehenden Aufgaben in der internationalen Arbeit der FDJ vorbereitete, sondern weil ich mein Berlin so herrlich bunt und aufgeregt noch nie erlebt hatte. 1971 war auf der Exekutivtagung des WBDJ in Valparaiso, abgehalten noch im freien Chile der Unidad Popular, beschlossen worden, Berlin als Austragungsort für die X. vorzuschlagen. Das Internationale Vorbereitungskomitee (IVK) war dem gefolgt, und Berlin wurde nach den III. Weltfestspielen (1951) zum zweiten Mal Festivalort. Die Entscheidung war in einer Zeit fortgeschrittener internationaler Anerkennung der DDR und beachtlicher Aufbauerfolge des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden gefallen. Sie war eine Geste der Solidarität, vertraute aber auch auf eine zuverlässige Organisation des Festivals, dessen Teilnehmerbreite so groß sein würde wie nie zuvor. Unter der Losung „Für antiimperialistische Solidarität, Frieden und Freundschaft“ begrüßte WBDJ-Präsident Roberto Viezzi im Stadion der Weltjugend über 25.500 Delegierte aus 140 Ländern, die 1.700 nationale sowie 18 internationale Jugend- und Studentenorganisationen vertraten. An den neun Festivaltagen trafen sie sich mit einer halben Million Jugendlichen aus der DDR. Damit wurden die X. Weltfestspiele zur damals größten antiimperialistischen Versammlung der Jugend weltweit. Unvergesslich, wie die kleine Vo Thi Lien, die die US-Mordattacke in Son My überlebt hatte, nun mit dem Abgesandten des siegreichen Vietnam ins Stadion marschierte. Mit fotografischer Präzision erinnere ich mich an die Anwesenheit der freigekämpften Angela Davis oder des PLO-Repräsentanten Jassir Arafat. Im Ohr noch die Lieder der chilenischen Gruppe „Inti Illimani“. Später wussten wir, dass ihr Aufenthalt in Europa sie vor dem Schicksal des von der Pinochet-Junta ermordeten Sängers Victor Jara bewahrt hatte. Die Buntheit des Festivals lebte von über 1.500 Veranstaltungen, die sieben Millionen Menschen besuchten. Zu den organisierten Events, ich denke gern an die Sonderausgabe des Festivals des politischen Liedes (kurz PLX genannt), kam noch die Vielzahl an spontanen Treffs und Performances. Das alles stand zu Buche, als Angela Davis im „Ruf an die Jugend der Welt“ der Euphorie des Festivals die Warnung beigab: „Wir kennen den Imperialismus. Deshalb werden wir unsere Aktionen und unseren Kampf verstärken.“

Weitergehen – solidarisch und selbstbewusst

Hatte die FDJ die Wahl der DDR als Austragungsort der X. Weltfestspiele als ein Zeichen der Solidarität verstanden, so schlug sie mit derselben Absicht Havanna als Metropole der XI. vor. Wir sahen die logistischen Schwierigkeiten voraus, die die embargogeschwächte Wirtschaft Kubas haben würde. Allein die knappen Transportmöglichkeiten in der Hauptstadt, dazu der An- und Abtransport Tausender ausländischer Festivalteilnehmer, ihre Unterbringung und Verpflegung – all das würde der DDR wie anderen sozialistischen Ländern eine umfangreiche materielle Hilfe abverlangen. Aber das sollte solidarisch eingebucht sein, wenn doch die wunderbare Vision bestach, ein antiimperialistisches Festival vor der Haustür des angemaßten US-Weltgendarmen als pfiffige Ohrfeige zu platzieren. Der Plan ging auf, das Festival setzte genau dieses Zeichen, und Havanna gab nicht ohne Stolz die Festivalstafette weiter.

Die Wirksamkeit des WBDJ, der zum Zeitpunkt des X. Festivals über 200 Mitgliedsorganisationen in 103 Ländern hatte, allein auf die Welt-Events zu legen, hieße, seine regionale und lokale Bedeutung zu übersehen. In den Kämpfen gegen Krieg und Ausbeutung, gegen Kolonialismus, Neokolonialismus und Apartheid, für die Rechte der Jugend war er stets Impulsgeber und Beistand. Imperialistische Kreise, die im Frost des Kalten Krieges alsbald ihre Gegenorganisation in Stellung brachten, hefteten dem WBDJ gern das Etikett der Moskauhörigkeit an. Tatsächlich hat die Gemeinschaft der sozialistischen Länder die Arbeit des Weltbundes tatkräftig unterstützt. Das aber lag an der Übereinstimmung ihrer grundsätzlichen politischen und humanen Werte – der Friedenssicherung, der Forcierung des sozialen Fortschritts. Ungeachtet imperialistischer Schmähungen war die aktive Rolle des WBDJ im UNO-System sowie bei der Zusammenarbeit der relevanten internationalen Jugend-NGOs stets anerkannt. Freilich brachte der Zerfall der sozialistischen Staatengemeinschaft in Europa den WBDJ um eine wichtige Unterstützung. Aber der Weltbund lebte fort und findet auch heute in kompliziertem Fahrwasser seinen aufrechten Kurs in der internationalen Jugendbewegung. Das ist gut so, denn der Londoner Schwur, mit so großer Hoffnung auf den Ruinen eines Weltinfernos geleistet, ist noch unerledigt.


Bei anderen gelesen…

Berliner Kurier vom 22.12.2025 von Peter Wiezorek

Nach Sieg im Pokal ist beim BFC so richtig Weihnachten

Die Pause ist kurz, deshalb ist es für die Weinrot-Weißen ganz wichtig, sich auf das Wichtigste zu konzentrieren.Ein sportlich eher vermurkstes Halbjahr fand doch noch ein glückliches Ende. Das 3:1 im Viertelfinale des Berliner Pokals bei Regionalliga-Konkurrent BFC Preussen soll für den BFC Dynamo nun auch der Push gewesen sein, um im zweiten Teil der Saison 2025/26 zwei Ziele anzugehen: den Pokal zu verteidigen und in der Liga so schnell wie möglich vom aktuellen Platz 15 Anschluss ans Tabellen-Mittelfeld herzustellen.
Der Erfolg bei Preussen soll den dafür nötigen Rückenwind bringen, die kurze Pause über die Feiertage (Trainingsstart im Sportforum ist am 5. Januar) nach den turbulenten Tagen mit dem Trainerwechsel von Dennis Kutrieb (46) zu Sven Körner (43) für freie Köpfe und neue Kraft sorgen.Chris Reher (31), bis zum Sommer Kapitän, dann im BFC-Nachwuchs und seit Dienstag Co-Trainer von Körner, bringt es auf den Punkt: „Die ganze Woche war – auch für mich – sehr aufregend. Die Jungs haben wirklich gut gearbeitet und sich den Sieg verdient. Deswegen können wir zufrieden und glücklich in den Winterurlaub gehen.“Die Zeit ist knapp, deshalb verstreuten sich die Dynamos auch gleich nach dem Spiel in alle Himmelsrichtungen. Eine teaminterne Umfrage ergab, dass sich fast alle nach Hause aufmachten, um die Feiertage bei ihren Familien zu verbringen. Nur zwei nutzen die Tage zu einem Abstecher in den warmen Süden.Klarer Favorit auf dem Speiseplan ist Gans mit Klößen, aber auch Fisch und Raclette werden gern genommen. Leander Fritzsche und Tim Windsheimer mögen es eher deftig, bei ihnen kommt Rindergulasch bzw. Rinderroulade auf den Tisch.

Moritz Polte und Willi Reincke starten wie Körner, Reher und Teammanager Jörn Lenz (56) eher bescheiden ins große Schlemmen – mit Kartoffelsalat und Würstchen.Apropos Körner: Weil es für einen Sieg im Pokal-Viertelfinale ja noch keine Trophäe gibt, er aber trotzdem nicht ganz mit leeren Händen dastehen wollte, sicherte sich der neue Chefcoach schnell noch einen Weihnachtsbaum.
Nicht irgendwo, sondern im Hansamarkt in Hohenschönhausen. Der ist im Kiez generell ein beliebter Anlaufpunkt für Dynamo-Fans und -Sympathisanten. Für Körner ist die absolute Einheit von allen im und um den Klub herum ein entscheidender Baustein auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Er redet sie nicht nur herbei, er lebt sie vor.


Bei anderen gelesen…

Erklärung der Internationalen Sozialistischen Liga zu Burkina Faso.. Infomail 1290

Der plötzliche Aufstieg von Hauptmann Ibrahim Traoré in Burkina Faso hat in ganz Afrika und im globalen Süden für Aufregung, Hoffnung und Diskussionen gesorgt. Sein rebellisches Image – das auf Wandbildern, TikToks und Kundgebungen der Diaspora gefeiert wird – erinnert an einen panafrikanischen, antiimperialistischen Geist, der an Thomas Sankara (1. Präsident Burkina Fasos und 5. Präsident Obervoltas, des Vorläuferstaats) erinnert. Allerdings werden ihm viele Dinge zugeschrieben, die er weder gesagt noch getan hat – darunter der weit verbreitete Einsatz von KI-generierter Propaganda, die ihn ideologisch und praktisch größer darstellt, als er wirklich ist. Dennoch erscheint Traoré für Millionen Menschen, die in Afrika, Südasien und Lateinamerika – Regionen, die noch immer unter der Last einer drakonischen kolonialen Vergangenheit leiden – mit imperialistischer Ausbeutung, extremer Wirtschaftskrise und dem Zusammenbruch des Staates konfrontiert sind, als Leuchtturm revolutionärer Hoffnung.

Aus marxistischer Sicht muss der Schein mit dem Sein verglichen und die Form anhand ihres Inhalts beurteilt werden. Wir erkennen zwar den revolutionären sozialen Prozess hinter Traorés Aufstieg an und würdigen die relativ radikalen Maßnahmen, die unter seiner Herrschaft ergriffen wurden, aber wir müssen auch kritisch Alarm schlagen. Das Fehlen einer marxistischen Führung in Form einer revolutionären Partei, der Mangel an Macht der Arbeiter:innenklasse und demokratischen Organisationen sowie die zunehmende Militarisierung des politischen Lebens tragen alle den Keim autoritärer Degeneration in sich.Die Entwicklungen in Burkina Faso spiegeln weitgehend sowohl die Stärken als auch die typischen Schwächen ähnlicher Umwälzungen in den Ländern des globalen Südens nach dem Zweiten Weltkrieg wider – Prozesse, die oft zum Aufstieg und schließlich zum Sturz oder zum Niedergang ähnlicher Regime führten. Mit dem Zusammenbruch des Stalinismus in der Sowjetunion und Osteuropa, der weiteren Degeneration des chinesischen Stalinismus zu einer stalinistisch-staatskapitalistischen Herrschaftsform und der beispiellosen globalen Krise des Kapitalismus hat sich die Lebensfähigkeit solcher Regime jedoch drastisch verringert.

Folglich ist ihre historische Lebensdauer deutlich kürzer geworden. Noch schlimmer ist, dass Traorés Hinwendung zu den aufstrebenden imperialistischen Mächten im Osten – Russland und China – und sein Aufstieg zu einer „Starken Mann“-Figur mit unkontrollierter Macht die Gefahr erhöhen, dass eine populäre Massenrevolte in Degeneration und Rückschritt mündet. Diese Resolution ist ein erster Versuch, Traorés Bilanz zu bewerten, die Angriffe des westlichen Imperialismus (insbesondere durch AFRICOM; Afrikanisches Kommando der Vereinigten Staaten, Teil der US-Streitkräfte) zu kritisieren und zu zeigen, dass nur eine sozialistische Revolution – angeführt vom Proletariat im Bündnis mit anderen ausgebeuteten Schichten – Burkina Faso, Afrika und die Welt von der imperialistisch-kapitalistischen Tyrannei befreien kann.

Echte Errungenschaften unter dem Traoré-Regime

Es besteht kein Zweifel, dass Traorés militärisch geführter Übergang dem Volk in Burkina Faso greifbare Vorteile gebracht hat. In etwas mehr als einem Jahr hat seine Regierung Folgendes erreicht:

  • Teilweise Rückgewinnung des nationalen Reichtums: Durch die Einrichtung einer heimischen Goldraffinerie und die Neuverhandlung von Bergbauverträgen wurde die staatliche Kontrolle über die natürlichen Ressourcen gestärkt. Einnahmen, die zuvor vollständig von multinationalen Konzernen geplündert wurden, fließen nun teilweise in die nationale Entwicklung.
  • Wiederbelebung der Landwirtschaft: Der Staat hat kostenlos Düngemittel, moderne Geräte und verbessertes Saatgut verteilt, wodurch die Ernährungssicherheit gestärkt und die lokale Verarbeitung von Baumwolle, Mais und Tomaten ausgebaut wurde.
  • Aufbau sozialer Infrastruktur: Über 1.000 vertriebene Familien wurden zu erschwinglichen Preisen wieder angesiedelt. Neue Schulen und Kliniken werden gebaut. Elektrifizierungs- und Wasserprojekte in ländlichen Gebieten wirken der jahrzehntelangen Vernachlässigung entgegen.
  • Neokolonialismus in Frage gestellt: Die Vertreibung französischer Truppen, die Kündigung von Sicherheitsabkommen und der weit verbreitete Slogan „Frankreich muss fallen!“ zeigen ein wachsendes antiimperialistisches Bewusstsein.

Das sind keine kleinen Erfolge. Sie zeigen Maßnahmen, die versuchen, den Menschen zu helfen – wenn auch nicht unter ihrer direkten demokratischen Kontrolle –, und das trotz unmöglicher Widersprüche: nationaler Ruin, Sabotage durch den Internationalen Währungsfonds, Klimakrise und Aufstände.

Der Kult um den Hauptmann

Die Popularität von Traoré ist zwar verständlich, wird aber zunehmend problematisch. Sein Bild – oft neben Che Guevara und Sankara, durch Fotomontage dargestellt – ist nicht nur ein Symbol des Widerstands. Es entwickelt sich schnell zu einem Personenkult, der an die Stelle politischer Organisation tritt.

Marxist:innen wissen, dass die Befreiung der arbeitenden Massen nicht auf einem einzelnen Individuum oder einer Schicht der Gesellschaft ruhen kann, egal wie radikal oder gut gemeint diese auch sein mögen.

Figuren, die als Retter:innen auftreten und versuchen, das organisatorische oder politische Vakuum einer sozialen Klasse zu füllen, sind ein Kennzeichen des Bonapartismus, dessen Charakter durch seine Klassenbasis und die Klasseninteressen, denen er dient, bestimmt wird. Trotzdem neigen auch linke Bonapartismen dazu, zwischen den Klassen zu balancieren, die unabhängige Initiative der Arbeiter:innenklasse zu unterdrücken und von oben zu regieren, während sie behaupten, im Namen des Volkes zu handeln.

Außerdem haben selbst die „Gefälligkeiten“, die Arbeiter:innen und Bäuer:innen gewährt werden, oft ihren Preis – Vergünstigungen, Privilegien und manchmal sogar regelrechte Korruption und Plünderung durch die bürokratische Elite an der Macht. Die Aufgabe von Marxist:innen ist es nicht, Bewegungen blind zu feiern oder sich von ihnen mitreißen zu lassen. Wir unterstützen die Errungenschaften, zeigen auf, was fehlt, kritisieren das Reaktionäre und heben interne Widersprüche hervor, um die revolutionäre Schärfe zu verbessern.

In dieser Hinsicht bleibt das Regime von Traoré ohne demokratische Organe der Macht der Arbeiter:innen, Bäuer:innen und Soldat:innen eine von oben nach unten organisierte und militarisiertes Herrschaft. Dissens wird unterdrückt. Journalist:innen wurden verhaftet. Demonstrant:innen sind verschwunden. Das sind ernstzunehmende Warnsignale.

Die Erfahrungen Venezuelas in der jüngeren Vergangenheit sind lehrreich. Hugo Chávez wurde weltweit dafür gefeiert, dass er sich dem Imperialismus widersetzte, das Öl verstaatlichte und Sozialprogramme initiierte.

Aber sein Regime hat den Kapitalismus nie abgeschafft und es fehlte ihm die demokratische Kontrolle durch organisierte Arbeiter:innen. Mit der Zeit, besonders nach Chávez‘ Tod, wurde die Macht immer mehr zentralisiert. Andersdenkende wurden unterdrückt, Gewerkschaften geschwächt und Partnerschaften mit chinesischem und russischem Kapital geschlossen. Das aktuelle Regime in Venezuela ist nur noch ein Schatten der Hoffnungen, die die bolivarische Revolution geweckt hatte. Eine ähnliche Gefahr droht Burkina Faso – vielleicht sogar noch schlimmer, weil Traorés Macht aus dem Militär kommt.

Der östliche Imperialismus ist keine Alternative

Traorés „antiimperialistische“ Außenpolitik bewegt sich auf gefährlichem Terrain. Nach dem Abzug Frankreichs wendet sich Burkina Faso nun an Russland für Waffen und an China für Infrastruktur und Investitionen – ein Ansatz, den auch andere Sahelstaaten verfolgen Marxist:innen lehnen die Illusion ab, dass Bündnisse mit Moskau oder Peking eine Befreiung darstellen. Das sind keine progressiven Alternativen, sondern konkurrierende imperialistische Mächte. Die russische Wagner-Gruppe hat in Mali und der Zentralafrikanischen Republik brutale Menschenrechtsverletzungen begangen, um Mineralien für Profit abzubauen. Chinas Belt-and-Road-Initiative (Neue Seidenstraße) ist berüchtigt für undurchsichtige Bedingungen, ausbeuterische Kredite, Umweltschäden und Unterdrückung der Arbeiter:innen.

Auch wenn selbst ein revolutionärer Arbeiter:innenstaat manchmal gezwungen sein kann, die Konfrontation zwischen einem imperialistischen Block und einem anderen taktisch zu seinem Vorteil zu nutzen, müssen solche Kompromisse streng vorübergehend und taktisch bleiben. Einen Block ideologisch als „das kleinere Übel“ oder „relativen Fortschritt“ zu rechtfertigen oder zu akzeptieren, ist politischer und moralischer Verrat.

Solche Taktiken können nur von einem revolutionären Staat mit marxistischer Führung und unter demokratischer Kontrolle der Arbeiter:innenklasse richtig gehandhabt werden. In Burkina Faso, wo solche Grundlagen fehlen, drohen diese Kompromisse und Geschäfts- oder Investitionsabkommen den gesamten revolutionären Prozess zu korrumpieren, auszuhöhlen und entgleisen zu lassen.

Bei der Befreiung geht es nicht darum, sich eine/n neue/n Herr:in auszusuchen. Sie muss durch Klassenkampf, Massenmobilisierung und den Aufbau einer internationalen revolutionären Partei erreicht werden, die darauf abzielt, die Macht in die Hände der Arbeiter:innenklasse in Allianz mit den Bäuer:innen und Soldat:innen zu legen.

Die Heuchelei von AFRICOM

In jüngsten Erklärungen wirft der Kommandeur des US-Afrikakommandos, General Michael Langley, dem Regime von Traoré „demokratischen Rückschritt“ vor und behauptet, Burkina Faso „versage gegenüber seinem Volk“. Das ist nichts weiter als abscheuliche, betrügerische, imperialistische Propaganda.

Wo war AFRICOM, als die Demokratie durch Schulden, französische Militärstützpunkte und Marionettenregime in ganz Afrika erstickt wurde? Warum unterstützen die USA Diktaturen in Ägypten, Saudi-Arabien, Pakistan, Ruanda und anderswo, während sie Burkina Faso dafür verurteilen, dass es sich gegen seine ehemalige Kolonialmacht auflehnt?

AFRICOM geht es nicht um Demokratie, sondern um die imperialistische Kontrolle über die Ressourcen und die strategische Bedeutung Westafrikas. Traoré ist eine Bedrohung für die US-Regierung in Washington, nicht weil er autoritär ist, sondern weil er (bislang) nicht gefügig ist.

AFRICOM muss als Instrument kapitalistischer Ausbeutung, Drohnenkriegführung und neokolonialer Herrschaft entlarvt werden. Seine Kritik an Traoré ist nicht prinzipiell, sondern politischer Opportunismus.

Hoffnung ohne Macht ist gefährlich

Traoré ist nach wie vor beliebt. Sein Aufstieg zeugt von einem echten Hunger im globalen Süden nach Führer:innen, die den Westen herausfordern und für die Grundbedürfnisse und Gerechtigkeit sorgen. In Burkina Faso gründet diese Hoffnung auf echtem Leid und echten Errungenschaften.

Aber die Geschichte warnt uns: Ohne eine marxistische Führung, die in der unabhängigen Organisation der Massen verwurzelt ist, enden solche Bewegungen oft in Verrat. In Chávez‘ Venezuela wurde die Revolution letztendlich durch ihre Abhängigkeit von einer Kontrolle von oben und Kompromissen mit dem Kapital entwaffnet. Vor einigen Jahrzehnten haben wir in Äthiopien die Krise und den endgültigen Zusammenbruch des bonapartistischen Regimes von Mengistu erlebt, gefolgt von den anfänglichen Versprechungen von Meles Zenawi, die bald dem Neoliberalismus und der Unterdrückung wichen.

Ähnliche Entwicklungen gab es im Jemen, in Angola und Mosambik, wo revolutionäre Hoffnungen letztendlich nicht nur durch ausländische imperialistische Interventionen, sondern auch durch tief sitzende interne Widersprüche und strukturelle Schwächen zunichtegemacht wurden.

Der revolutionäre sozialistische Weg nach vorn

Marxist:innen sind nicht einfach gegen Militärregimes, nur weil sie als solche existieren, und sie unterstützen sie auch nicht einfach, nur weil sie progressiv wirken. Wir verteidigen die Errungenschaften, verurteilen alle reaktionären Elemente und kämpfen für die Machtübernahme durch die Arbeiter:innenklasse mit einer revolutionären Partei.

Wir stellen folgende Forderungen:

  • Imperialist:innen raus aus Burkina Faso! Nein zu westlicher imperialistischer Einmischung, Sanktionen oder Putschplänen.
  • Für eine revolutionäre verfassunggebende Versammlung, die vom Volk demokratisch gewählt wird und die Aufgabe hat, eine neue Verfassung auszuarbeiten, die die revolutionären Bestrebungen der burkinischen Massen widerspiegelt.
  • Schaffung einer Volksmiliz durch Bewaffnung von Arbeiter:innen, Bäuer:innen und Student:innen, um die Revolution gegen imperialistische Angriffe zu verteidigen.
  • Radikale Landreform, Umverteilung von Landbesitz der lokalen Eliten oder ausländischer Konzerne an die Bäuer:innen; Unterstützung der kollektiven Landwirtschaft und der grünen Revolution durch staatliche Planung und moderne Technologie.
  • Abschaffung von Klassenprivilegien und Kommissionssystemen im Militär. Gleiche Bezahlung für Offizier:innen und Soldat:innen. Offizier:innen sollten von Soldat:innenkomitees gewählt werden.
  • Unterstützung für antiimperialistische Maßnahmen wie die Ausweisung der französischen Truppen. Wir fordern die Rückgewinnung der Minen und die Verstaatlichung wichtiger Wirtschaftssektoren – egal, ob sie von imperialistischen Konzernen oder der lokalen Bourgeoisie kontrolliert werden. Forderung nach der vollständigen und bedingungslosen Streichung/Enteignung aller imperialistischen Schulden.
  • Unabhängige Organisation der Arbeiter:innenklasse, einschließlich der Unterstützung von Gewerkschaften, Bäuer:innengenossenschaften, Student:innen- und Jugendbewegungen.
  • Einrichtung von Arbeiter:innen- und Bäuer:innenräten – demokratisch von unten gewählte Organe der Klassenmacht –, um die Wirtschaft zu planen und die Grundlagen für einen neuen revolutionären Staat von unten zu schaffen.
  • Vollständige Abschaffung aller reaktionären und unterdrückerischen Gesetze gegen Frauen. Beendigung aller Formen der Diskriminierung und Unterdrückung aufgrund des Geschlechts. Gleiche Rechte, gleiche Bezahlung und gleiche Vertretung für arbeitende Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft. Sechs Monate voll bezahlter Mutterschaftsurlaub sowie umfassende, staatlich finanzierte Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder. Beseitigung der künstlichen Trennung zwischen Hausarbeit und Industriearbeit durch die Vergesellschaftung der Hausarbeit und die Gewährleistung der uneingeschränkten Teilhabe aller Geschlechter in beiden Bereichen.
  • Bruch mit allen imperialistischen Blöcken – Ost wie West. Ablehnung sowohl der NATO als auch der BRICS. Rückzug der Wagner-Gruppe.
  • Volle Transparenz aller internationalen Abkommen. Handels-, Investitions- und Infrastrukturabkommen müssen öffentlich kontrolliert werden. Alle geheimen Abkommen mit imperialistischen Mächten und anderen Staaten müssen aufgedeckt und annulliert werden, wenn sie die Interessen der arbeitenden Massen untergraben. Alle Verträge oder Vereinbarungen zur Förderung der Infrastrukturentwicklung, Industrialisierung oder des Technologietransfers müssen vollständig transparent sein, und alle Klauseln müssen zur offenen Einsichtnahme, Diskussion und demokratischen Kontrolle veröffentlicht werden. Ausländische Investitionen und Handel müssen ihren ausbeuterischen Charakter verlieren und zu Instrumenten des öffentlichen Wohls werden – unter demokratischer Kontrolle und Zustimmung der Arbeiter:innen, Bäuer:innen und lokalen Gemeinschaften durch ihre repräsentativen Organe.
  • Für eine regionale sozialistische Föderation der Sahelzone und darüber hinaus, basierend auf Solidarität und gemeinsamem Kampf gegen Imperialismus, Kapitalismus und Klimakatastrophe.
  • Für eine internationalistische Außenpolitik, die in der Klassensolidarität verwurzelt ist – nicht in Nationalismus oder Chauvinismus. Verbindet den Kampf der Burkiner:innen mit einer globalen Bewegung für den Sozialismus.
  • Fazit: Unterstützt das revolutionäre Volk, nicht die Uniform.
  • Der Aufstieg von Traoré ist keine Revolution an sich – aber er ist ein Bruch. Er drückt die tiefe Wut der Bevölkerung und ihre revolutionären Bestrebungen aus. Die zerfallende neokoloniale Ordnung bröckelt.

Die Frage ist: Was kommt als Nächstes?

Wir verstehen, warum die Leute hinter Traoré stehen. Auch wir wollen ein neues, freies und würdiges Afrika. Aber ohne die Macht der Arbeiter:innenklasse, demokratische Selbstorganisation und revolutionäre Führung werden selbst die radikalsten Militärregimes zu Fallstricken.

Die Antworten sind nicht Militärjuntas oder bonapartistische Illusionen, sondern die sozialistische Revolution – in Burkina Faso, in ganz Afrika und auf der ganzen Welt.


Bei anderen gelesen…

Berliner Kurier vom 16.12.2025 von Matthias Fritzsche

Nach Trainer-Beben zündet der BFC noch einen Personalkracher

Nach dem Rausschmiss von Trainer Dennis Kutrieb bekommt der neue Chef Sven Körner prominente Unterstützung.

Zeitenwende beim BFC Dynamo. Nach dem Rauswurf von Trainer Dennis Kutrieb ist   Sven Körner in die erste Reihe gerückt. Der bisherige Co-Trainer übernimmt die Mannschaft und legt im ersten Training mit Vollgas los.

„Wir hatten eine gute Energie auf dem Platz. Es war laut, es war emotional, das wird uns die ganze Woche begleiten“, sagt Körner, der als neuer Chef so richtig Ballett hat. „Der erste Tag war pickepacke voll mit Terminen, Gesprächen sowie Vorbereitung und Durchführung des Trainings“, sagt Körner. Dass es bis weit nach der Einheit keine Pause für ihn gab, ist halbsowild. Aber dann sagt er doch: „Ich habe noch nichts gegessen …“In den nächsten Tagen wird sich auch das einspielen. Schließlich hat Körner neben Sportchef Enis Alushi noch eine weitere hochspannende Personalie zur Unterstützung an die Seite gestellt bekommen. Chris Reher, Ex-Kapitän und schon seit einiger Zeit Coach im Nachwuchsbereich, ist neuer Co-Trainer der Dynamos. Alle drei nutzten das erste Training der neuen Zeitrechnung für ein paar eindringliche Worte an die Spieler. Körner: „Wir haben der Mannschaft gesagt, was wir erwarten.“Schon am Sonnabend müssen die Dynamos liefern. Im Landespokal steigt das Viertelfinale beim BFC Preussen (12.00 Uhr). Durch die sportliche Entwicklung der letzten Wochen ist der BFC beileibe nicht mehr der Favorit. Nichtsdestotrotz soll und muss gewonnen werden. Körner drückt es so aus. „Wir wollen in den vier Trainingseinheiten, die wir in diesem Jahr noch haben, das Preussenspiel so vorbereiten dass wir einen heißen Fight abliefern und gewinnen können.“