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Berliner Kurier vom 25.03.2026 von Florian Thalmann

Geheimnisse des Ostens: Das stand in den Brigadetagebüchern der DDR

Sie gehörten zu DDR-Zeiten zum Alltag – und sind heute reif fürs Museum: Brigadetagebücher! Was stand darin? Wir haben etwas geblättert.Es gibt Relikte aus der DDR, die damals eine wichtige Rolle im Alltag vieler Menschen spielten, über die man heute aber oft nur schmunzeln kann. Gleich mehrere finden sich im Depot des DDR-Museums in Berlin: Brigadetagebücher! Sie schlummern in Kisten, meist in knallrotem Einband – und wer die schweren Buchdeckel öffnet, der begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Wofür waren sie da, was stand drin – und was verraten sie über die Arbeitswelt in der DDR?Unscheinbar sieht das Buch aus, wie es im Depot des DDR-Museum Berlin auf einem Tisch liegt. Der Buchdeckel rot, eingeprägt in goldener und geschwungener Schrift das Wort „Brigadebuch“.

Und drinnen seitenweise Erinnerungen an eine Welt, die heute unfassbar fremd erscheint: Mit Schreibmaschine eng beschriebene Seiten, in denen Zeugnis über die Arbeitsleistung der Firma abgelegt wird, der dieses Buch gehörte. Doch zwischendrin auch handschriftlich beschriebene Seiten, versehen mit Fotos und Aufklebern, in denen es um Hochzeitsfeiern und Wanderausflüge geht.Brigadebücher in der DDR: Sie sind noch heute ein wichtiges Zeitzeugnis für alle, die etwas über die Arbeitswelt in der damaligen Zeit erfahren wollen. Denn über Jahrzehnte waren sie ein wichtiger Teil des Arbeitsalltags in der DDR. Die Idee, solche Bücher führen zu lassen, entstand laut Überlieferung nach der „Bitterfelder Konferenz“ von 1959. Hier wurde der Grundstein für den „Bitterfelder Weg“ gelegt, ein neues Kapitel in der sozialistischen Kulturpolitik. Ziel war es, die „wachsenden künstlerisch-ästhetischen Bedürfnissen der Werktätigen“ zu befriedigen.Ab 1960 dann wurden viele Arbeiter zu kleinen Schriftstellern: Die Geschichte der Brigadetagebücher begann. Dokumentiert wurden wichtige Dinge aus dem Arbeitsalltag der Kombinate, um die Leistung der Betriebe zu zeigen. Doch im Buch landete auch vieles, was mit dem Sozialleben zu tun hatte.Das Buch, das nun auf dem Tisch liegt, ist ein perfektes Beispiel für diesen Teil der DDR-Geschichte. Es gehörte dem Betriebspoliklinik Kombinat VEB Chemische Werke Buna. Wenn man sich durch die vergilbten Seiten blättert, lernt man viele Dinge.

Etwa, dass das Kollektiv im zweiten Quartal des Jahres 1977 vorbildlich arbeitete, dass aber „trotz des zweckgebundenen und koordinierten Einsatzes der PKW“ insgesamt 3840 Kilometer verfahren wurden. Dass drei Drehhocker, eine Brotschneidemaschine und ein Probierbrillengestell für Kinder angeschafft wurden. Und dass sich die Mitarbeiter des Kollektivs an den Gruppenversammlungen beteiligten.Aber eben auch, dass die Kolleginnen Pelz, Bohm und Bergmann am 5. März um 16 Uhr einen Ausflug ins Schwimmbad „Lauchagrund“ machten. „Wer möchte nicht gern fit und schlank bleiben. Doch wie viele Stunden werden im weichen Sessel vor dem Fernseher verbracht und damit bekanntlich die eigene Gesundheit vernachlässigt“, schrieb Kollegin Bergmann. Ohne Aufenthalt sei es deshalb im Schwimmbad in die Umkleidekabine und anschließend unter die Dusche gegangen. „Und dann bewegten wir uns 45 Minuten intensiv im Schwimmbecken.“Am 23. April ging es für die Brigade zum Ausflug in die Dölauer Heide. Der Hunger nach der Wanderung wurde in der Gaststätte „Hubertus“ gestillt. „Von der Bewirtung und Bedienung waren alle sehr enttäuscht“, schreibt eine Kollegin. „So machte sich in den Reihen unserer Ausflügler eine Verstimmung bemerkbar. Jeder zog es vor, nach Haus zu fahren.“ Das traurige Ende eines schönen Ausfluges mit viel frischer Luft und „Meilenbewegung“, schildert die Autorin.Man könnte ewig in den Brigadebüchern aus der DDR lesen und sich erfreuen an den schönen Momenten, die hier beschrieben sind – doch für viele Historiker läuft man damit auch Gefahr, direkt in eine Lüge zu schlittern. Denn wie viele Dinge in der DDR verfolgten auch die Brigadebücher ein Ziel – sie dienten als Mittel zur Selbsterziehung im Arbeitskollektiv und dem Prägen „sozialistischer Verhaltensweisen“. Das Führen war Vorgaben unterworfen, deren Einhaltung durch Betriebs- und Betriebsgewerkschaftsleitung überprüft wurde.Der Inhalt war deshalb natürlich kuratiert, erklärt Eric Strohmeier-Wimmer, der Sammlungsleiter des DDR-Museum Berlin. „Die Leute haben nur Dinge da reingeschrieben, die sie in besonders gutem Licht dastehen ließen. Wir werden darin keine Unfallberichte oder Ähnliches finden.“ Was man hier liest, sei entsprechend eine sehr positive Sicht auf das Brigadeleben gewesen – und zeige wenig Schattenseiten. Aus Sicht eines Historikers müsse man kritisch mit dem Inhalt umgehen. „Ich habe in den Büchern noch nie etwas Negatives gesehen.“Strohmeier-Wimmer hat viele der Bücher durchgeblättert: Mehrere Dutzend davon schlummern im Depot des DDR-Museum Berlin, vier haben es in den neuen Bildband „Die DDR in Objekten“ geschafft. Spannend dabei ist, wie einheitlich sie waren.

„Es gab sogar vorgedruckte Ausschneidebögen, aus denen man Dinge wie die Symbole der SED, der FDJ oder der NVA ausschneiden konnte, um die Bücher zu gestalten.“ Auch die Feiertage wurden gewürdigt – so finden sich in den meisten Büchern Einträge, wie das Kollektiv den 1. Mai, den Frauentag oder den Geburtstag von Erich Honecker beging.


Schätze aus der DDR

Dieses Metallstück aus der DDR kennt jeder! Wissen Sie, was es ist?

Doch zwischendrin dann plötzlich das: An einem Tag feierte ein späteres Ehepaar Polterabend – und steuerte anschließend eine Seite zum Brigadebuch bei. „Da kamen die Kollegen und überbrachten Glückwünsche, Geschenke und zwei Karten fürs Schlagerstudio.“

Am 9. März 1977 ging es für die beiden ins Haus der Freundschaft. „Es erklangen viele schöne Melodien, die das Publikum begeisterten.“ Das gleiche Paar bekam später übrigens auch Nachwuchs – im Mai 1977. „Sie wünschten sich ein Mägdelein, Nanett sollte ihr Name sein“, hat eine Mitarbeiterin hier gedichtet. Die Brigadebücher aus der DDR kannten anscheinend keine Geheimnisse.Und doch gibt es auch in diesem Bereich der DDR-Historie Dinge, die wenig erforscht sind. Dazu gehört die Frage, wer sich eigentlich um die Pflege kümmerte – ob es meist einen hauptamtlichen Buchführer gab oder jeder mal Hand anlegen durfte.

Auch die Frage, was eigentlich mit den Büchern passierte, müssten Zeitzeugen erklären. „Haben die sich im Kollektiv hingesetzt und das gemeinsam angeguckt – oder wurden sie von jemandem abgenommen? Das ist eine sehr gute Frage“, sagt Eric Strohmeier-Wimmer. Nicht alle Besonderheiten der DDR sind also bis heute vollständig aufgeklärt.


Prachtvoller Bildband: Eine Blütezeit voller Ereignisse und Umwälzungen im Jahr 2025

Wir freuen uns, unseren Lesern eine weitere Perle aus dem Verlag für fremdsprachige Literatur der Demokratischen Volksrepublik Kore präsentieren zu dürfen.

Der jüngst erschienene Bildband „Eine Blütezeit voller Ereignisse und Umwälzungen im Jahr 2025“ zeigt auf knapp 300 eindrucksvoll bebilderten Seiten einen Rückblick auf das wirtschafts- und außenpolitisch ereignisreiche Jahr 2025.

Eine Fundgrube für jeden, der sich neben den Mainstream-Medien ein eigenes Bild der politischen Weltlage machen will.

Wir wünschen unseren Lesern viel Spaß und gute Unterhaltung.


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Berliner Kurier vom 08.03.2026 von Jana Hollstein

Tausende feiern wieder

Wie in der DDR: Jugendweihe boomt in Berlin und Brandenburg

Immer mehr Jugendliche in Berlin und Brandenburg feiern Jugendweihe oder Jugendfeier. Für viele Familien ist es ein emotionaler Schritt ins Erwachsenwerden.

Ein paar Jellycat-Plüschtiere stehen noch im Regal, ansonsten erinnert nur noch wenig Spielzeug an die Kindheit: Matilda Zachäus verwandelt ihr Zimmer schon seit längerem in ein Jugendzimmer. Für die 14‑Jährige aus Berlin-Mahlsdorf wird sich am 30. Mai einiges verändern. „Das wird so ein Tag für mich“, sagt sie. „Mein Tor ins Erwachsenwerden.“ Es ist der Tag ihrer Jugendfeier.Für Matilda und ihre Eltern war die Entscheidung klar. „Ich bin nicht gläubig und stehe mit keiner Religion in Verbindung. Deshalb passt die Jugendfeier besser zu mir“, sagt sie. Die Familie richtet im Garten eine große Feier aus, mit Zelten und vielen Gästen. „Ich merke, wie viel Mühe sich meine Eltern jetzt schon geben. Und wenn man von älteren Freunden hört, dass das immer ein richtiges Highlight war, dann bin ich sehr gespannt“, erzählt die Achtklässlerin.Matilda ist eine von fast 8500 Jugendlichen, die 2026 in Berlin und Brandenburg an einer Jugendfeier teilnehmen werden. Die Zahl wächst seit Jahren, berichtet Katrin Raczynski, Vorstandsvorsitzende des Humanistischen Verbands Berlin-Brandenburg.Dass eine Jugendweihe oder Jugendfeier nicht überall selbstverständlich ist, erlebt Ole Wolf aus Berlin-Lichtenberg. Der 13-Jährige, der im Mai seine Jugendweihe feiern wird, hat sich in seiner Klasse umgehört – mit überraschendem Ergebnis: „Manche wussten nicht mal, was Jugendweihe ist“, sagt er. „Viele in meiner Klasse machen gar nichts. Manche kommen aus dem asiatischen Raum und sind nicht hier aufgewachsen. Deshalb wissen sie vielleicht gar nicht, dass es dieses Fest gibt.“Die Jugendweihe und die spätere Jugendfeier haben eine lange Tradition. Bereits 1889 fand in Berlin die erste proletarische Jugendweihe statt, erklärt Raczynski. Es war eine klare Abgrenzung von kirchlichen Festen wie Firmung und Konfirmation. Im 20. Jahrhundert durchlief das Ritual mehrere politische Brüche – besonders in der DDR, wo es staatlich organisiert und ideologisch aufgeladen wurde. Nach 1990 trafen Ost- und West‑Traditionen wieder aufeinander. Der Begriff „Jugendfeier“ entstand, um die humanistische, weltliche Ausrichtung zu betonen.Familien begründen ihre Entscheidung oft mit Traditionen, erzählt Raczynski: Eltern oder ältere Geschwister haben selbst eine Jugendweihe, Jugendfeier oder Konfirmation erlebt. Hinzu kommt, dass viele Eltern das Fest als „letzte große Familienfeier“ sehen, bevor die Jugendlichen ihren Abschluss selbst gestalten.Wie bei Konfirmationen spielt für einige Jugendliche auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Matilda sagt: „Ich möchte gerne sparen — für den Führerschein oder vielleicht ein Auslandsjahr. Da kommt bestimmt eine ordentliche Summe zusammen.“ Ole sieht es ähnlich: Geschenke seien schön, sagt er, „aber größtenteils ist es die Feier selbst, dieses Ritual mit der Familie“, das ihm wichtig sei.


Pictorial Korea – Ausgabe 3/26 und Sonderausgabe zum 9. Parteitag der Partei der Arbeit Koreas

Aus der Demokratischen Volkerepublik Korea erreichte uns die neueste Ausgabe der beliebten und eindrucksvoll gestalteten Illustrierten „Pictorial Korea“, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen.

Thematisch geht es in der März-Ausgabe unter anderem um die feierliche Einweihung von mehr als 50.000 neuen und hochmodernen Wohnanlagen in der Hauptstadt Pjöngjang, der Vorstellung neuer 600 mm Mehrfach-Raketenwerfer, sowie dem Wettbewerb der Scharfschützen in der Koreanischen Volksarmee.

Zusätzlich dazu, präsentieren wir unseren Lesern die umfangreiche Sonderveröffentlichung zum 9. Parteitag der Partei der Arbeit Koreas (PdAK). Eine bildgewaltige Dokumentation mit zahlreichen Hintergrund-Informationen und allerlei Wissenswertem, rund um die Partei und den Parteitag.

Wir wünschen unseren Lesern viel Spaß und gute Unterhaltung.


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Berliner Kurier vom 07.03.2026 von Wolfgang Heise.

Sieg im Kellerduell

Liebelt schießt den BFC Dynamo aus dem Abstiegssumpf

Der BFC Dynamo gewinnt durch ein Last-Minute-Tor mit 1:0 beim Greifswalder FC und kann im Abstiegskampf kurz durchatmen.

Der BFC Dynamo zieht sich aus dem Abstiegssumpf. Das Krisenduell in der Regionalliga beim Tabellenfünfzehnten Greifswalder FC gewannen die Weinrot-Weißen mit Fleiß und Last-Minute-Glück 1:0 (0:0). John Liebelt (24) erzielte den Goldenen Treffer, der den BFC erstmal aufatmen lässt – vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge.Nach dem 3:1 vergangenen Dienstag beim BFC Preussen waren die Knochen der Dynamos erstmal noch müde. Die erste Halbzeit verlief mühsam.

Doch nach einer Kabinenansprache durch BFC-Coach Sven Körner in der Pause bissen alle Spieler nochmal auf die Zähne. Mehr Offensivdrang, der dann in der 87. Minute belohnt wurde. Liebelt schob den Ball ganz cool zum 1:0-Sieg ein.Liebelt: „Das ist natürlich superglücklich für uns gelaufen. Es sind drei Punkte im Abstiegskampf. Ich freue mich über mein Tor, aber es geht Dienstag gleich weiter.“ Die Dynamos laufen im Spiele-Marathon jetzt richtig heiß. In drei Tagen gibt es das Heimspiel gegen Magdeburg II.Trainer Sven Körner: „In der ersten Halbzeit hatten wir Probleme. Aber dann haben wir gute Torchancen erspielt. Das freut mich für John Liebelt. Die Jungs haben ihre Qualität.“Doch gefeiert werden darf nicht. Körner: „Ich hoffe die Rückfahrt wird im Bus wird spaßig und heiter, auch ohne Alkohol. Es gibt keinen freien Tag. Es wird Sonntag und Montag trainiert, denn Dienstag ist schon das nächste Spiel.“ Drei Siege in einer Woche, das wäre der gelungene Befreiungsschlag.


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Rofuchs Ausgabe vom März 2026


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Junge Welt vom 23.02.26 von Janusz Berthold

Der Schalk im Nacken

Gustav-Adolf »Täve« Schur zum 95. Geburtstag

Als am 23. Februar vor exakt 95 Jahren in Heyrothsberge, östlich von Magdeburg, ein kleiner Junge geboren wurde, verschwendete selbstverständlich noch niemand spezifische Gedanken an dessen zukünftiges Leben. Ganz sicher wünschten die Eltern des kleinen Gustav, so wurde er benannt, für ihren Filius nur das allerbeste – Gesundheit, Glück und dass er es einmal besser hat. Wie es Eltern im allgemeinen seit Menschengedenken überall tun. Der Vater, in den frühen 1920er Jahren aus dem Ruhrgebiet in die Börde gezogen, hielt die Familie als Arbeiter in einer Ziegelei über Wasser. Die Mutter kümmerte sich um das Gehöft und den Nachwuchs, Gustav war das älteste von insgesamt fünf Kindern der Familie. Eine proletarische Familie im bäuerlichen Umfeld.

Jener Gustav ist inzwischen natürlich längst erwachsen. Und nicht nur das. Vor allem ist er, ohne übertreiben zu wollen, zu einer herausragenden Persönlichkeit gereift und steht seit gut sieben Jahrzehnten für außerordentliche sportliche und zwischenmenschliche Verdienste, zunächst in der DDR und später auch in der BRD. Der Öffentlichkeit ist jener Gustav unter dem Spitznamen Täve bekannt. Jeder in der DDR kannte den Namen Täve. Dieser Name steht exemplarisch für die sportlichen Erfolge und das Menschenbild der DDR.

Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs dürstete es die Menschen nach mannigfaltigen Ablenkungen. Den schönen und begeisternden Beschäftigungen des Friedens eben. Sport, im speziellen das Fahrradfahren, kann bekanntlich diese Ablenkungen bieten. Ferner waren trotz allumfassenden Mangels Fahrräder noch die am unproblematischsten beschaffbaren Fortbewegungsmittel. Als Täve in den frühen 50er Jahren die ersten sportlichen Erfolge auf überregionaler Ebene feiern durfte, entwickelte sich auch seine zunehmende Popularität. Als erster Deutscher gewann er 1955 die legendäre Internationale Friedensfahrt. Und 1959 noch einmal. Täve ist neunfacher DDR-Meister (Straße, Mannschaft, Querfeldein) und errang je eine Olympiamedaille bei den Spielen 1956 und 1960. Zweimal wurde er Straßenradweltmeister der Amateure (1958, 1959), auf den möglichen Hattrick verzichtete er 1960 zugunsten seines Mannschaftskollegen Bernhard Eckstein und wurde Vizeweltmeister. Dieses Rennen bei der Heim-WM auf dem Sachsenring begründete seinen Legendenstatus. Täve opferte seine Siegchancen mit einer taktischen Meisterleistung. Er zog, sich seiner Favoritenrolle vollauf bewusst, sämtliche Aufmerksamkeit der Konkurrenten auf sich, wodurch Eckstein freie Fahrt hatte. Diese Selbstlosigkeit beeindruckte die Menschen von Rügen bis zum Fichtelberg. Täve war ihr Held! Nicht umsonst wurde Täve neunmal Sportler des Jahres und 1989 zum beliebtesten Sportler in 40 Jahren DDR gewählt.

Auf die WM und den Vizetitel angesprochen, macht Täve um diese Episode auch heute noch keine großen Worte. Für ihn war das selbstverständlich. Ihm geht und ging es nie vordergründig um ihn selbst, es geht immer um das große Ganze. Auch auf den Landstraßen Europas. Mannschaftsdienlicher Individualismus – der rote Faden der sozialistischen (Arbeiter-) Sportbewegung.Täve ist mit einem wunderbaren Humor gesegnet. Trocken, direkt, tiefsinnig, immer mit dem charmanten Schalk im Nacken. Bei einem unserer ersten Treffen im Friedensfahrtmuseum in Kleinmühlingen fachsimpelten wir über die legendären WM-Rennen. Ich ließ mich natürlich davon begeistern. Bei der Verabschiedung konnte ich nicht anders, als Täve ein wenig zu lobpreisen: »Ach Gustav, ich wäre nie so ein guter Radsportler geworden wie du.« Täve, anderthalb Köpfe kleiner, schaut an mir hoch, hält kurz inne, kneift die Augen etwas zusammen, grinst und spricht: »Aber ein Großer!« Es brauchte bei mir einige Augenblicke …

Diese Anekdote zeigt doch, er ist mehr als ein Radsportidol. Täve ist eine Seele von Mensch. Auch weil er etwas zu sagen hat, sich nie den Mund verbieten lässt und dennoch seine Bodenständigkeit bewahrt hat. Sehr viele Menschen mit DDR-Sozialisierung achten Täve Schur, etliche vertrauen ihm, einige verehren ihn. Er gilt als sportliches und zwischenmenschliches Vorbild. Mittelbar ist das auch auf seine Mitgliedschaft in der Volkskammer der DDR zurückzuführen. Von 1958 bis zur Auflösung 1990 war Täve Abgeordneter. In dieser Funktion gelang ihm etwas, was bis heute den wenigsten Parlamentariern gelingt – er blieb volksnah. Sein vierjähriges Intermezzo im Bundestag für die PDS (1998–2002) konnte daran auch nichts ändern.

Täve ist seiner antifaschistischen Haltung treu, keinen Groll empfindet er für die offensichtlich ideologisch motivierte Ignoranz der »Hall of Fame des deutschen Sports« gegenüber seiner Person: »Und mit einigen, die in diese Hall of Fame aufgenommen wurden, will ich auch gar nicht in Verbindung gebracht werden. Da findest du welche, die aktiv mit dem Faschismus paktiert hatten, mit denen will ich nicht in einer Reihe stehen.« (vgljW, 20./21.02.2021)

Prinzipienfest und zielstrebig in jeder Lebenslage darfst du dich heute feiern lassen, lieber Täve! Mögest Du, mit dem Dir eigenen Tatendrang, Dein erklärtes Ziel der 100plus erreichen.

Herzlichen Glückwunsch!


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Berliner Kurier vom 22.02.2026 von Peter Wiezorek

Der Frost ist endlich weg, da taut auch der BFC Dynamo so richtig auf

Bevor es am Freitag (hoffentlich) endlich wieder um Regionalliga-Punkte geht, lieferte Dynamo ein überzeugendes Testspiel gegen Lichtenberg 47 ab.

Wenn das kein Zeichen ist! Kaum drehen die Temperaturen in den Plusbereich, tourt auch der BFC Dynamo hoch. Oder wie soll man sonst die beiden letzten Testspiele gegen NOFV-Oberligisten deuten?

Gab es am Mittwoch im Eiskeller „Am Rosenhag“ noch ein 1:3 (0:3) gegen Eintracht Mahlsdorf, folgte am Samstag bei bestem Tauwetter auf Kunstrasen im Sportforum ein 4:0 (3:0) gegen Lichtenberg 47.Mit diesem Rückenwind hoffen jetzt alle inständig, dass am Freitag (19 Uhr) im Stadion im Sportforum gegen Hertha BSC II auch endlich erstmals im Jahr 2026 um Regionalliga-Punkte gespielt werden kann.Gut für Dynamo: Rufat Dadashov fand in der schier endlosen Winterpause seinen Torriecher wieder und trifft – bei jedem Wetter. Wie schon regelmäßig in den Tests zuvor, war der Kapitän auch bei Mahlsdorf erfolgreich, markierte das Ehrentor für den BFC.Gegen Lichtenberg sorgte der Knipser für das 1:0 (8.) und 2:0 (31.), vergab danach mit einem Elfmeter sogar noch die Chance auf einen lupenreinen Hattrick. Willi Reincke (32) und Jan Shcherbakovski (85.) besorgten den Rest.Rufat Dadashov: „Es war wichtig, dass wir gewonnen haben, auch zu null. Das war eine richtig gute Leistung von uns und eine gute Reaktion auf das Mahlsdorf-Spiel. Wir wussten, dass das wahrscheinlich das letzte Testspiel war und da wollten wir auf jeden Fall noch mal alles raushauen.“ Um bereit zu sein für Hertha …


Blumenkorb zum Geburtstag KIM JONG ILs

Zum 84. Geburtstag des großen Führers, Genossen KIM JONG IL, ließ die Antiimperialistische Plattform Deutschland einen farbenfrohen Blumenkorb am Fuß des Großmonuments Mansudae niederlegen.

Dem koreanischen Volk zur Freude und dem großen Staatsmann zur Ehre und zum Andenken, ist der Blumenkorb Symbol für das brüderliche Band, das uns seit vielen Jahren verbindet, und Ausdruck unserer innigen Freundschaft mit der Demokratischen Volksrepublik Korea.

Mit dieser Geste steht die Antiimperialistische Plattform Deutschland in einer langen Reihe zahlreicher internationaler Gratulanten, die ihre ungeteilte Solidarität ebenfalls mit opulenten Geschenken und prächtigen Blumen-Arrangements unterstrichen, und sich sichtbar an die Seite des koreanischen Volkes stellten.

Ein leuchtendes Bekenntnis zur Völkerfreundschaft und zum Selbstbestimmungsrecht der Völker, das gerade in Zeiten, in denen sich erneut der völkervernichtende Imperialismus tollwütig über die Welt erhebt, von besonderer Bedeutung ist.


Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA, vom 16.Februar 2026

Hochachtung der Ausländer vor den früheren DVRK-Staatschefs

Aus Anlass des 84. Geburtstages von Genossen Kim Jong Il schickten die ausländischen Persönlichkeiten, darunter der Präsident der Internationalen Group Italiens, Giancarlo Elia Valori, der Vorsitzende der Antiimperialistischen Plattform Deutschlands, Michael Koth, und der Generaldirektor der russischen GmbH „Jaskom“, Jaroslaw Below, an die Bronzestatuen der früheren DVRK-Staatschefs, Kim Il Sung und Kim Jong Il, auf dem Hügel Mansudae die Blumenkörbe, die am 15. Februar niedergelegt wurden.