Junge Welt vom 05.01.2024
Nasrallah spricht
Rede von Hisbollah-Generalsekretär in Beirut: General Soleimani gewürdigt, Warnungen an IsraelVon Karin Leukefeld, Damaskus
Bei einer Gedenkfeier für den iranischen General Kassem Soleimani in Beirut hat der Generalsekretär der libanesischen Hisbollah, Hassan Nasrallah, die Toten, die im Kampf für die Freiheit ihrer Länder zu Märtyrern geworden seien, gewürdigt. Zum vierten Jahrestag der Ermordung des Kommandeurs der Kuds-Einheit der Iranischen Revolutionsgarden am Mittwoch abend erklärte Nasrallah, der Krieg gegen Gaza habe die militärische, politische und moralische Schwäche der Zionisten und der USA offenbart. Sollte Israel einen »totalen Krieg« gegen den Libanon beginnen, werde es das »sehr, sehr teuer bezahlen«. Soleimani war am 3. Januar 2020 kurz nach seiner Ankunft am Flughafen von Bagdad durch eine US-gesteuerte Drohne getötet worden. Mit ihm starben Abu Mahdi Al-Muhandis, Brigadegeneral der Volksmobilisierungskräfte im Irak, Al-Haschd Al-Schaabi, und alle Begleiter der beiden hochrangigen Militärs.
Nasrallah begann seine Rede mit Glückwünschen an die Gläubigen zu Weihnachten, der Geburt des Propheten Jesus sowie für das neue Jahr. Er würdigte die Toten in Gaza, in den besetzten palästinensischen Gebieten im Westjordanland, Iran, Irak, Syrien und im Libanon. Ausdrücklich hob Nasrallah die Kommandeure und ihre jeweiligen Begleiter, die von den USA und Israel mit gezielten Angriffen getötet worden waren, als enge Verbündete und Brüder hervor: Neben den beiden vorgenannten traf es im Dezember Radhi Al-Mussawi in Damaskus und zuletzt am Dienstag abend den stellvertretenden Vorsitzenden der Hamas, Saleh Al-Aruri, in der libanesischen Hauptstadt. Der Mord Israels an Al-Aruri und seinen Mitstreitern sei ein Angriff sowohl auf die Hamas als auch auf den Libanon gewesen. Der Anschlag im Herzen von Südbeirut sei der erste Angriff im Libanon seit dem Krieg 2006 und sehr gefährlich. Der Mord werde mit Sicherheit beantwortet werden.
Ausführlich würdigte Nasrallah General Soleimani, der alles getan habe, um die Widerstandsgruppen in der Region zu unterstützen und ihre Selbständigkeit zu fördern. Er habe die Kommunikation zwischen den Gruppen im Irak, Syrien, Libanon, Palästina und im Jemen gefördert und so zur Bildung der »Achse des Widerstandes« beigetragen. Die Vertreibung der US-Besatzungstruppen aus dem Irak 2011 habe er maßgeblich unterstützt. Dabei habe jede der Widerstandsgruppen entsprechend den Bedingungen im eigenen Land und selbständig operiert, betonte der Generalsekretär.
Die Standhaftigkeit des Widerstandes gegen den zionistischen Feind in Gaza stärke die Kämpfer und mache sie entschlossener, so Nasrallah. Zu den guten Ergebnissen gehöre, dass die gerechte Sache der Palästinenser wieder auf der Tagesordnung stehe und weltweit große Unterstützung erhalte. Israel habe sich politisch und moralisch entlarvt, jeder sehe, wie Israel das internationale Recht breche. Das gleiche gelte für die USA. Die geplante »Normalisierung« zwischen arabischen Staaten und Israel sei unterbrochen worden. Der Widerstand habe die Abschreckungsfähigkeit und die mediale Überlegenheit Israels zerstört.
An Israel gewandt, erklärte Nasrallah, die Hisbollah habe ihre militärischen Operationen zur Unterstützung der Palästinenser »angesichts des zionistischen Krieges gegen Gaza« begonnen. Es seien abgewogene Angriffe, die den nationalen Interessen des Libanon entsprächen. Die Hisbollah sei damit einem »Überraschungsangriff« der israelischen Armee zuvorgekommen. Sollte Israel aber einen »totalen Krieg gegen den Libanon beginnen, werde es für den Widerstand (Hisbollah) keine Grenzen geben«.
Israelische und deutsche Medien interpretierten diese Aussage als Kriegsdrohung gegen Israel. Die israelische Tageszeitung Jediot Acharonot berichtete am Donnerstag, die Stadtverwaltung von Haifa – etwa 35 Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt – habe beschlossen, die städtischen Bunker für die Bevölkerung zu öffnen. Das Auswärtige Amt in Berlin verschärfte seine Sicherheitswarnung für den Libanon und forderte alle Deutschen in dem Land zur Ausreise auf. Die USA, Kanada und Schweden trafen ähnliche Vorkehrungen.

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