Archiv der Kategorie: Meldungen

80 Jahre Partei der Arbeit Koreas

Am 10. Oktober 1945 entstand aus der im Kampf gestählten Partisanenarmee, die im antikolonialen Befreiungskampf unter der tapferen Führung Genossen KIM IL SUNGs das Joch der japanischen Besatzung abschüttelte und so das moderne Korea entstehen ließ, die Partei der Arbeit Koreas.

Als Mutter des koreanischen Volkes war, ist und bleibt die Partei der Garant für eine friedliche und fortschrittliche Zukunft auf der koreanischen Halbinsel. Seit fast einem Jahrhundert lenkt sie unermüdlich und mit brennendem Eifer die Geschicke des Landes, und trotzt allen Widerständen.

Anlässlich ihres 80-jährigen Bestehens, gründet die Antiimperialistischen Plattform Deutschland – im Bande treuer Verbundenheit – ein Festkomitee, um in würdevollem Rahmen die Feierlichkeiten zum 80-jährigen Jubiläum ihrer Bruderpartei vorzubereiten.

Die Wochen und Monate bis zum großen Festakt begleiten wir mit zahlreichen Veranstaltungen im Großraum Berlin, in denen über die ruhmreiche Geschichte der PdAK und die aktuelle geopolitische Lage auf der koreanischen Halbinsel referiert wird.

Über die einzelnen Veranstaltungen werden wir fortlaufend berichten.


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Junge Welt vom 20.03.2025….

»Der Sozialismus hat eine Schlacht verloren, nicht den Krieg«

Der Kapitalismus kann die sozialen und die Umweltprobleme auf dem Planeten nicht lösen. Und er birgt Krieg als scheinbare Lösung für Krisen in sich. Ein Gespräch mit Marcelo Colussi

Was war das Motiv für Ihr im vergangenen Jahr veröffentlichtes Buch »Vamos por el Socialismo« (Vorwärts zum Sozialismus)?

Es soll deutlich machen: Wir haben mit der Konterrevolution in den sozialistischen Ländern Europas eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg. Und es soll daran erinnern, dass sozialistische Revolutionen möglich sind. Das zeigten die Beispiele in Russland, China, Vietnam, der Demokratischen Volksrepublik Korea, Kuba und Nicaragua.

Nach der Niederlage von 1989 und der Öffnung Chinas zum Markt verkündeten die Ideologen des Neoliberalismus das Ende der Geschichte, es gebe nur noch die Wahl zwischen Kapitalismus und Kapitalismus. Leider ist es der Rechten weltweit gelungen, den Diskurs so zu bestimmen, dass jeder, der heute noch Begriffe wie Revolution, Klassenkampf oder Ausbeutung in den Mund nimmt, scheinbar ins Museum oder zu den Dinosauriern gehört. Da will das Buch gegensteuern.

Warum sind nach Ihrer Auffassung nicht nur Sozialismus, sondern wie es im Buch heißt, auch eine »kommunistische Welt« weiterhin notwendig?

Das ergibt sich einfach aus dem Zustand des Kapitalismus. Nach UN-Zahlen haben nur 15 Prozent der Weltbevölkerung vollständigen Zugang zu einer Basisversorgung. Es gibt eine Überproduktion an Nahrungsmitteln, doch täglich sterben 20.000 Menschen an den Folgen von Hunger. Täglich verlassen mindestens 3.000 Menschen Afrikas, Lateinamerikas und Asiens ihre Heimat und versuchen, in den reichen Zentren des Nordens Zuflucht zu finden. Der Kapitalismus kann die sozialen und die Umweltprobleme auf dem Planeten nicht lösen. Die Aufteilung der Welt in die industriell entwickelten Länder Europas und Nordamerikas und die Länder des Südens als deren Kolonien und Lieferanten von Rohstoffen und billigen Arbeitskräften entspricht seiner Natur. Allerdings führt die neoliberale Version des Kapitalismus, die ihren Anfang 1973 in der Diktatur von Augusto Pinochet in Chile nahm, auch im globalen Norden zu größerer Ungleichheit, Marginalisierung und Privatisierungen.

Außerdem birgt Kapitalismus immer Krieg als scheinbare Lösung für kapitalistische Krisen in sich: gegenwärtig der NATO-Krieg gegen Russland in der Ukraine und der im Nahen Osten. Auf beide schaut die Welt, aber es gibt global 54 kleine und große Kriege. Sie bedeuten Maximalprofite für die Waffenkonzerne. Die Rüstungsindustrie macht pro Sekunde einen Umsatz von 70.000 US-Dollar. Und die Gefahr eines dritten Weltkrieges oder einer atomar geführten Auseinandersetzung wächst weiter.

Ist das Bild vom gutgenährten Fabrikbesitzer auf der einen Seite und vom hungernden Arbeiter auf der anderen nicht überholt?

Nein. Die grundsätzlichen Mechanismen, die im 19. Jahrhundert zur Entstehung der sozialistischen Arbeiterbewegung in Europa führten, sind im wesentlichen so geblieben, wie sie sind. Das Privateigentum an Produktionsmitteln, an Grund und Boden sowie die Kontrolle der Technologien durch wenige Eigentümer und durch das Finanzkapital – daran hat sich nichts Entscheidendes geändert. Richtig ist, dass durch die Entwicklung des Kapitalismus Teile der Arbeiterklasse vor allem in den entwickelten Ländern ökonomisch bessergestellt wurden. Die Einkommensunterschiede zwischen einem Arbeiter im Norden und einem im Süden der Welt sind sehr groß.

Oft heißt es, im Sozialismus sei es nicht besser gewesen. Wie sehen Sie das?

In den sozialistischen Ländern waren Grundbedürfnisse wie Bildung, Gesundheit, ein Dach über dem Kopf und Arbeit im wesentlichen gesichert und Grundrechte. Es gab in allen sozialistischen Ländern große Erfolge gegen Unterernährung und Analphabetismus – auch zum Beispiel in Nicaragua nach der Revolution von 1979.Was führte dann zum Zusammenbruch der sozialistischen Staaten in Europa?

Die Geschehnisse zwischen 1989 und 1991 waren in meinen Augen ein erfolgreicher Putsch des Imperialismus und westlicher Geheimdienste wie der CIA, bei dem sie sich solcher Personen wie Boris Jelzin bedienten. Es gab innere Faktoren wie eine starke Bürokratie und eine Bürokratenklasse, die weniger geleistet hat als die arbeitende Bevölkerung, aber besser lebte. Das hat die Entwicklung beschleunigt. Die Menschen in der Sowjetunion sind nicht auf die Straße gegangen, um die Errungenschaften des Sozialismus zu verteidigen.

Nicht vergessen werden darf aber die Aggression von außen. Alle sozialistischen Staaten lebten in einem Zustand der permanenten Bedrohung, in einer Art Kriegszustand. Der faschistische Überfall auf die Sowjetunion 1941 war der schlimme Höhepunkt. Ähnliches passierte in China, oder denken Sie an die monströse Blockade gegen Kuba seit mehr als 60 Jahren und die Aggression gegen das sozialistische, sandinistische Nicaragua in den 1980er Jahren. Oder die Aggression gegen Vietnam, mit 400.000 Tonnen Napalm und über einer Million Toten.

Sie erwähnen in Ihrem Buch mehrfach, dass die Volksrepublik China seit 1990 auf Marktöffnung setzt. Ist sie heute kein sozialistisches Land mehr?

Ich widerspreche der Behauptung, dass die ökonomische und technische Entwicklung Chinas und die Bekämpfung der Armut in den letzten Jahrzehnten Resultat der Öffnung zum Kapitalismus oder gar kapitalistischer Methoden sind. Sie sind Resultat des Weges, den die Volksrepublik seit 1949 geht.

In Guatemala lebt die Mehrheit der Bevölkerung in Armut und extremer Armut, aber Sozialismus ist für die Mehrheit der Menschen sicher keine Alternative. Mit wem wollen Sie hier zum Sozialismus kommen?

Das gilt nicht nur für Guatemala. Das Problem ist, dass nicht nur die sozialistische Bewegung, sondern auch die Arbeiter- und Bauernbewegungen seit 1989 ohne einen positiven Bezugspunkt dastehen. Zu analysieren ist, welche Versuche es bisher in Lateinamerika gab, wie zum Beispiel durch Wahlen in Guatemala mit Jacobo Árbenz in den 1950er und in Chile mit Salvador Allende in den 1970er Jahren. Beide wurden weggeputscht, obwohl zumindest der erste nicht einmal sozialistisch war. Bewaffnete Versuche waren in Kuba und Nicaragua erfolgreich, in Guatemala und El Salvador nahe am Sieg. Interessante Modelle sind heute die »BRICS plus«-Staaten, obwohl sie keine sozialistischen Ziele verfolgen, sondern sich eher zusammenfinden in der Ablehnung des Kapitalismus westlicher Prägung.

Nach dem Wahlsieg von Hugo Chávez in Venezuela 1999 kamen mehrere fortschrittliche Regierungen in Lateinamerika an die Macht. Wie analysieren Sie heute die Lage?

Mitten im Meer des Neoliberalismus gewann der nationalistisch eingestellte Militär Hugo Chávez 1999 die Wahlen. Er war zunächst nicht Antiimperialist, sondern gegen Korruption, entwickelte sich aber nach links. Die Bolivarische Revolution war ein sozialer Prozess von oben nach unten.

Die fortschrittlichen Regierungen in Bolivien, Ecuador, Brasilien, Argentinien, jetzt in Honduras, Kolumbien, Mexiko und anderen Staaten haben gemeinsam, dass es nirgendwo einen Umsturz der Eigentumsverhältnisse gab, keine sozialistische Revolution, keine Agrarreformen und Verstaatlichungen im großen Stil. Multinationale Unternehmen können weiter ausbeuten. Im Falle Venezuelas gelang es nicht, die Abhängigkeit vom Erdölexport zu vermindern. Sozialismus ist dort also eher in Anführungszeichen zu sehen, dennoch machten diese Entwicklungen Hoffnung. Es konnten soziale Verbesserungen durchgesetzt werden. Weil diese Länder aber die bürgerlich-kapitalistischen Spielregeln mitspielen, sind ihnen Grenzen gesetzt. Vielfach verkehrte sich alles wieder ins Gegenteil.

Sie widmen in Ihrem Buch den Erfahrungen Kubas und der zapatistischen Bewegung in Mexiko jeweils ein eigenes Kapitel. Welche sozialen Erfolge und welche Probleme hat die Kubanische Revolution?

In Kuba gibt es seit der Revolution keinen Hunger, keine Unterernährung, keine Kinderarbeit, alle Kinder gehen in die Schule, es gibt keine Straßenkinder. Ich zitiere in meinem Buch Fidel Castro, der sagte, in dieser Welt lebten 200 Millionen Kinder auf der Straße, keines von ihnen lebe in Kuba. Es gibt jetzt eine schwierige wirtschaftliche Lage, und es ist für viele Kubaner nicht einfach, das tägliche Leben zu meistern, aber das ist kein Vergleich zum Beispiel zur Situation in Guatemala, wo die Hälfte der Kinder chronisch unterernährt ist. Hinzu kommen die Milliardenschäden durch die US-Blockade.

Probleme gibt es wie in allen anderen sozialistischen Ländern: Machismo, Rassismus, Autoritarismus, das Weiterleben kapitalistischer Ideen und Verhaltensweisen, Korruption und Bürokratie. Kuba ist nicht perfekt, aber es geht seinen Weg. Hier greift aber auch täglich die Propagandamaschine des Kapitalismus, es gibt Auswanderung, aber die Zahlen werden übertrieben.

Was fasziniert Sie am Zapatismus?

Die Basisdemokratie und die direkte Volksmacht, die die Zapatistas in ihren Gemeinden durchgesetzt haben. Das ist etwas völlig anderes als die verlogene Demokratie, die uns der Kapitalismus als einzig wahre verkaufen will. Die Zapatistas standen aber von Anfang an stark unter dem Druck der Armee und in letzter Zeit unter dem von Drogenbanden.

Wie beurteilen Sie den Zustand der antikapitalistischen Bewegungen?

Viele Bewegungen sehe ich in der Krise. Es gibt zugleich aber Ansätze der Reorganisierung und des Fortschreitens sozialistischer Bewegungen. Es ist immer gut und richtig, sich in seiner täglichen Politik an den Klassikern der Arbeiterbewegung zu orientieren, aber ein paar Dinge waren im 19. Jahrhundert noch nicht so klar. Machismo, Patriarchat und Rassismus sollten wir stärker bekämpfen und thematisieren, als es die Arbeiterbewegung in der Vergangenheit getan hat. Die Erfahrungen in den sozialistischen Ländern haben gezeigt, dass das nicht per Gesetz überwunden werden kann. Ein anderer Aspekt ist die Frage des Umweltschutzes und der Kampf gegen den Klimawandel. Wobei letzteres ein gewaltiger Euphemismus ist, es handelt sich um eine Klimakatastrophe. Der Kapitalismus kann sie nicht regeln, und der Sozialismus kann sie nicht automatisch bewältigen. Da sind konkrete Maßnahmen und Anstrengungen nötig.

Interview: Thorben Austen, Quetzaltenango/Guatemala


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Junge Welt vom 19.03.2025… von Volker Hermsdorf

Nutzloser Dinosaurier

US-Regierung dreht antikubanischen Propagandisten Geldhahn zu. Regime-Change bleibt Ziel

Antikubanische Contras geraten in Panik. Radio y TV Martí, eine Speerspitze rechter Propaganda gegen die sozialistische Inselrepublik, geht offline. Hauptamtliche Mitarbeiter der in Miami-Dade ansässigen Zentrale wurden am Sonnabend per E-Mail beurlaubt und dürfen die Einrichtungen nicht mehr betreten. Auch Millionenzahlungen für Hunderte Systemgegner auf und außerhalb der Insel werden eingestellt. Dies sei ein »Sieg für die kubanische Regierung«, die seit Jahren die Einstellung der US-Sender fordere, schlug der in Miami erscheinende Nuevo Herald Alarm. US-Präsident Donald Trump und sein Außenminister Marco Rubio trafen die Entscheidung jedoch nicht, um die Beziehungen zu Havanna zu verbessern, sondern weil die mit Millionen Steuergeldern gemästeten Konterrevolutionäre nicht geliefert haben.

Am Freitag hatte Trump die Auflösung des Büros für Übertragungen nach Kuba (Office of Cuban Broadcasting, OCB) angeordnet. Die Regierungsbehörde hatte bis dahin die Aufsicht über mehrere, speziell zur Verbreitung von Nachrichten über Kuba gegründete Medien, die rund um die Uhr Meldungen in spanischer Sprache verbreiteten. Weil sich die Berichte jedoch häufig als »Fakes« erwiesen, wurden die Einrichtungen auch in den USA oft als Relikte des Kalten Krieges kritisiert. Der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan hatte 1985 – nach dem Vorbild von Radio Free Europe und Radio Liberty – zunächst den Radiosender Radio Martí ins Leben gerufen, der 1990 um TV Martí und später um das Nachrichtenportal Martínoticias erweitert wurde. Ihr offizieller Auftrag bestand in der »Förderung von Freiheit und Demokratie« in Kuba. Unter Barack Obama galt das Projekt, in das seit seiner Gründung Hunderte Millionen US-Dollar geflossen sind, zunehmend als gescheitert. Nachfolger Donald Trump ließ die Mittel in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) auf Druck rechter Republikaner und Exilkubanergruppen in Miami dennoch weiter fließen. Nach Kürzungen in den vergangenen Jahren verfügte das Office of Cuba Broadcasting zuletzt noch über ein Jahresbudget von 12 Millionen US-Dollar. Doch nun versetzte Trump dem offenbar als nutzlos erachteten Dinosaurier den Gnadenstoß.Die Anordnung betrifft auch andere Medien und Aktivitäten, die von der US-Regierung unterstützt werden. Anfang März hatte das US-Außenministerium bereits Hunderte Projekte zur Unterstützung von Systemgegnern in Kuba, Venezuela und Nicaragua gestrichen. Von 95 staatlich finanzierten Programmen des International Republican Institute (IRI) wurden alle bis auf drei gestrichen, berichtete der Nuevo Herald. Beim National Democratic Institute (NDI) der Demokratischen Partei seien etwa 100 Programme eingestellt worden. »Mein Problem ist, dass ich nicht nach Florida gehen und sagen kann: Mensch, ich bin begeistert, wie viel Geld wir dafür ausgeben, dass vielleicht etwas passiert. Schauen wir uns die Realität an: Das Castro-Regime kontrolliert immer noch Kuba, Venezuela hat gerade eine weitere Wahl gestohlen, und Ortega wird in Nicaragua immer mächtiger«, räumte selbst ein antikommunistischer Hardliner wie der republikanische Senator und ehemalige Gouverneur von Florida, Rick Scott, ein. Als die Entwicklungsorganisation USAID im Februar ihre Website abschaltete, waren dort noch laufende Programme für Kuba in Höhe von 9.747.553 Dollar aufgelistet. Nach Angaben von Havannas Außenminister Bruno Rodríguez hatte USAID zwischen 2007 und 2013 insgesamt mehr als 120 Millionen US-Dollar in Kampagnen gegen Kuba investiert.

Die Abschaltung von Radio Martí und der Entzug von Mitteln für Projekte und Personen, die die New York Times bereits 2014 als »Diebe und Scharlatane« bezeichnet hatte, dürften indes keine Kehrtwende in Washingtons Kuba-Politik einleiten. Der Regime-Change bleibe weiter vorrangiges Ziel der US-Außenpolitik, die eine umfassende Strategie des Angriffs auf die Souveränität auch anderer Länder in Lateinamerika verfolge, warnten mehr als 100 Vertreter von Solidaritätsgruppen aus den USA und Kanada am vergangenen Wochenende auf einer Konferenz in New York City.


Die besten Vorzeichen für eine glückliche Zukunft

Im vergangenen Jahr erblickten in der Demokratischen Volksrepublik Korea 39 ganz besondere Erdenbürger das Licht der Welt. Denn sie kamen nicht allein, sondern hatten alle zwei identische Geschwister im Schlepptau.

2024 wurden – man höre und staune – gleich 13 glückliche Paare Eltern von gesunden Drillingen. Ein Vorzeichen großen Glücks, wie der koreanische Volksmund weiß. Und das ganze 13 mal. Was soll da noch schiefgehen.


Aus dem Leben unseres Vorsitzenden der AiP Genosse Michael Koth

Historische Texte von Michael Koth


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Junge Welt vom 04.03.2025… von Jörg Kronauer

Europas Blütenträume

London und Paris schmieden Friedensplan

An großspurigen Plänen hat es in (EU-)Europa nur selten gefehlt. Einer besteht seit langem darin, den eigenen Aufstieg in der Weltpolitik so energisch voranzutreiben, dass man letzten Endes »auf Augenhöhe« mit den Vereinigten Staaten, der führenden Weltmacht, gelangt. Für Nationalfeiertagsreden und für das eigene Selbstgefühl, das in »Europa« seit vielen Jahren weit oberhalb der realen eigenen Lage schwebt, gab dieser Plan immer viel her. Realisiert wurde er nie. Man kann mit gutem Grund fragen, ob es sich mit dem Vorhaben ähnlich verhält, einen »europäischen« Waffenstillstands- oder gar Friedensplan für die Ukraine zu entwickeln. Auf dieses Vorhaben haben sich die Teilnehmer des Sondergipfels am Sonntag in London geeinigt. Wird es »Europa« gelingen, sich als hehrer Friedensstifter zu profilieren? Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt und die Notwendigkeit, die gegnerische Kriegspartei zur Zustimmung zu bewegen. Die aber verhandelt nicht mit »Europa«, sondern mit den Vereinigten Staaten, und sie ist militärisch auf dem Vormarsch. Ohne die USA, sollte man meinen, geht da nicht viel.

Davon unabhängig – eines ist neu an dem großspurigen Vorhaben: Es vereint gewiss nicht alle, aber doch zahlreiche Staaten Europas hinter der Führung Frankreichs und Großbritanniens. Beide stimmen ihre Ukraine-Politik seit einiger Zeit eng miteinander ab, beide haben in Aussicht gestellt, zur Friedenssicherung auch Truppen zu entsenden. Auf der Grundlage eines Militärabkommens, das sie 2010 geschlossen haben, haben sie 2011 erst den Libyen-Krieg geführt und anschließend eine binationale Eingreiftruppe aufgebaut. Sie könnten den Kern der »Koalition der Willigen« bilden, auf die sich der Londoner Gipfel geeinigt hat und die eine Einhaltung des Friedensvertrages erzwingen soll. Diesen Vertrag wollen Paris und London gemeinsam entwickeln, eventuell unter Einbeziehung eines oder zweier weiterer Staaten. Natürlich hat sich die Bundesregierung bereits zu Wort gemeldet – und will mitmischen. Dass das Vorhaben nicht unter Führung Berlins angegangen wird, verheißt wegen des deutschen Geltungsdrangs zusätzliches Konfliktpotential.Dabei verlangt das Vorhaben von den Staaten eine beispiellose Aufrüstung. Denn ganz abgesehen davon, dass die klare Mehrheit von ihnen den Machtkampf gegen Russland fortsetzen und deshalb ihre Streitkräfte stärken will: all die großspurigen »europäischen« Friedenspläne für die Ukraine könnten schon daran zerplatzen, dass niemand in Westeuropa auf die militärischen Kommunikations- und Aufklärungssatelliten der USA verzichten kann. Kein Wunder, dass es in London hieß, man müsse US-Unterstützung erbitten. Was, wenn Elon Musk kurzerhand »Starlink« abschaltete? Dann hälfe nur der Gang nach Canossa, pardon: nach Washington. Langfristig aber hilft der aufstrebenden Bourgeoisie der Staaten Europas im Kampf um ihren Großmachtstatus nur eines – rüsten, rüsten, rüsten. Man weiß, wer dafür die Zeche zahlt.


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Junge Welt vom 05.03.2025…

DVRK kritisiert US-Militärgebaren

Pjöngjang. Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) hat die Entsendung eines US-Flugzeugträgers nach Südkorea scharf verurteilt. Dadurch hätten sich die »böswilligen Konfrontationsversuche der USA« gegenüber Pjöngjang verschärft, erklärte Kim Yo Jong, die stellvertretende Leiterin der Abteilung Agitation und Propaganda, am Dienstag laut staatlicher Nachrichtenagentur KCNA. Die US-Administration habe seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump ihre »politischen und militärischen Provokationen« gegen die DVRK verstärkt und damit »die feindselige Politik der Vorgängerregierung fortgesetzt«. Die »USS Carl Vinson« war am Sonntag im Hafen der südkoreanischen Stadt Busan eingetroffen. Das südkoreanische Verteidigungsministerium bezeichnete Kims Erklärung als »Vorwand, um die Entwicklung von Atomraketen zu rechtfertigen und einen Vorwand für Provokationen zu schaffen«. Die militärische Kooperation zwischen Südkorea und den USA und deren wiederholte Provokationen werden von Pjöngjang regelmäßig verurteilt. Gemeinsame Manöver der beiden Länder sieht es als Vorbereitung einer Invasion und reagiert darauf häufig mit Waffentests. Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea befinden sich derzeit auf einem Tiefpunkt.


Zur Lage in Syrien

In einem erschütternden Brief beschreibt eine syrische Frau das Leben unter der Al-Qaida-HTS.

Als mit Beginn der gewaltsamen Aufstände im Jahr 2011 klar war, dass der Westen nun auch nach Syrien seine blutigen Finger ausstreckt, war es uns als Antiimperialisten Pflicht und Befehl, uns hinter die politische und militärischen Führung zu stellen und lautstark für die Wahrheit und den Erhalt der säkularen syrischen Republik zu kämpfen. Mit der syrischen Baath-Partei verbindet uns seit jeher ein enges Band der Freundschaft. Zu den größten Errungenschaften des Baathismus zählt zweifellos die Errichtung eines fortschrittlichen syrischen Staates, der den alten Glanz als Hort der Zivilisation in die Moderne transportiert hat. Mehr als 60 Jahre war die Republik Syrien unter Führung der Baath-Partei ein Garant für Stabilität und Sicherheit in einer der geopolitisch fragilsten Regionen dieser Erde.

Über Nacht wurde daraus nun ein weiterer vom Westen geschaffener „Failed State“. Eines der letzten Bollwerke arabischen Nationalismus – geboren aus dem antikolonialen Befreiungskampf und gewachsen zur Speerspitze gegen den erneuten Zugriff angloamerikanischer und zionistischer Imperialisten – ist gefallen.

Was folgt ist die unvermeidliche Dekonstruktion des Staates und ein Rückfall in die schlimmste Barbarei, wie wir ihn bis heute in Libyen erleben müssen.

Wie sich die Lage aktuell verhält, beschreibt der eindrucksvolle Brief einer syrischen Zivilisten, dessen Übersetzung uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt worden ist.


Veröffentlicht im englischsprachigen Original:
https://syrianews.cc/syrian-woman-describes-living-under-natos-al-qaeda-hts/#comment-45128

Übersetzung durch Stefan H. Heuer, M.A. (Rostock) nach persönlicher Erlaubnis der Autorin.

Beginn der Übersetzung:

Hinweis des Editors:
Gestern erhielten wir einen Brief von einer Frau in Syrien, der eher wie ein Hilferuf aussah, da sie ausführlich über das Leben nach dem Sturz der syrischen Regierung und deren Ersetzung durch keine geringeren als die HTS-Terroristen der Al-Qaida berichtete. Wir haben die Echtheit des Briefes überprüft und überlassen ihn Ihnen unbearbeitet:

Ich bin eine syrische Staatsbürgerin und werde durch meine Verbindungen und die Beweise, die wir in den meisten Gebieten sammeln, Augenzeuge in allen syrischen Gebieten sein – abseits der Politik.

Das ‚Regime‘ fiel am 8. Dezember 2024, und Hay’at Tahrir al-Sham (HTS) und sein Anführer Abu Muhammad al-Julani (der sowohl von Freunden als auch von Feinden Syriens als gemäßigt angesehen wird) übernahmen die Macht.

Zunächst zur Klarstellung:
Was wurde den Soldaten der Syrischen Arabischen Armee versprochen, als sie in der Nacht des Umsturzes den Befehl erhielten, ihre Stellungen aufzugeben, ihre Waffen niederzulegen und zu Fuß und in Zivilkleidung in ihre Häuser zurückzukehren?

Es wurde versprochen, dass sich die Armee umstrukturieren würde und dass alle in der Armee verbleiben und ihre Entschädigungen und Gehälter erhalten würden.

Zwei Tage später flog das zionistische Gebilde (Israel) Hunderte von Luftangriffen auf Stellungen der Armee und löschte sie aus. Die syrisch-arabische Armee, die 80 Jahre lang bestanden hatte, sah sich innerhalb von zwei Tagen unter der Herrschaft von al-Julani, ihrem vermeintlichen Verbündeten, in ihren Möglichkeiten beschnitten.

In den folgenden Wochen übernahm die zionistische Organisation [gemeint ist die ‚israelische‘ Armee, kurz IDF; SH] die Kontrolle über den Berg Sheikh und Quneitra [Provinz und Stadt im Südwesten Syriens; SH], und ihre Panzer erreichten die Außenbezirke von Damaskus.

Israelische Soldaten begannen, auf den Märkten von Daraa einzukaufen, und es gab nur eine einzige Widerstandsaktion einiger Einheimischer, die jedoch aufgrund der starken Allianz zwischen der HTS und der zionistischen Organisation niedergeschlagen wurde.

Was ist mit den Angehörigen der Syrisch-Arabischen Armee und den anderen syrischen Streitkräften geschehen?

Die HTS und ihre Fraktionen, die von Usbeken, Uiguren und anderen Nationalitäten unterstützt wurden, starteten groß angelegte Kampagnen in den von ethnischen und religiösen Minderheiten bewohnten Gebieten, nahmen Tausende von Offizieren fest und sperrten sie ein. Hunderte wurden getötet, entweder durch Abschlachten oder durch Erschießen.
Eine Million von ihnen sitzt nun zu Hause bei ihren Familien, arbeitslos, ohne Lohn und mit ungewisser Zukunft.

Früher beschuldigten sie das frühere ‚Regime‘, dem Iran und Russland die Besetzung Syriens zu ermöglichen. Im Laufe der Jahre habe ich nur ein paar russische Soldaten gesehen, die am Strand von Tartus Kaffee tranken und ich habe keine Iraner gesehen. Jetzt aber sehen wir viele Nationalitäten, die mit der HTS verbunden sind, auf den Straßen, die bewaffnet sind und Kampagnen des Terrors und der Einschüchterung gegen die Bevölkerung durchführen.

Die syrische Armee wird jetzt umstrukturiert, wie sie behaupten. Aber sehen Sie sich an, wer diese Armee anführt: Anführer von Gruppierungen nicht-syrischer Nationalitäten, die mehrere Positionen in dieser monströsen Armee innehaben.

Die von al-Julani in seinen Erklärungen versprochene Freiheit und Sicherheit:

Die meisten syrischen Regionen sind aufgrund von Entführungen, Tötungen und systematischen Plünderungen der Häuser von Zivilisten und ehemaligen Armeeangehörigen unsicher. Das frühere ‚Regime‘ hatte in ganz Syrien Hunderte von Wohnkomplexen für die Armee geschaffen, in denen Tausende von Familien untergebracht waren; sie wurden vertrieben und ihre Häuser geplündert.

Alle diese Fälle werden dokumentiert und an humanitäre Organisationen außerhalb Syriens weitergeleitet, allein heute wurden sechs Tötungen dokumentiert.

Wie steht es um die Verbesserung der individuellen Einkommen, wie von al-Julanis Ministern versprochen?

Tausende von Angestellten wurden aus verschiedenen Ministerien und Direktionen in den Provinzen entlassen, entweder aus sektiererischen Gründen oder mit anderen fadenscheinigen Ausreden.
Der einfache Angestellte, der seinen Arbeitsplatz behalten hat, gibt nun sein Gehalt für Transportmittel aus, deren Preis sich vervierfacht hat.
Auch die Rentner haben seit zwei Monaten kein Geld erhalten.
Der Preis für Brot, auf das die syrische Bevölkerung als Hauptnahrungsmittel angewiesen ist, hat sich verzwölffacht.

Eine Revolution der Hungernden ist unvermeidlich.

Dienstleistungen in Städten und Dörfern:

Es gibt keine nennenswerten Dienstleistungen, denn Dienstleistungen benötigen Treibstoff. Treibstoff gibt es nicht. Müll prägt das Straßenbild.

Die neue „Regierung“ hat das Geld des Volkes in den Banken eingefroren, und bis zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Briefes ist es verboten, es abzuheben.

Dies sind einige der Situationen der Syrer nach der angeblichen Befreiung und dem Sieg der syrischen „Revolution“ unter der Führung des israelischen Kriegsverbrechers Netanjahu, den er vor kurzem vor der israelischen Knesset [‚israelisches‘ Parlament in Jerusalem; SH] erklärt hatte.

Das Freie Syrien ist nur auf arabischen Kanälen schön. Aber die Fakten hier sind alle schwarz.

Ende des Briefes der syrischen Dame.



Nachwort des Editors:
Der Westen war wild entschlossen, Al-Qaida HTS in Syrien zu installieren, indem er 13,5 Jahre lang Terrorismus und Kriegsverbrechen gegen das syrische Volk gesponsert hat. Die Kosten dafür haben westliche Bürger und die Menschen am Golf, vor allem die von Katar und Saudi-Arabien, mit Hunderten von Milliarden Dollar, Euro und Riyals bezahlt, und wir hoffen, dass sie jetzt, da ihre Investition in diese Terroristen erfolgreich war, zufrieden sind.

Ende der Übersetzung

Nachwort des Übersetzers:
Am 8. Dezember 2024 fiel Damaskus, die Perle der arabischen Welt und des Islam, in die Hände der finstersten Mordbuben dieser Erde. Dieses Ereignis wird noch weit über Syrien und den Orient hinaus Bedeutung erlangen. Das syrische Volk hat fast 14 Jahre lang dem Terror widerstanden, den die VSA, „Israel“, Großbritannien, die Türkei, die EU sowie die assoziierten arabischen Despotien seit 2011 über diese Nation gebracht haben. Wer weiß denn hier noch, daß im Jahre 2010 Syrien eines der sichersten Länder der Welt gewesen ist? Wer weiß, daß die Syrische Arabische Republik ein moderner säkularer Nationalstaat gewesen ist, der allen Religionen, Glaubensbekenntnissen und seinen vielfältigen Völkerschaften Sicherheit und Gleichheit geboten hatte? Wer weiß, daß das moderne Syrien allen seinen Bürgern kostenlose Gesundheits- und Bildungsdienstleistungen auf einem hohen Niveau hatte bieten können? Wer weiß in diesem von Ignoranz, Perversion und Verfall geprägten Westen, daß Syrien, die Wiege der Zivilisation, über viele Jahrzehnte der kräftige Widerstandsstachel Arabiens im Fleische des völkermordenden Zionistenstaates gewesen ist? Wer weiß, daß in der Syrischen Arabischen Armee Christen, Muslime, Drusen zusammen für ihr Land gekämpft haben? Wer weiß denn schon, daß diese Armee die unwiederbringlichen Artfeakte der Hochkulturen des Orients vor den brandschatzenden Horden der kulturlosen Zerstörer geschützt hat?

Nein, diese Tatsachen sind dem Westeuropäer heute genauso unbekannt wie ihm die schändliche und kriminelle Rolle des ihn regierenden Regimes in der Zerstörung einer blühenden Kulturnation egal ist.
Der Brief der Syrerin zeigt, welche Barbarei der Westen, die Türkei und „Israel“ über dieses schöne Land mit seinem stolzen Volk gebracht hat. Davon auszugehen, daß dies keine Rückwirkungen auf den Westen haben wird, dünkt mir Ausdruck der vorherrschenden westlichen Geisteskrankheit zu sein.


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Junge Welt vom 26.02.2025…

Iran und Russland beraten zu Atomprogramm

Teheran. Der Iran setzt im Atomstreit nach Worten seines Außenministers auf Partnerschaften mit Russland und China. »Bezüglich des iranischen Nuklearprogramms haben wir sehr enge Beratungen«, sagte Abbas Araghtschi nach einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Teheran am Dienstag. Die iranische Regierung werde sich nicht mit Druck zu Verhandlungen zwingen lassen. »Daher wird es keine direkten Verhandlungen zwischen uns und den USA geben.« Russland und der Iran hatten Mitte Januar eine strategische Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre vereinbart. (dpa/jW)


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Junge Welt vom 11.02.2025…

Tödlicher Einsatz gegen Rebellen in Indien

Patna. Mindestens 31 mutmaßliche maoistische Rebellen und zwei Polizisten sind am Sonntag bei Kämpfen in Zentralindien getötet worden, wie AP mitteilte. Demnach sollen Hunderte Einsatzkräfte in die Wälder der Region Indravati im Bundesstaat Chhattisgarh vorgedrungen sein, da sich dort nach Geheimdienstinformationen eine große Zahl Aufständischer versammelt habe, hieß es von Behördenseite. Darauf seien die bisher schwersten Gefechte in diesem Jahr ausgebrochen. Bei den Maoisten handelt es sich oft um Landbevölkerung, der Vertreibung droht.