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Rotfuchs Ausgabe September 2024…

Der Kollaps des Zionismus

Der Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 kann
mit einem Erdbeben verglichen werden, das ein
altes Gebäude erschüttert.
Historisch gesehen gibt es eine Fülle von Faktoren, die einen Staat zum Kentern bringen
können. Er kann durch ständige Angriffe der
Nachbarländer oder durch chronische Bürgerkriege verursacht werden. Er kann die
Folge des Zusammenbruchs der öffentlichen
Institutionen sein, die nicht mehr in der Lage
sind, den Bürgern Dienstleistungen zu erbringen. Oft beginnt er als langsamer Zerfallsprozeß, der sich beschleunigt und in kurzer Zeit
Strukturen zum Einsturz bringt, die einst
solide und standhaft erschienen.
1.
Ein erster Indikator ist die Zersplitterung
der jüdischen Gesellschaft Israels.
Gegenwärtig besteht sie aus zwei
rivalisierenden Lagern, die nicht
in der Lage sind, eine gemeinsame
Basis zu finden. Die Kluft rührt von
den Anomalien der Definition des
Judentums als Nationalismus her.
Während die jüdische Identität in
Israel bisweilen kaum mehr als ein
Gegenstand theoretischer Debatten
zwischen religiösen und säkularen
Gruppierungen zu sein schien, ist
sie nun zu einem Kampf um den
Charakter des öffentlichen Raums
und des Staates selbst geworden.
Dieser Kampf wird nicht nur in den
Medien, sondern auch auf der Straße ausgetragen.
Das eine Lager kann man als den „Staat Israel“
bezeichnen. Es besteht aus eher säkularen,
liberalen und meist, aber nicht ausschließlich,
europäischen Juden der Mittelschicht und ihren Nachkommen, die 1948 maßgeblich an
der Gründung des Staates beteiligt waren
und bis zum Ende des letzten Jahrhunderts
eine hegemoniale Stellung in diesem Staat
innehatten. Ihr Eintreten für „liberale demokratische Werte“ ändert nichts an ihrem
Engagement für das Apartheidsystem, das allen Palästinensern, die zwischen dem Jordan
und dem Mittelmeer leben, auf verschiedene
Weise aufgezwungen wird. Ihr grundlegender
Wunsch ist es, daß die jüdischen Bürger in
einer demokratischen und pluralistischen
Gesellschaft leben, von der die Araber ausgeschlossen sind.
Das andere Lager ist der „Staat Judäa“, der
sich unter den Siedlern im besetzten Westjordanland entwickelt hat. Es erfreut sich
zunehmender Unterstützung innerhalb des
Landes und bildet die Wählerbasis, die Netanjahu den Sieg bei den Wahlen im November
2022 gesichert hat. Ihr Einfluß in den oberen Rängen der israelischen Armee und der
Sicherheitsdienste wächst exponentiell. Der
Staat Judäa will Israel zu einer Theokratie machen, die sich über das gesamte historische
Palästina erstreckt. Um dies zu erreichen, ist
er entschlossen, die Zahl der Palästinenser
auf ein Minimum zu reduzieren, und er erwägt den Bau eines Dritten Tempels anstelle
der al-Aqsa. Ihre Mitglieder glauben, daß sie
damit das goldene Zeitalter der biblischen Königreiche wieder aufleben lassen können. Für
sie sind säkulare Juden ebenso ketzerisch wie
die Palästinenser, wenn sie sich weigern, sich
diesem Bestreben anzuschließen.
Schon vor dem 7. Oktober kam es zu heftigen
Auseinandersetzungen zwischen den beiden
Lagern. In den ersten Wochen nach dem Angriff schienen sie ihre Differenzen angesichts
des gemeinsamen Feindes zu überwinden.
Doch das war eine Illusion. Die Straßenkämpfe sind wieder aufgeflammt, und es ist schwer
vorstellbar, wie es zu einer Versöhnung kommen könnte. Das wahrscheinlichere Ergebnis
zeichnet sich bereits vor unseren Augen ab.
Mehr als eine halbe Million Israelis, die den
Staat Israel repräsentieren, haben das Land
seit Oktober verlassen, was darauf hindeutet,
daß das Land vom Staat Judäa vereinnahmt
wird. Dies ist ein politisches Projekt, das die
arabische Welt, vielleicht sogar die Welt insgesamt, auf Dauer nicht tolerieren wird.
2.
Der zweite Indikator ist die wirtschaftliche
Krise Israels. Die politische Klasse scheint keinen Plan zu haben, um die öffentlichen Finanzen inmitten ständiger bewaffneter Konflikte
auszugleichen, abgesehen davon, daß sie
immer mehr auf amerikanische Finanzhilfe
angewiesen ist. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres brach die Wirtschaft um fast
20 % ein; seither ist die Erholung nur noch
schwach. Washingtons Zusage von 14  Milliarden Dollar wird daran wohl kaum etwas
ändern. Im Gegenteil, die wirtschaftliche Belastung wird sich nur noch verschlimmern,
wenn Israel seine Absicht, einen Krieg gegen
die Hisbollah zu führen, in die Tat umsetzt
und gleichzeitig seine militärischen Aktivitäten im Westjordanland ausweitet, während
einige Länder – darunter die Türkei und Kolumbien – bereits Wirtschaftssanktionen verhängt haben.
Die Krise wird durch die Inkompetenz des
Finanzministers Bezalel Smotrich noch
verschärft, der ständig Gelder an jüdische
Siedlungen im Westjordanland weiterleitet,
aber ansonsten unfähig zu sein scheint, sein
Ressort zu führen. Der Konflikt zwischen
dem Staat Israel und dem Staat Judäa sowie
die Ereignisse vom 7. Oktober veranlassen
inzwischen einen Teil der Wirtschafts- und
Finanzelite, ihr Kapital außerhalb des Staates
zu verlagern. Diejenigen, die eine Verlagerung
ihrer Investitionen in Erwägung ziehen, machen einen erheblichen Teil der 20 % der Israelis aus, die 80 % der Steuern zahlen.
3.
Der dritte Indikator ist die zunehmende internationale Isolierung Israels, das allmählich zu
einem Pariastaat wird. Dieser Prozeß begann
bereits vor dem 7. Oktober, hat sich aber seit
dem Beginn des Völkermordes noch verstärkt.
Er spiegelt sich in den beispiellosen Stellungnahmen des Internationalen Gerichtshofs und
des Internationalen Strafgerichtshofs wider.
Zuvor war die weltweite Palästina-Solidaritätsbewegung in der Lage, die Menschen zur
Teilnahme an Boykottinitiativen zu bewegen,
doch gelang es ihr nicht, die Aussicht auf internationale Sanktionen
voranzutreiben. In den meisten
Ländern blieb die Unterstützung
für Israel durch das politische und
wirtschaftliche Establishment unerschütterlich.
Vor diesem Hintergrund müssen die
jüngsten Entscheidungen des IGH
und des IStGH – daß Israel möglicherweise Völkermord begeht, daß
es seine Offensive in Rafah einstellen muß und daß seine Führer wegen Kriegsverbrechen verhaftet
werden sollten – als Versuch gesehen werden, die Ansichten der
weltweiten Zivilgesellschaft zu
berücksichtigen, und nicht als bloße Widerspiegelung der Meinung der Elite. Die Tribunale haben die brutalen Angriffe auf die
Menschen in Gaza und im Westjordanland
nicht gemildert. Aber sie haben dazu beigetragen, daß die Kritik am israelischen Staat
immer lauter wird, und zwar von unten und
auch von oben.
4.
Der vierte, damit zusammenhängende Indikator ist der Wandel unter jungen Juden in
aller Welt. Nach den Ereignissen der letzten
neun Monate scheinen viele nun bereit zu sein,
ihre Verbindung zu Israel und dem Zionismus
aufzugeben und sich aktiv an der palästinensischen Solidaritätsbewegung zu beteiligen.
Jüdische Gemeinden, insbesondere in den USA,
haben Israel einst eine wirksame Immunität
gegen Kritik verschafft. Der Verlust oder zumindest der teilweise Verlust dieser Unterstützung hat erhebliche Auswirkungen auf
das Ansehen des Landes in der Welt. Die AIPAC kann sich zwar immer noch auf christliche Zionisten verlassen, die sie unterstützen
und ihre Mitgliederzahl erhöhen, aber ohne
eine bedeutende jüdische Wählerschaft wird
sie nicht mehr die gleiche beeindruckende Organisation sein. Die Macht der Lobby ist im
Schwinden begriffen.
5.
Der fünfte Indikator ist die Schwäche der israelischen Armee. Es besteht kein Zweifel daran,
daß die IDF eine schlagkräftige Truppe ist, die
über modernste Waffen verfügt. Doch ihreBegrenzungen wurden am 7. Oktober deutlich. Viele Israelis sind der Meinung, daß das
Militär großes Glück hatte, denn die Situation
hätte weitaus schlimmer sein können, wenn
sich die Hisbollah an einem koordinierten
Angriff beteiligt hätte. Seitdem hat Israel
gezeigt, daß es bei der Verteidigung gegen
den Iran dringend auf eine regionale Koalition unter Führung der USA angewiesen ist.
Bei dem [iranischen] Warnangriff im April
wurden rund 170 Drohnen sowie ballistische
und Lenkraketen eingesetzt. Das zionistische
Projekt ist mehr denn je auf die rasche Lieferung riesiger Mengen an Nachschub durch
die Amerikaner angewiesen, ohne die es nicht
einmal eine kleine Guerillaarmee im Süden
bekämpfen könnte.
Die jüdische Bevölkerung Israels ist inzwischen weithin der Ansicht, daß das Land nicht
vorbereitet und nicht in der Lage ist, sich
zu verteidigen. Dies hat dazu geführt, daß
großer Druck ausgeübt wird, die seit 1948
geltende Befreiung von der Wehrpflicht für
ultraorthodoxe Juden aufzuheben und sie zu
Tausenden einzuberufen. Dies wird auf dem
Schlachtfeld kaum einen Unterschied machen,
aber es spiegelt das Ausmaß des Pessimismus
gegenüber der Armee wider – was wiederum
die politischen Spaltungen innerhalb Israels
vertieft hat.
6.
Der letzte Indikator ist die Erneuerung der
Energie unter der jüngeren Generation der Palästinenser. Sie ist weitaus geeinter, organisch
verbunden und sich über ihre Perspektiven
im Klaren als die palästinensische politische
Elite. Da die Bevölkerung des Gazastreifens
und des Westjordanlandes zu den jüngsten
der Welt gehört, wird diese neue Generation
einen immensen Einfluß auf den Verlauf des
Befreiungskampfes haben. Die Diskussionen
unter den jungen palästinensischen Gruppen
zeigen, daß sie sich mit der Gründung einer
wirklich demokratischen Organisation befassen – entweder einer erneuerten PLO oder einer
ganz neuen Organisation –, die eine Vision der
Emanzipation verfolgt, die im Gegensatz zur
Kampagne der Palästinensischen Autonomiebehörde für die Anerkennung als Staat steht.
Sie scheinen eine Ein-Staaten-Lösung dem diskreditierten Zwei-Staaten-Modell vorzuziehen.
Werden sie in der Lage sein, eine wirksame
Antwort auf den Niedergang des Zionismus zu
geben? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Auf den Zusammenbruch eines Staatsprojekts folgt nicht immer eine glänzende
Alternative. Anderswo im Nahen Osten – in
Syrien, Jemen und Libyen – haben wir gesehen, wie blutig und langwierig die Ergebnisse
sein können. In diesem Fall ginge es um die
Entkolonialisierung, und das vergangene
Jahrhundert hat gezeigt, daß postkoloniale
Realitäten nicht immer zu einer Verbesserung
der kolonialen Bedingungen führen. Nur das
Handeln der Palästinenser kann uns in die
richtige Richtung bringen. Ich glaube, daß
eine explosive Verschmelzung dieser Indikatoren früher oder später zur Zerstörung
des zionistischen Projekts in Palästina führen
wird. Wenn es soweit ist, müssen wir hoffen,
daß eine starke Befreiungsbewegung da ist,
um die Lücke zu füllen.
Mehr als 56 Jahre lang war das, was als „Friedensprozeß“ bezeichnet wurde – ein Prozeß,
der zu nichts führte – in Wirklichkeit eine
Reihe von amerikanisch-israelischen Initiativen, auf die die Palästinenser reagieren
sollten. Heute muß „Frieden“ durch Entkolonialisierung ersetzt werden, und die Palästinenser müssen in der Lage sein, ihre Vision
für die Region zu formulieren, während die
Israelis aufgefordert werden, darauf zu reagieren. Dies wäre das erste Mal seit vielen
Jahrzehnten, daß die palästinensische Bewegung die Führung bei der Darlegung ihrer Vorschläge für ein postkoloniales und
nicht-zionistisches Palästina (oder wie auch
immer das neue Gebilde heißen wird) übernimmt. Dabei wird sie sich wahrscheinlich an
Europa orientieren (vielleicht an den Schweizer Kantonen und dem belgischen Modell)
oder, was noch passender wäre, an den alten
Strukturen des östlichen Mittelmeerraums,
wo säkularisierte religiöse Gruppen allmählich in ethnokulturelle Gruppen übergingen,
die Seite an Seite in demselben Gebiet lebten.
Ob die Menschen den Gedanken nun begrüßen oder fürchten, der Zusammenbruch Israels ist vorhersehbar geworden.
Diese Möglichkeit sollte die langfristigen
Gespräche über die Zukunft der Region
beeinflussen. Sie wird auf die Tagesordnung gesetzt werden, wenn die Menschen
erkennen, daß der jahrhundertelange Versuch, unter der Führung Großbritanniens
und dann der USA, einem arabischen Land
einen jüdischen Staat aufzuzwingen, langsam zu Ende geht. Er war erfolgreich genug,
um eine Gesellschaft mit Millionen von Siedlern zu schaffen, von denen viele bereits in
der zweiten und dritten Generation leben.
Aber ihre Anwesenheit hängt noch immer,
wie schon bei ihrer Ankunft, von ihrer Fähigkeit ab, Millionen von Einheimischen, die
ihren Kampf um Selbstbestimmung und Freiheit in ihrer Heimat nie aufgegeben haben,
gewaltsam ihren Willen aufzudrängen. In
den kommenden Jahrzehnten werden sich
die Siedler von diesem Ansatz verabschieden und ihre Bereitschaft zeigen müssen, als
gleichberechtigte Bürger in einem befreiten
und entkolonialisierten Palästina zu leben.
Ilan Pappe
Redaktionell gekürzt
Ilan Pappe ist Direktor des Europäischen Zentrums für Palästinastudien an der Universität
von Exeter.
Quelle: newleftreview.org, 10.7.24


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Junge Welt vom 04.09.2024…von Nick Brauns

»Defol Amerika«

Türkei: Proteste gegen Besuch von US-Kriegsschiff

Der Besuch eines US-Kriegsschiffs im türkischen Izmir hat zu wütenden Protesten von Kommunisten und Nationalisten geführt. Am Sonntag ist das amphibische Angriffsschiff »USS Wasp«, das zuvor an einem Manöver mit der türkischen Marine teilgenommen hatte, für fünf Tage im Hafen der Ägäismetropole vor Anker gegangen. Die schwimmende Plattform für Kampfflugzeuge, Helikopter sowie Marineinfanteristen ist das Flaggschiff eines US-Flottenverbandes, der seit Juni zum Schutz Israels im östlichen Mittelmeer kreuzt.

Am Montag abend marschierten Tausende unter dem Ruf »Defol Amerika« (Hau ab Amerika) auf einer Demonstration der Kommunistischen Partei der Türkei (TKP) zum Hafen. Die USA unterstützten die Massaker Israels in Gaza, erklärte der Vorsitzende der TKP von Izmir, Savaş Sarı. »Damit die Kriege in unserer Region ein Ende haben und Armut und Elend zurückgedrängt werden, müssen alle imperialistischen Streitkräfte, insbesondere die USA und die NATO, von hier vertrieben werden«. Sarı beschuldigte die türkische Regierung der Kollaboration mit dem Imperialismus und kündigte eine Mahnwache im Hafen an, bis das US-Schiff Izmir verlassen habe.Mitglieder der nationalistischen Türkischen Jugendunion (TGB) hatten zuvor am Montag zwei US-Marineinfanteristen auf Landgang überfallen und ihnen Säcke über den Kopf gezogen, wie sie auf einem Video dokumentierten. Die Polizei nahm 15 Angreifer fest. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA zeigte sich besorgt über den Vorfall.

Proteste gegen US-Kriegsschiffe haben eine lange Tradition in der Türkei. So gelten Demonstrationen von Studenten gegen Besuche der 6. US-Flotte in Istanbul zwischen 1967 und 1969, bei denen Matrosen mit Eiern beworfen und ins Wasser geschubst wurden, als Schlüsselereignisse der 68er-Bewegung des Landes.


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Barnimer Bürgerpost Sommer Doppelausgabe 2024

Menschenrechte von Karl Marx…

Bei dem nachfolgenden Text von Karl Marx handelt es sich Auszüge aus dessen
Schrift »Zur Judenfrage«, die 1844 in den »Deutsch­Französischen Jahrbüchern« erschienen ist.

Glieder die Erhaltung seiner Person, seiner
Rechte und seines Eigentums zu garantieren.
Hegel nennt in diesem Sinn die bürgerliche
Gesellschaft »den Not- und Verstandesstaat«.
Durch den Begriff der Sicherheit erhebt sich
die bürgerliche Gesellschaft nicht über ihren
Egoismus. Die Sicherheit ist vielmehr die Versicherung ihres Egoismus.
Keines der sogenannten Menschenrechte
geht also über den egoistischen Menschen hinaus, über den Menschen, wie er Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft, nämlich
auf sich, auf sein Privatinteresse und seine
Privatwillkür zurückgezogenes und vom Gemeinwesen abgesondertes Individuum ist.
Weit entfernt, daß der Mensch in ihnen als
Gattungswesen aufgefaßt wurde, erscheint
vielmehr das Gattungsleben selbst, die Gesellschaft, als ein den Individuen äußerlicher
Rahmen, als Beschränkung ihrer ursprünglichen Selbständigkeit. Das einzige Band, das
sie zusammenhält, ist die Naturnotwendigkeit, das Bedürfnis und das Privatinteresse, die
Konservation ihres Eigentums und ihrer
egoistischen Person.
Es ist schon rätselhaft, daß ein Volk, welches eben beginnt, sich zu befreien, alle Barrieren zwischen den verschiedenen Volksgliedern niederzureißen, ein politisches Gemeinwesen zu gründen, daß ein solches Volk die
Berechtigung des egoistischen, vom Mitmenschen und vom Gemeinwesen abgesonderten Menschen feierlich proklamiert
(Déclaration de 1791), ja diese Proklamation in
einem Augenblicke wiederholt, wo die heroischste Hingebung allein die Nation retten
kann und daher gebieterisch verlangt wird, in
einem Augenblicke, wo die Aufopferung aller
Interessen der bürgerlichen Gesellschaft zur
Tagesordnung erhoben und der Egoismus als
ein Verbrechen bestraft werden muß. (Déclaration des droits de l’homme etc. de 1793.) Noch
rätselhafter wird diese Tatsache, wenn wir sehen, daß das Staatsbürgertum, das politische
Gemeinwesen von den politischen Emanzipatoren sogar zum bloßen Mittel für die Erhaltung dieser sogenannten Menschenrechte
herabgesetzt, daß also der citoyen zum Diener
des egoistischen homme erklärt, die Sphäre, in
welcher der Mensch sich als Gemeinwesen
verhält, unter die Sphäre, in welcher er sich
als Teilwesen verhält, degradiert, endlich
nicht der Mensch als citoyen, sondern der
Mensch als bourgeois für den eigentlichen und
wahren Menschen genommen wird.
Das Ziel aller politischen Vereinigung ist
die Erhaltung der natürlichen und unabdingbaren Menschenrechte (Erklärung der
Rechte usw. von 1791, Artikel 2.) »Die Regierung ist eingesetzt, um dem Menschen den Genuß seiner natürlichen und unabdingbaren
Rechte zu verbürgen.« (Erklärung usw. von
1793, Artikel 1.)
Also selbst in den Momenten seines noch
jugendfrischen und durch den Drang der Umstände auf die Spitze getriebenen Enthusiasmus erklärt sich das politische Leben für ein
bloßes Mittel, dessen Zweck das Leben der
bürgerlichen Gesellschaft ist. Zwar steht seine
revolutionäre Praxis in flagrantem Widerspruch mit seiner Theorie. Während z.B. die
Sicherheit als ein Menschenrecht erklärt wird,
wird die Verletzung des Briefgeheimnisses öffentlich auf die Tagesordnung gesetzt. Während die »liberté indéfinie de la presse« als
Konsequenz des Menschenrechts, der individuellen Freiheit, garantiert wird, wird die
Preßfreiheit vollständig vernichtet, denn »…die
Pressefreiheit darf nicht zugelassen werden,
wenn sie die allgemeine Freiheit verletzt«, d.h.
also: Das Menschenrecht der Freiheit hört
auf, ein Recht zu sein, sobald es mit dem politischen Leben in Konflikt tritt, während der
Theorie nach das politische Leben nur die Garantie der Menschenrechte, der Rechte des individuellen Menschen ist, also aufgegeben
werden muß, sobald es seinem Zwecke, diesen
Menschenrechten, widerspricht. Aber die Praxis ist nur die Ausnahme, und die Theorie ist
die Regel. Will man aber selbst die revolutionäre Praxis als die richtige Stellung des Verhältnisses betrachten, so bleibt immer noch
das Rätsel zu lösen, warum im Bewußtsein der
politischen Emanzipatoren das Verhältnis auf
den Kopf gestellt ist und der Zweck als Mittel,
das Mittel als Zweck erscheint. Diese optischeTäuschung ihres Bewußtseins wäre immer
noch dasselbe Rätsel, obgleich dann ein psychologisches, ein theoretisches Rätsel…
Allein die Vollendung des Idealismus des
Staats war zugleich die Vollendung des Materialismus der bürgerlichen Gesellschaft. Die
Abschüttlung des politischen Jochs war zugleich die Abschüttlung der Bande, welche
den egoistischen Geist der bürgerlichen Gesellschaft gefesselt hielten. Die politische
Emanzipation war zugleich die Emanzipation
der bürgerlichen Gesellschaft von der Politik,
von dem Schein selbst eines allgemeinen Inhalts… Dieser Mensch, das Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft, ist nun die Basis, die
Voraussetzung des politischen Staats. Er ist
von ihm als solche anerkannt in den Menschenrechten.
Der Mensch wurde daher nicht von der Religion befreit, er erhielt die Religionsfreiheit.
Er wurde nicht vom Eigentum befreit. Er erhielt die Freiheit des Eigentums. Er wurde
nicht von dem Egoismus des Gewerbes befreit, er erhielt die Gewerbefreiheit…
Die politische Revolution löst das bürgerliche Leben in seine Bestandteile auf, ohne diese Bestandteile selbst zu revolutionieren und der Kritik zu unterwerfen.


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Junge Welt vom 24.08.2024…von Arnold Schölzel

Konsolidierte ErinnerungDer schwarze Kanal

Am 23. August vor 85. Jahren wurde der Nichtangriffsvertrag zwischen Deutschland und der Sowjetunion unterzeichnet. Das Datum ist seit 2009 in der EU »Europäischer Tag des Gedenkens an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus«. Seine Voraussetzung ist, nicht des Münchner Abkommens vom September 1938 zu gedenken. Darin hatten die Westmächte nicht nur die Tschechoslowakei Hitler zum Fraß vorgeworfen, sondern faktisch auch grünes Licht für den Krieg gegen die Sowjetunion gegeben. Seit 1939 gilt jedenfalls »rot gleich braun«, aber nicht seit 1938 Nazideutschland gleich Großbritannien und Frankreich.

Nun wächst in Zeiten der Kriegstüchtigkeit der Bedarf an solchen Gleichsetzungen. Am Freitag war daher in der FAZ ein Text des Kulturwissenschaftlers und Historikers Felix Ackermann unter der Überschrift zu lesen: »Stockholm liegt in Ostdeutschland. Der Hitler-Stalin-Pakt teilt Europa bis heute. Während im östlichen Europa die politische Agenda von den Lehren aus ihm geprägt sind, haben die Ostdeutschen die Folgen sowjetischer Besatzungsgewalt verdrängt.«

Die These, dass der Vertrag vom 23. August 1939 bis heute wirkt, verlangt Urheberforschung. FAZ und Ackermann (geb. 1978), der wohl im östlichen Berlin-Mitte zur Schule ging, sind fündig geworden: »die« Ostdeutschen. Denn ihnen fehlt was zum Menschsein. Ackermanns startet seine Beweiskette mit dem Satz, dass »die vom Hitler-Stalin-Pakt betroffenen Gesellschaften« anders als die Bundesrepublik 2014 verstanden hätten, »dass die russische Annexion der Krim den Beginn der Zerstörung der europäischen Nachkriegsordnung markierte«. Und: »Ein wichtiger Grund für die Fehleinschätzung in Berlin war, dass die ostdeutsche Gesellschaft bis heute in einer Art Stockholm-Syndrom verharrt. Es gibt weder in Leipzig noch in Schwerin oder Berlin eine gesellschaftlich konsolidierte Erinnerung an die Repressionen, die nach der Kapitulation der Wehrmacht in der sowjetisch besetzten Zone von sowjetischen Soldaten und Geheimdienstangehörigen ausging.« Die SBZ-Geiseln haben dabei, so Ackermann, zu ihren Geiselnehmern eine Neigung statt Abneigung gefasst. Ackermann hat auch einen Beleg: Das Wort »Filtrationslager« löse »in den 1990 beigetretenen Bundesländern kaum eine Regung aus«, während es »im besetzten Osten der Ukraine für die systematische Verfolgung von Ukrainern« stehe. Der Grund: »Über die Gewalt der sowjetischen Besatzungspolitik wurde in vielen ostdeutschen Familien ebensowenig gesprochen wie über die deutsche Besatzungspolitik in der Sowjetunion.« So war das in der Zone.

Ackermann muss eine schlimme, stumme Kindheit und Jugend hinter sich haben, dennoch enthält er sich pauschaler oder gar rassistischer Urteile über die psychischen Monster, von denen er umstellt war. Er hält fest, sozusagen auf dem Niveau fortgeschrittener Küchensozialpsychologie: »Wer sich trotz vier Jahrzehnten Besatzungsregime nicht als Opfer der Sowjetunion verstanden hatte, empfindet kaum Empathie mit den heutigen Opfern postsowjetischer Gewalt.« Denn das ist die Lage: Der »Hitler-Stalin-Pakt« teilt immer noch Europa, und im Osten wüten die »Postbolschewiken«. Und an ihrer Seite stehen die Ossis: »Typisch für das ostdeutsche Stockholm-Syndrom ist, ­wider besseres Wissen das Nachwirken der systematischen Gewalt sowjetischer Herrschaft zu leugnen.« Das komme heute »im wiederholten Ruf nach einer Verhandlungslösung zum Ausdruck, die Russland als ebenbürtigen Gesprächspartner mit legitimen Interessen verklärt.«

Ackermann hat recht: alles wie 1939. Der Russe hat keine legitimen Interessen, was »die« Ostdeutschen nicht wissen wollen. Schön, dass wenigstens er eine konsolidierte Erinnerung hat.


Ein Fest der Freude, ein Fest des Sieges.

Am 26. Juli verwandelte sich Pjöngjang, die Hauptstadt der Demokratischen Volksrepublik Korea, anlässlich des 71. Jahrestages des Sieges über den US-Imperialismus in einen Traum aus Farben, Formen, Gelächter und Gesang.

Auf der zentralen Festveranstaltung, rund um den imposant dekorierten KIM IL SUNG Platz, wurde bis in den Morgen ausgelassen getanzt und gefeiert. Unter den Feiernden fanden sich auch viele ausländische Gäste – Touristen ebenso, wie Studenten der nahegelegenen KIM IL SUNG Universität –, die gemeinsam mit den Koreanern dem glorreichen Sieg im großen Vaterländischen Befreiungskrieg 1953 gedachten. Ein leuchtendes Signal der Völkerfreundschaft in diesen sonst so dunklen Tagen.

Insbesondere der zahlreich vertretenden Jugend umgab bei aller Freude und Ausgelassenheit aber auch ein heiliger Ernst. In den jungen Gesichtern spiegelte sich der Stolz auf die Kriegsgeneration und der unbedingte Willen, Ihren siegreichen Kampf fortzuführen.

Unzweifelhafter Höhepunkt des Festes war ein beeindruckendes Höhenfeuerwerk, dass die glänzenden Fassaden der Hauptstadt in ein kaskadenartiges Lichterspiel tauchte und weit über die Grenzen Pjöngjangs sichtbar war. Fast schon trotzig zeigte die explodierende Farbenpracht, was das koreanische Volk von den jüngsten Attacken des alten Feindes und seiner Vasallen hält: „Komm ruhig her, wir sind bereit und schlagen Dich auch ein zweites Mal.“


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Junge Welt vom 20.08.2024…. abgeschrieben..

Petition zum Erhalt des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions als Denkmal der Ostmoderne

Der Architekt und Dozent Friedrich Tuczek hat eine unter anderem von der Schriftstellerin Jenny Erpenbeck, der Präsidentin der Architektenkammer Berlin Theresa Keilhacker, der Vorsitzenden des Bundes deutscher Architektinnen und Architekten Julia Dahlhaus und dem ehemaligen Kultursenator Thomas Flierl unterstützte Petition zum Erhalt des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions in Berlin gestartet:

Das Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion in Berlin soll abgerissen werden. Damit würde ein einzigartiges Denkmal der Ostmoderne zerstört.

Außerdem würde der Neubau enorme Ressourcen verschlingen und mindestens 170 Bäume müssten gefällt werden. Eine Katastrophe aus Umwelt- und Klimaschutzperspektive. Und: Es ist nicht einmal sichergestellt, ob das Geld für den Neubau reichen wird.

Wir fordern den Berliner Senat darum auf, die Abrisspläne sofort zu stoppen und statt dessen eine Sanierung des Stadions durchzuführen. Für mehr Nachhaltigkeit und den Erhalt dieses historischen Ortes! (…)

Das Stadion ist ein wichtiges, denkmalwürdiges Zeugnis der Ostmoderne: 1951 von dem Bauhaus-Absolventen Rudolf Ortner für die III. Weltjugendfestspiele mit Hilfe von Trümmerschutt in den Park hineinmodelliert, wurde das Stadion 1987, zur 750-Jahr-Feier Berlins mit einer Tribüne nach Entwurf der tschechischen Architekten Fišarová/Ondrej ergänzt. Die Anlage repräsentiert also mit ihren beiden Bestandteilen, den Rängen wie der Tribüne, in baulicher Gestalt Anfang und Ende der DDR.

Mit ihrem dynamisch ausgeformten roten Dach, dem schwebenden Quader des Baukörpers und der Vorhangfassade mit ihren leuchtend rot beschichteten Gläsern verkörpert die Tribüne – obwohl zu einer Zeit entstanden, in der die DDR die Postmoderne für sich entdeckte – viele Qualitäten der internationalen Nachkriegsarchitektur, die heute deutlich höher geschätzt werden, als dies zur Entstehungszeit 1987 vielleicht der Fall war. Sie steht für eine Spielart der DDR-Architektur jenseits von Beton und Vorfertigung, für die es in Berlin nur noch wenige Zeugnisse gibt. Ein Abriss des Jahn-Stadions würde die Vernichtung eines authentischen Denkmals bedeuten. (…)

Das Jahn-Stadion kann saniert werden, um die Ziele zu erreichen, die mit dem Neubau angestrebt werden: Der Neubau soll dieselbe Anzahl von Sitzplätzen (20.000) bieten, wie sie das bestehende Stadion bot und auch wieder bieten kann, wenn im Rahmen einer Sanierung die Fluchtwege wieder für die volle Kapazität sichergestellt werden. (…) Die jüngst mitgeteilten Kostensteigerungen um 70 Prozent deuten auf eine äußerst schwierige Entwicklung für den Fall hin, dass an dem Vorhaben festgehalten wird: Die nicht ausreichend fundierten und deshalb nicht überzeugenden Argumente für Abriss und Neubau führen jetzt schon dazu, dass große Teile der Anwohnerschaft und der Stadtgesellschaft das Projekt mit großer Skepsis betrachten und ablehnen.

Dieser mangelnde Rückhalt für das Projekt kann in der Kombination von knapper werdenden Mitteln und steigenden Kosten zu einer gesellschaftlichen Zerreißprobe führen.

Auch deshalb unser dringender Appell: Stoppen Sie jetzt den geplanten Abriss des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions und ertüchtigen Sie es aus dem Bestand heraus!


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Junge Welt vom 16.08.2024…

Trauzeuge des Tages: Wolf Biermann

Von Felix Bartels

Und wieder macht er Jagd auf Spatzen. Sie, besoffen von der eigenen Bedeutung, für Drachen haltend, so mutig, »im Gewand des Kritikers zu sagen, was eh alle hören wollen« (Wiglaf Droste). Nun hat der Biermann, der immer dasselbe redet, weil er früher einmal ganz anders redete, sich erneut zu Wort gemeldet. Einmal im Monat muss das alles raus. Über die Linken natürlich. Zu den Rechten nötigt er sich kaum je ein Wort ab, es sei denn, es lässt sich mit seinem Lieblings­thema verbinden.

»Wagenknecht und Höcke sind das politische Brautpaar der Stunde«, diktierte der Mann mit der angewachsenen Klampfe Zeit Online in einem am Dienstag veröffentlichten Interview. Okay, die Nachricht ist von vorgestern. Aber das gilt ja auch von Biermann. »Die blaue AfD und die falschen Roten von Wagenknecht stehen beide auf seiten von Putin in diesem blutigen Ukraine-Krieg.« Mit Falschrotsein kennt er sich aus, inter­essanter schon die Frage, wie groß die Wut wäre, wenn es sich bei Sahra und ihren Wagenknechten um echte Rote handelte. Was Biermann, wie so viele, nicht begreift: Der Antrieb, der Wagenknecht über die Jahre hinweg vom Marxismus weg zum Kleine-Leute-Populismus geführt hat, ist gerade nicht Ausdruck dessen, was Biermann »Stalinschen National­kommunismus« nennt, sondern umgekehrt der Bewegung davon weg. Des Wunsches, Teil einer Massen­bewegung zu sein.

Und wer in der Zuordnung schief ist, dem dürfen natürlich auch Evidenzen gleich bleiben. Was immer sonst gegen das BSW spricht, Wagenknechts Positionen zum Ukraine-­Krieg lassen sich im »Manifest für Frieden« nachlesen. Das ist ein Ruf nach dem Ende eines Krieges, den Russland nicht einstellen wird und den die Ukraine nicht gewinnen kann. Den Leute wie Biermann durch Waffenlieferungen beenden zu können meinen, während sie ihn tatsächlich damit ins Unendliche dehnen.


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Junge Welt vom 06.08.2024…

DVRK: Abschussrampen für Raketen enthüllt

Pjöngjang. Bei einer Zeremonie in Pjöngjang, der Hauptstadt der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK), sind am Sonntag 250 neue Abschussrampen für taktische Kurzstreckenraketen enthüllt worden. Dies berichtete KCNA am Montag. Nordkorea werde in naher Zukunft seine nukleare Bereitschaft verstärken, um nukleare Bedrohungen abzuschrecken und sich gegen jegliche Herausforderungen zu schützen, sagte Staatschef Kim Jong Un demnach. Er bekräftigte, dass die Anhäufung und Verbesserung der Nuklearwaffen der beste Weg sei, um der Bedrohung und dem Druck aus den USA entgegenzuwirken. (Reuters/jW)


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Barnimer Bürgerpost Sonderausgabe Sommer 2024…

  1. Altenhofer Liedersommer und weitere Jubiläen
    Im Jahr 2004, anläßlich des 5. Todestages
    von Gerhard Gundermann, planten wir eine
    Veranstaltungsreihe zu seinen Ehren. Es gab
    viele Diskussionen über den Namen und die
    einzuladenden Künstler. Schließlich entschieden wir uns für den Namen »Altenhofer Liedersommer«.
    Doch wer sang damals Gundermann­Lieder? Die Seilschaft hatte sich nach dem Tod
    des Singenden Baggerfahrers zwar nicht aufgelöst, wollte aber ohne ihren Namensgeber
    nicht weitermachen. Da meldete sich ein junger Mann aus Leipzig namens Christian Haase: Der 23jährige Jungspund und seine Band
    hatten auch Gundi­Songs im Programm. So
    kam es zum ersten Auftritt von Haase & Band
    in Altenhof – ein großer Erfolg! Besucher und
    Veranstalter waren sich einig: Diese Band
    muß wiederkommen.
    Bereits ein Jahr später stellten die sieben
    Musiker auch ihre eigenen Titel vor, die Ende
    des Jahres für die CD »Bleiben« aufgenommen wurden, welche 2004 erschien – also vor
    zwanzig Jahren.
    Auch der Altenhofer Liedersommer findet
    in diesem Jahr zum 20. Mal statt (coronabedingt). Was liegt näher, als diese Jubiläen gemeinsam zu feiern?
    Haase & Band haben sich für dieses Ereignis
    in fast vollständiger Originalbesetzung zusammengefunden und spielen im Rahmen einer kleinen Tournee als Höhepunkt des Liedermacherkonzerts am Samstag (10.8.).
    Auch sonst gibt es wieder ein hochkarätiges
    Programm.
    Ein Highlight am Freitag ist neben Sonny
    Thet der Auftritt von Max Prosa. Max Prosa
    steht schon lange auf der Wunschliste für den
    Liedersommer. Er wird unter anderem Lieder
    von seinem aktuellen Album »Dein Haus«
    vorstellen. Die Gruppe Stilbruch wird das Liedermacherkonzert am Samstag eröffnen. Stilbruch ist eine Klassik­Pop­Band aus Leipzig,
    die ihr Genre als »New Classic« bezeichnet.
    Ihre Live­Auftritte sind legendär.
    Wir freuen uns ebenso auf Krazy. Auf der
    Seite des Deutschlandfunks ist über sie zu lesen: »Sie nennt sich selbst eine Liedermacherette, doch der nette Begriff paßt so gar nicht
    zu Krazy, die ihre Gitarre als Waffe sieht und
    von der Kollege Danny Dziuk sagt, sie sei die
    ‚Lisbeth Salander des Tower of Song‘.« Die
    Sängerin, Songautorin und Musikerin spielt
    Gitarre seit ihrem 13. Lebensjahr und absolvierte zuerst die harte Schule der Straßenmusik, bevor sie, inspiriert von einer Bob DylanBiografie und einem Peter Rühmkorf­Gedichtband, anfing, eigene Songs zu schreiben.
    Der Altenhofer Kulturkreis e.V. freut sich
    auf alle Konzerte und ein unvergeßliches Jubiläumswochenende.
    GÜNTER LANDMANN

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Junge Welt vom 24.07.2024…von Sören Bär Rubrik Sport

Ein Hauch von Europapokal

Impressionen vom Vorbereitungsspiel zwischen dem BFC Dynamo und Sampdoria Genua

Hoher Besuch aus Italien: Bevor die Unione Calcio Sampdoria Genua, letzter Europapokalgegner des FC Carl Zeiss Jena im Jahre 1988, zur Einweihung des restaurierten Ernst-Abbe-Sportfeldes am 30. Juli gegen die Jenenser aufläuft, machte der Europapokalsieger von 1990 und italienische Meister des Jahres 1991 am vergangenen Sonnabend zunächst beim DDR-Rekordmeister BFC Dynamo im Berliner Sportforum seine Aufwartung. Der BFC hatte schon am 25. Mai zum Saisonabschluss seinen letzten Europacup-Rivalen AS Monaco empfangen und einen 4:2-Erfolg gefeiert. Die phantastische Atmosphäre weckte angenehme Erinnerungen an begeisternde internationale Spiele des BFC vor mehr als drei Jahrzehnten und machte Appetit auf mehr.

Die Blucerchiati (Blauumrahmten), so die Bezeichnung der Sampdoria-Spieler, kicken aktuell in der italienischen Serie B und ebenfalls gut drei Jahrzehnte von der goldenen Ära eines Gianluca Vialli entfernt. Mit dem 45jährigen Andrea Pirlo, Weltmeister 2006 und mit 116 Länderspielen dekoriert, sitzt der Superstar auf der Trainerbank. Während die Gäste bei der Anreise aus dem Trainingscamp in Jena noch im Stau standen, verbreiteten italienische Hits Azzurro-Flair und gute Stimmung unter den 2.026 Zuschauern, darunter etwa 200 Sampdoria-Fans, so dass trotz des um 30 Minuten verzögerten Anpfiffs keine Langeweile aufkam. Bei brütender Hitze jenseits der 30 Grad entwickelte sich auf dem hervorragend präparierten Grün ein unterhaltsamer Kick.

Rufat Dadashov, der Star des BFC, nutzte nach einem Freistoß von Ben Meyer gleich die erste sich bietende Chance und drückte das Leder reaktionsschnell zur 1:0-Führung über die Linie (13.). Die Berliner zeigten sich von ihrem neuen österreichischen Coach Andreas Heraf (56) gut eingestellt und boten weitere ansprechende Aktionen. Sampdoria kam nur langsam ins Spiel und verzeichnete nach 34 Minuten die erste Gelegenheit durch einen Flachschuss von Fabio Borini, den BFC-Keeper Leon Bätge stark parierte. Vier Wechsel zur Pause – auch Ersatztorwart Kevin Sommer kam zum Einsatz – brachten keinen Bruch ins Spiel der Berliner, denn der BFC kontrollierte weiterhin das Geschehen und ließ die Italiener wenig zur Entfaltung kommen.Nach einer guten Stunde schickte BFC-Trainer Heraf weitere fünf Wechselspieler auf den Rasen, so konnten sich alle Spieler im Aufgebot zeigen. Auch Andrea Pirlo brachte zahlreiche frische Kräfte, denn bei Sampdoria machten sich nach intensiven Konditionseinheiten die schweren Beine bemerkbar. Die Gluthitze forderte ihren Tribut und drosselte in den letzten 25 Minuten das Tempo. Während Sampdoria dem Rückstand hinterherlief, bot sich dem BFC in der 79. Minute obendrein die Chance zum 2:0. Doch Torhüter Nicholas Scardigno hielt den von Julian Wießmeier schwach getretenen Foulstrafstoß, so dass es beim 1:0 blieb – ein denkwürdiger Sieg. Mit einem Sondertrikot, einer limitierten Spieltagstasse und einer speziellen Becheredition bot der BFC attraktive Devotionalien an, mit denen sich gut in Erinnerungen an dieses internationale Duell schwelgen lässt …

Während der BFC den Punktspielstart bereits am kommenden Freitag ab 19 Uhr im Sportforum gegen den FC Carl Zeiss Jena vollzieht, steht das Serie-B-Auftaktmatch für Sampdoria Genua erst am 18. August bei ­Frosinone Calcio an.