„Ich habe noch nie einen offeneren, gerechteren und ehrlicheren Menschen getroffen, und diesen Qualitäten (…) verdankt er seine ungeheure, unbestrittene Führungsposition (…).“
Diese Worte stammen von dem weltberühmten britischen Romanautor H.G.Wells, bekannt vor allem durch seine Werke „Die Zeitmaschine“ und „Krieg der Welten“.
In den späten 30er Jahren war der weltbekannte britische Romanautor H.G.Wells gern gesehener Gast in der High-Society und enger Freund zahlreicher Prominenter – unter anderem mit dem Premierminister Großbritanniens: Winston Chruchill.
Seine Berühmtheit und den Nimbus des Künstlers nutzend, bereiste der umtriebige Autor die Welt. Er wollte sich ein eigenes, unverfälschtes Bild machen und traf bei seinen Reisen auf die wichtigsten Personen seiner Zeit. Eine dieser Personen galt das oben genannte Zitat. Nicht etwa, wie vielleicht erwartet, einem seiner vielen politischen Freunde in London, Washington oder Paris.
Kein Geringerer als der damalige Führer der sozialistischen Sowjetrepublik – Josef Stalin – war es, den Wells nach einem intensiven Treffen mit ihm als offen, gerecht und ehrlich empfand. Und das, obwohl der überzeugte Sozialist Wells sich dem trotzkistischen Lager zurechnete und dem Treffen mit einer entsprechenden Skepsis entgegensah.
Das Zitat entstand in Folge eines umfassenden Interviews, das der Romanutor und Journalist im Jahr 1934 für die britische Zeitschrift „The new statesman“ mit Stalin führte. Das Interview ist ausgesprochen Lesenswert und Wells zeigt sich – in schöner, linker Tradition – als bissiger Gesprächspartner, der nicht zögert, auch Kritik zu üben.
Kritik üben? Gegenüber dem georgischen Despoten Stalin, der zudem noch als offen, ehrlich und gerecht beschrieben wird? Wie passt das mit unserem heutigen Bild des sowjetischen Staatsführers zusammen? Wer die Geschichte kennt und weiß, was sich daraus – bis in die Gegenwart – entwickelte, wird sich selbst einen Reim daraus machen können. Man denke nur an die geifernde Russophobie, die derzeit überall in den Reihen der selbsternannten „lupenreinen Demokraten“ grassiert.
Stalin muss – wie alle historischen Schicksalslenker – als Person seiner Zeit gesehen und bewertet werden. Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Diese dürfen uns aber nicht davon abbringen, auch die Ursachen dieser Schatten zu ergründen. Nur so ergibt sich ein vielschichtiges und realistisches Bild der Geschichte. Und nur so sind wir erst fähig, aus der Geschichte zu lernen – im Positiven, wie im Negativen.

Leider konnte das oben erwähnten Interview nur in Auszügen und nicht im Original-Wortlaut gefunden werden. Sollte einer unserer Leser einen entsprechenden Link haben, darf er ihn gerne als Kommentar hinterlassen. Wir werden ihn dann ergänzen.




