Bei anderen gelesen …

Ein sehr lesenswerter Artikel aus der Jungen Welt, der die historische Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel und ihre Auswirkungen bis heute kurz und prägnant zusammenfasst. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Aus „Junge Welt“ vom 9. September 2023

Staat an der Frontlinie

Vor 75 Jahren wurde die Demokratische Volksrepublik Korea gegründet Von Rainer Werning

Hätte es das Diktum »Totgesagte leben länger« nicht längst gegeben, es hätte im Falle der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK – Nordkorea) erfunden werden müssen. Weltweit ist kein Staat samt seiner politischen Führung so häufig totgesagt worden wie Nordkorea und die dort mittlerweile in dritter Generation herrschende Kim-Dynastie. John M. Deutch beispielsweise, der als CIA-Direktor von Mai 1995 bis Dezember 1996 amtierte, hatte Nordkorea nach der Erosion der Sowjetunion entweder als todgeweiht oder selbstzerstörerisch eingestuft, da es angeblich in Südkorea einmarschieren würde. Deutch lag mit seiner Fehlprognose nicht allein. Es gab in jener Zeit zahlreiche hochdotierte Analytiker und »Experten« internationaler Denkfabriken, die ebenfalls die DVRK auf dem absteigenden Ast wähnten oder sie – lieber noch – gleich in den politischen Orkus gewünscht hätten.

Koloniale Erblasten

Nach langjähriger japanischer Kolonialherrschaft (1910–1945) widerfuhr Korea aufgrund seiner geostrategischen Lage das unsägliche »Pech«, als Kolonie nun auch noch – anstelle des Aggressors Japan – geteilt zu werden. Die Siegermächte USA und UdSSR hatten sich darauf verständigt, das ostasiatische Land zunächst treuhänderisch zu verwalten. Und das entlang einer sprichwörtlich am Reißbrett gezogenen Linie entlang des 38. Breitengrads. Südlich davon hatten die USA und nördlich davon die Sowjetunion das Sagen.

Schroffe Konflikte waren programmiert, die schließlich im Sommer 1950 zum Bruderkrieg führten, der rasch internationalisiert werden und erst drei Jahre später mit einem Waffenstillstandsabkommen enden sollte. In Südkoreas Metropole Seoul wurde 1945 seitens der US-amerikanischen Militärregierung (USAMGIK) der eigens aus dem Exil eingeflogene antikommunistische Hardliner Rhee Syngman als Führungsperson installiert, während im Norden Kim Il Sung, einer von zahlreichen antijapanischen Widerständlern, zur politischen Leitfigur avancierte. Freilich mit Unterstützung zweier Generäle der Roten Armee: Generalleutnant Iwan Tschistjakow war u. a. Befehlshaber der 25. Armee, die im August 1945 in das Kriegsgeschehen in der Mandschurei eingriff und den Norden Koreas besetzte. Generaloberst Terenti Schtykow war von 1945 bis 1948 de facto Chef der in Nordkorea stationierten sowjetischen Besatzungstruppen und sodann bis 1950 Moskaus erster Botschafter in der DVRK.

Rhee Syngman hatte am 15. August 1948 endgültig die Teilung Koreas besiegelt, als er die Republik Korea (ROK – Südkorea) ausrief. Knapp vier Wochen später zog Kim Il Sung nach und proklamierte in Pjöngjang die DVRK. Südkorea war als antikommunistischer »Frontstaat« par excellence ein Hort der Reaktion, einstige projapanische Kollaborateure wussten sich dort unbehelligt, und die politische Legitimation Rhees blieb stets gering. Kim indes konnte sich immerhin als Nationalist und antijapanischer Partisanenkämpfer präsentieren, der überdies im Einklang mit der sowjetischen Besatzungsmacht seit Frühjahr 1946 eine weitreichende Agrarreform eingeleitet hatte.

So zerstörerisch der Koreakrieg, der offiziell bis heute noch nicht per Friedensvertrag beendet ist, war, so aufgeheizt aggressiv blieb seitdem das bilaterale Klima zwischen Seoul und Pjöngjang. Was nicht ausschloss, dass es zwischenzeitlich kurze Phasen der Entspannung gab, für die beispielsweise Südkoreas Präsident Kim Dae Jung als Architekt einer sogenannten »Sonnenscheinpolitik« gegenüber dem Norden im Dezember 2000 der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde.

Auf die Erosion der Sowjetunion und anderer realsozialistischer Staaten in Osteuropa reagierte Pjöngjang auf seine Weise: Es schottete sich gegenüber der (westlichen) Außenwelt ab, setzte stärker als zuvor auf ideologische Erziehung und Kampagnen, entwarf das Konzept des »Sozialismus in den eigenen Farben« und propagierte den »starken und gedeihenden Staat«. Neben der Umbruchphase in Osteuropa gab es in der Volksrepublik selbst schwerwiegende innen- und wirtschaftspolitische Probleme. Die abrupte Umstellung des Handels auf Devisenbasis, immense Rüstungsausgaben sowie komplette Ernteausfälle infolge verheerender Naturkatastrophen führten in einigen abgelegenen Regionen zu akuter Hungersnot und das Land nahezu in den Ruin.

Seit 1994 schwelt ein Konflikt um Nordkoreas Nuklearprogramm, der zumindest bis zum Jahr 2000 deeskaliert werden konnte. Während Pjöngjang sich zu Abstrichen bereit erklärte, erhielt es im Gegenzug immerhin Sicherheitsgarantien im Rahmen eines bilateral mit Washington ausgehandelten »Rahmenabkommens« (»­Agreed Framework«). Im Oktober 2000 weilte sogar die bis dahin höchstrangige US-Delegation unter Leitung von Außenministerin Madeleine Albright zur Staatsvisite in Pjöngjang. Gastgeber Kim Jong Il (1941–2011), Sohn des Staatsgründers und Vater des amtierenden Staatschefs, zeigte sich zuversichtlich, den Atomstreit beilegen zu können.

Diese vielversprechenden Aussichten wurden mit dem Amtsantritt von US-Präsident George W. Bush rasch zunichte gemacht. Für Busch zählte die DVRK zur »Achse des Bösen«. Vor allem die von ihm angezettelten Feldzüge gegen Afghanistan und Irak ließen in Pjöngjang die Alarmglocken schrillen. Dort reklamierte man fortan für sich das »Recht auf den Besitz eines größtmöglichen Abschreckungspotentials«. Im Klartext: Das eigene Atomprogramm wurde ausgeweitet und das Raketenarsenal beträchtlich aufgestockt, modernisiert und häufig getestet.

Während ausländische Truppen die DVRK nach dem Koreakrieg verließen, verblieben UN-Verbände und US-Truppen (aktuell 28.500 Mann) bis heute ununterbrochen in Südkorea. Es ist ein US-Viersternegeneral (aktuell Paul J. LaCamera), der als unzeitgemäßer Prokonsul im gut 60 Kilometer südlich von Seoul gelegenen Hauptquartier Camp Humphreys residiert, der weltweit größten US-Militärbasis außerhalb des nordamerikanischen Kontinents.

LaCamera ist in Personalunion Oberkommandierender der United States Forces Korea (USFK), des Kommandos der Vereinten Nationen (United Nations Command – UNC) sowie des ROK/U. S. Combined Forces Command (CFC). Im Kriegsfall sind die südkoreanischen Streitkräfte seinem Befehl untergeordnet – eine »Pikanterie«, weil so nie genau zu bestimmen ist, wo südkoreanische Innenpolitik endet und faustfeste US-Außen- und -»Sicherheitspolitik« beginnt. Die DVRK hat hautnah allen Grund, sich in Permanenz bedroht zu fühlen.


Die AiP antwortet …

Immer wieder erreichen uns Fragen zu tagesaktuellen oder historischen Ereignissen und ihre Einordnung in ein antikapitalistisches und antiimperialistisches Weltbild. So wir es können, beantworten wir diese Fragen gern und zeitnah.

Unsere Antworten spiegeln dabei immer auch die persönliche Meinung und den Wissensstand des jeweiligen Autors wieder … erheben also nicht den Anspruch, der Weisheit letzter Schluss zu sein.

Die sich aus den Fragen ergebenen Dialoge möchten wir unseren übrigen Lesern nicht vorenthalten und werden diese in Zukunft unter der Rubrik „Die AiP antwortet …“ veröffentlichen.

Den Anfang machen wir mit einer interessanten Frage, die uns über die Kommentarspalte erreicht hat.


Leser:

Sehr geehrter Herr Koth , ich hoffe ,dass es Ihnen gut geht. Ich hätte eine Frage zu der syrischen Baathpartei. Während der Operation Desert Storm 1991 ,hatte Präsident Hafez Al Assad 17.000 Soldaten darunter eine Panzerdivision für die Antiirakische-Koalition zu verfügung gestellt. Warum hatte Syrien dies getan?

Antwort AiP:

Lieber Kommentator,

keine leicht zu beantwortende Frage … schon gar nicht in ein, zwei Sätzen. Aber ich will es dennoch versuchen:

Den Hinweis für eine plausible Antwort haben Sie in Ihrem Kommentar schon selbst gegeben: die Baathpartei, oder besser der Baathismus. Eine in den 40er Jahren des letzten Jahrhundert entstandene Bewegung, die nationalistische und sozialistische Elemente zu einer originär arabischen Idee verband, und zu einer wesentlichen Säule des Panarabismus wurde. Leider war es eben diese Frage, an der die Bewegung zerbrach. Nach den Revolutionen im Irak und in Syrien verhärtete sich der bereits zuvor keimende Konflikt zwischen den Parteien, hin zu offener Feindschaft. Im Ringen um die Deutungshoheit warfen sich beide Seiten Verrat vor – wahlweise am nationalistischen Panarabismus oder am arabischen Sozialismus.

Die syrische Baathpartei und die arabische Republik Syrien unter ihrem damaligen Präsidenten Hafez Al Assad verband daher nichts mit ihren irakischen Brüdern. Sicherlich hatte die Beteiligung der syrischen Armee am Krieg gegen den Irak nicht nur ideologische Gründe. Diese aber herunterzuspielen wäre falsch. Schließlich schlug sich das säkulare Syrien bereits im ersten Golfkrieg auf die Seite des irakischen Gegners: den Iran, und damit – indirekt – auch gegen die USA, denen der Krieg gegen den Iran nicht ungelegen kam.

Diese ideologische „Verblendung“ machten sich die Amerikaner – wie in unzähligen anderen Fällen – zunutze. Ihre Strategie ging damals auf und tut es noch heute: Die arabischen Völker entzweien, sie gegeneinander aufhetzen, und das blutige Schlachtfeld Naher Osten nie zur Ruhe kommen lassen. Als Existenzberechtigung für den militärisch-industrielle Komplex als Wegbereiter des US-Imperialismus in dessen Schlepptau die blutigen Ölbarone die Länder ausbeuten und die Menschen in die Sklaverei des Kapitals verkaufen.

Aber die Menschen lernen … und die Schicksale Saddam Husseins, Muammar al Gaddafis, Slobodan Milosevics und vieler mehr sind nicht vergessen. In diesem Sinne: Völker erhebt Euch: Gegen den US-Imperialismus, gegen das Kapital und für eine freie und friedliche Welt.

Leser:

Vielen Dank für Ihre ausführlichen Informationen zu diesem Thema. Diese Zersplitterungen und internen Streitigkeiten schwächen den Widerstand und spielen dem US-Imperialismus leider teilweise auch in die Hände. Die Baath-Bewegung wurde ja von dem syrischen Christen Afluq gegründet und ist innerhalb auch in einen linken und rechten Flügel gespalten.

Saddam Hussein nahm auch am Putsch der Baathpartei gegen die linksgerichtete Regierung von Abd Al Karim Qasim teil und auch später verfolgten sie trotz des Bündnis mit der Sowjetunion eine antikommunistische Politik. Während des Iran-Irak Kriegs halfen Lybien,Syrien und Algerien den Iranern am meisten.

Der Irak hat im Kampf gegen den Iran einer kommunistischen Organisation Namens „Volksmudschaheddin MEK “ geholfen ,die vor kurzem wieder in den Medien auftauchte und ,dessen Mitbegründer der sich unter anderem auch mit Yassir Arafat getroffen hatte spurlos verschwunden ist.

Viele Menschen erinnern sich noch an diese Namen , vorallem an Saddam Hussein.

Ein politischer Aktivist aus Frankreich Namens Michel Faci berichtete mir vor kurzem ,dass während des zweiten Golfkriegs sogar vorgesehen war eine internationale Brigade bestehend aus Freiwilligen aufzustellen um den Irak zu unterstützen. Es wohl aber aus Kostengründen und dem Ableben von Michael Kühnen nicht dazu kam. Mit weiteren Begleitern war er schon vorher im Irak gewesen wo man sogar von Vertretern der Regierung empfangen wurde.

Antwort AiP:

Lieber Herr XXX,

mit Ihrer Einschätzung gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Die Zersplitterung der volksrevolutionären Bewegungen – insbesondere im Nahen Osten – war und ist ein großes Problem, das dem US-Imperialismus als Speerspitze des internationalen Kapitals Tür und Tor öffnet.

Das Prinzip von „Divide et impere“ ist in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg von der sog. westlichen „Zivilisation“ immer weiter perfektioniert worden. Dieses Prinzip ist existenziell für die Herrschaft des ausbeuterischen Kapitalismus. Nicht nur nach außen, sondern vor allem auch nach innen – in die Gesellschaften selbst. Das erleben wir auch hier in Deutschland, wo tagtäglich eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird, um das Volk zu spalten. Damit es bloß nicht erkennt, dass es bei all der bunten Plastikwelt gemeinsam im Dreck sitzt. Ein geeintes, wirklich solidarisch denkendes und handelndes Volk ist der größte Feind des Kapitals. Denn erst wer seine Ketten sieht, kann sie auch brechen.

Der gegenüber dem Irak immer wieder kolportierte Vorwurf des Antikommunismus ist so per se nicht richtig. Vielmehr propagiert der Baathismus mit den Konzept des arabischen Sozialismus einen dritten Weg, ähnlich der Juche-Ideologie in der DVRK oder seinerzeit die Volks-Dschamahiriyya in Libyen bzw. Enver Hoxhas Weg in Albanien. Der Kommunismus wird dabei nicht abgelehnt, lediglich das Prinzip der internationalen (trotzkistischen) Weltrevolution. Der Weg in den friedlichen Sozialismus und letztlich in eine kommunistische Gesellschaft kann nur unter Berücksichtigung der nationalen und regionalen Eigenheiten erfolgreich sein. Denn die Arbeiter haben sehr wohl ein Vaterland … und echter Internationalismus kann nur mit gleichberechtigten und vor sllem selbstbestimmten Partnern entstehen.

Die Sowjetunion hat in der Zeit nach der Revolution ebenfalls diesen Weg eingeschlagen, erstarrte aber im kalten Krieg und manifestierte damit die Bipolare Weltordnung, die keinen dritten Weg zuließ. Heute wissen wir, das diese Einschätzung falsch war. Angelehnt an die Losung der 68er (ja, die waren mal progressiv) „wir brauchen zwei, drei, viele Vietnams“, sind es die tausend Nadelstiche, die den US-Imperialismus und die Herrschaft des Kapitals zu Fall bringen.

Was die „internationale Brigade“ für den Irak betrifft, so liegt ihr französischer Kamerad richtig. Das ist damals an vielen Ursachen gescheitert, unter anderem am tragischen Ableben Michael Kühnens.

Ausgehend von den oben genannten Thesen stehe ich persönlich aber eher auf dem Standpunkt, das internationale Solidarität eine wichtige Säule ist, die Kräfte aber in erster Linie im Kampf um das eigene Volk auf den Weg in eine sozialistische Gesellschaftsordnung konzentriert werden sollte. Denn (wenn man einmal träumen darf) um wie viel stärker wäre ein Irak mit einem freien und souveränen Deutschland an seiner Seite gewesen, anstatt einer Handvoll revolutionärer Kämpfer (vor denen ich höchste Achtung habe, um nicht missverstanden zu werden), die letztlich ebenfalls von der US-Militärmaschinerie überrollt worden wäre. Anders verhält es sich zum Beispiel bei der Unterstützung der PLO in den 70er Jahren. Dort war das erklärte Ziel sich über den gerechten Kampf der Palästinenser selbst in die Lage zu bringen, die Verhältnisse im eigenen Land umzuwerfen. Das dies nicht geklappt hat ist bekannt. Auch das hat viele Ursachen, die insbesondere im Selbstverständnis der westdeutschen Linken lagen und liegen. Aber das würde hier definitiv den Rahmen sprengen ;).

Es grüßt Sie herzlichst,
AiP-West


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Aus „Junge Welt“ vom 7. August 2023

BRICS will wachsen

Mitgliedstaaten für Erweiterung des Bündnisses. Brasiliens Präsident fordert Westen heraus Von Volker Hermsdorf

Zwei Wochen vor Beginn des BRICS-Gipfels in Johannesburg hat Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva den Beitritt weiterer Staaten zur Gruppe befürwortet. Er wies am Freitag eine von der Nachrichtenagentur Reuters und anderen westlichen Medien verbreitete Meldung zurück, wonach sein Land Bedenken habe, dass durch Neuaufnahmen der Einfluss der derzeitigen Mitglieder (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) geschwächt werden könnte. Auch Indien dementierte inzwischen die zeitgleich von der US-Nachrichtenagentur Bloomberg lancierte Behauptung über eine angebliche Ablehnung der BRICS-Erweiterung durch die Regierung in Neu-Delhi. »Das ist einfach nicht wahr«, kommentierte der Sprecher des indischen Außenministeriums, Arindam Bagchi, die Bloomberg-Veröffentlichung.

Derartige Meldungen, die »keine Grundlage in der Realität haben«, könnten »ein Versuch des Westens sein, Zwietracht unter den BRICS-Mitgliedern zu säen«, zitierte die russische Agentur Sputnik den ehemaligen Vorsitzenden des konservativen britischen Thinktanks »The Bow Group«, Adriel Kasonta. Die möglichen Motive der westlichen Mächte lägen laut Kasonta auf der Hand, denn die BRICS entwickelten sich zu einem »ernsthaften Konkurrenten« der US-Vorherrschaft, der westlichen Hegemonie und des westlichen Imperialismus. »Ich glaube, dass BRICS der entscheidende Schritt zur Erlangung der vollen Souveränität des globalen Südens und der Länder ist, die nicht bedacht wurden, als die westlichen Länder internationale Organisationen wie Bretton Woods und Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds oder die Weltbank gründeten«, erklärte er.

Mit einer möglichen Erweiterung, die eines der zentralen Themen des nächsten Gipfeltreffens der Gruppe sein wird, würde das Bündnis, das bereits jetzt für 24 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und 42 Prozent der Weltbevölkerung steht, weiter an Bedeutung gewinnen. Während die westlichen Länder zunehmend an Attraktivität verlieren, haben mittlerweile mindestens 25 Länder ihr Interesse an einer BRICS-Mitgliedschaft geäußert. »Ich bin der Meinung, dass wir so viele Länder wie möglich aufnehmen werden, wenn sie sich an die Regeln halten«, erklärte nun Lula da Silva. »Wahrscheinlich können wir auf dem Treffen einvernehmlich entscheiden, welche Länder der Gruppe beitreten können«, erklärte er weiter. Der brasilianische Außenminister Mauro Vieira ergänzte, dass die Parameter für einen Beitritt noch erörtert werden und die Staats- und Regierungschefs letztlich zustimmen müssten.

Auf dem vom 22. bis 24. August in Südafrika stattfindenden Gipfel werden Lula da Silva und weitere Präsidenten vermutlich persönlich anwesend sein, während Russland dort durch Außenminister Sergej Lawrow vertreten sein wird. Präsident Wladimir Putin soll per Videokonferenz teilnehmen. Wie die russische Agentur Sputnik am Wochenende meldete, ist auch Moskau grundsätzlich für die Aufnahme neuer Mitglieder. »Wir glauben, dass die Erweiterung der BRICS zur weiteren Stärkung der Organisation beitragen wird«, sagte Regierungssprecher Dmitri Peskow gegenüber Reportern. Südafrikas BRICS-Vertreter Anil Sooklal erwartet, dass der bevorstehende Gipfel die globale Politik verändern wird. Sollte es zu einer Erweiterung kommen, würde die Staatenvereinigung fast 50 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren und mehr als 35 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung erbringen.

Der damit verbundene Zuwachs an Einflussmöglichkeiten wäre auch im Sinne von Lula da Silva, der auf dem Gipfel vermutlich eine Schlüsselrolle einnehmen wird. Seit seinem Amtsantritt hat sich Brasiliens Präsident wiederholt gegen die bestehende, vom Westen dominierte, internationale Ordnung ausgesprochen. Unter anderem kritisierte er die Rolle des Internationalen Währungsfonds und spricht sich für die Stärkung der als BRICS-Bank bezeichneten Neuen Entwicklungsbank aus, die Infrastrukturprojekte in Entwicklungsländern finanzieren soll. »Die BRICS-Bank ist dazu da, Länder zu retten, und nicht, um Länder zu ruinieren, wie es der IWF oft tut«, so Lula.

Die AiP meint:

Für nationale Unabhängigkeit, Frieden und Fortschritt!


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Aus „Junge Welt“ vom 8. August 2023

Ein Jahr Arbeitskampf bei Amazon UK

Beschäftigte des Onlineriesen streiken und erinnern an Beginn des Lohnkampfs im August 2022 Von Dieter Reinisch

Amazon steht wie kaum ein anderer Konzern für miserable Arbeitsbedingungen in der Onlinebranche. Undurchsichtige Anstellungsverhältnisse, Scheinselbständigkeit, Unterbezahlung, Fehlen von Kollektivverträgen, Überwachung durch das Unternehmen, kein Krankenstand oder Urlaubsanspruch, All-in-Verträge und Verbot von Gewerkschaften sind nur einige der bekannten Beispiele. Weltweit regt sich zunehmend Widerstand der Belegschaft. Am Amazon-»Prime Day« Mitte Juli protestierten Amazon-Arbeiter in vielen Ländern, darunter den USA und Deutschland.

Seit August 2022 kämpfen auch die britischen Angestellten des Onlineriesen für bessere Löhne und gewerkschaftliche Organisierung. Den Jahrestag begingen sie mit den größten Streiks bei Amazon in Großbritannien. Bei den vorangegangenen Arbeitsniederlegungen hatte das Unternehmen noch Leiharbeiter als Streikbrecher eingestellt. Doch aufgrund der hohen Beteiligung an den Streiks am Sonnabend musste das Verteilzentrum in Coventry gänzlich geschlossen werden. Im Verteilzentrum in Rugeley wurde schon am Donnerstag und Freitag die Arbeit niedergelegt, in Coventry am Freitag und Sonnabend. An dem Tag wurde vor dem Standort eine Demonstration in Solidarität mit den Amazon-Arbeitern abgehalten.

Vor einem Jahr gab es noch gar keine gewerkschaftliche Organisierung bei Amazon in Großbritannien. Heute sind die meisten Arbeiter Mitglieder der Gewerkschaft GMB. Die GMB-Organisatorin bei Amazon UK, Rachel Fagan, schrieb in einer Mitteilung vom Wochenende: »Vor einem Jahr legten Amazon-Arbeiter voller Empörung ihre Arbeit nieder, nachdem die Manager angekündigt hatten, dass eines der reichsten Unternehmen der Welt eine Gehaltserhöhung von nur 35 Pence anbieten würde.« Zwölf Monate später erlebe der Konzern die größte Streikwoche in der (britischen) Unternehmensgeschichte, so Fagan. Die Gewerkschafterin sprach den Arbeitern Mut zu, die »standhaft blieben, obwohl Amazon alles versucht, um sie zu stoppen«.

Die Arbeiter fordern einen Stundenlohn von 15 Pfund Sterling (17,50 Euro) und die Anerkennung ihrer gewerkschaftlichen Rechte, was von Amazon bislang verweigert wird. Fagan erklärte daher hierzu: »Dieser Arbeitskampf wird sich weiter ausbreiten. Der Kampf für Arbeiterrechte bei Amazon UK beginnt gerade erst.«

Am 4. August 2022 waren in den britischen Amazon-Standorten vom Management Versammlungen einberufen worden. 9,98 Pfund Sterling war damals der Stundenlohn und es kursierten unter der Belegschaft Gerüchte, dass das Unternehmen ihnen nun zwölf Pfund bezahlen wolle. Doch die Erwartungen schlugen rasch in völlige Frustration um: Magere 35 Pence (41 Cent) sollte die Lohnerhöhung bringen.

»Wir hatten die gesamte Pandemiezeit ohne Lohnerhöhung durchgearbeitet. Wir haben sogar während der Lockdowns gearbeitet. Bekommen haben wir dafür nichts«, erzählte ein frustrierter Arbeiter damals in der britischen Tageszeitung Morning Star. Im Verteilzentrum Coventry wurde spontan eine Betriebsversammlung einberufen. Sie dauert vier Stunden, obwohl das Management den Anwesenden androhte, sie alle auszustempeln und ihre Schicht zu beenden, was einen Verlust des Tageslohns bedeutet hätte.

Die Arbeiter, die bisher noch keine Erfahrung mit Betriebsarbeit hatten, versuchten sich zu organisieren. Im September wurde eine Abstimmung abgehalten: Die Streikpläne scheiterten, es fehlten nur drei Stimmen.

Danach traten einige Beschäftigte mit der Gewerkschaft GMB in Kontakt und besuchten Seminare und Workshops. Die systematische Gewerkschaftsarbeit begann, und im Laufe des Herbstes 2022 wurde abermals abgestimmt. Bei einer Beteiligung von 63 Prozent stimmten nun 98 Prozent für Streiks. Am 25. Januar 2023 legten dann erstmals Amazon-Arbeiter in Großbritannien ihre Arbeit nieder. Nach diesem 24stündigen Streik folgten noch 25 weitere. Der Kampf wurde daraufhin auf andere Verteilzentren ausgeweitet.

Die AiP meint:

Macht den Großkonzernen Dampf!
Organisiert den Inter/Nationalen Klassenkampf!


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Aus „Junge Welt“ vom 8. August 2023

Solidarität trotz US-Blockade

Im italienischen Kalabrien fehlen 2.500 Ärzte, 171 kubanische Mediziner halten vor Ort die Gesundheitsversorgung aufrecht Von Volker Hermsdorf

Kalabriens Präsident Roberto Occhiuto hat am Wochenende auf dem Flughafen Lamezia Terme 120 kubanische Ärzte begrüßt. Laut Auskunft der lateinamerikanischen Nachrichtenagentur »Prensa Latina« unterstützen sie 51 Kolleginnen und Kollegen, die seit Ende des vergangenen Jahres die Gesundheitsversorgung in Süditalien aufrechterhalten. Ohne kubanische Hilfe müssten zahllose Krankenhäuser schließen. Obwohl vor Ort um die 2.500 Ärzte fehlen, versuchen die USA weiterhin, den Einsatz kubanischer Mediziner zu unterbinden; in Kalabrien stößt das auf Unverständnis und Kritik.

»In den vergangenen Monaten haben Ihre Kollegen, die bereits im Dezember gekommen sind, einen wichtigen Beitrag für unsere Region geleistet, indem sie die Krankenhäuser offengehalten und den Patienten geholfen haben. Wir sind sicher, dass auch Sie sich hier sehr gut integrieren, erfolgreiche Arbeit leisten und gute Erfahrungen machen werden«, begrüßte Occhiuto die neue Gruppe am Freitagabend. Er wies darauf hin, dass bei den kubanischen Medizinern, die »zu den besten der Welt gehören«, Spezialisten aus den Fachgebieten der Notfallmedizin, der Orthopädie und der Kardiologie sind. Einige sollen laut Bericht der Tageszeitung »Il Quotidiano del Sud« schon in den nächsten Tagen ihre Arbeit in den Gesundheitszentren von Catanzaro, Cosenza, Crotone, Reggio Calabria und Vibo Valentia aufnehmen, andere besuchen vorerst Italienisch-Intensivkurse an der Universität von Kalabrien. »Als Kalabrese danke ich Ihnen für Ihren Einsatz und Ihren Opfergeist«, sagte Rektor Nicola Leone, der ebenfalls zur Begrüßung am Flughafen anwesend war.

Die 171 in Kalabrien tätigen Medizinerinnen und Mediziner gehören einem Kontingent von rund 500 kubanischen Fachärzten an, die in den Krankenhäusern der Region arbeiten werden. Grundlage dafür ist ein bilaterales Abkommen, das im August des vergangenen Jahres zwischen Roberto Occhiuto und Vertretern der kubanischen Regierung unterzeichnet wurde. Über diesen Vertrag hinaus haben der italienische Gesundheitsminister Orazio Schillaci und sein kubanischer Amtskollege José Ángel Portal am 23. Mai 2023 eine weitere Vereinbarung über die transnationale Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit und medizinischer Wissenschaft getroffen. Bei der 76. Weltgesundheitsversammlung in Genf hob Schillaci die Leistungen Kubas in der Gesundheitsversorgung sowie der wissenschaftlichen und biopharmazeutischen Forschung hervor. Außerdem dankte er den kubanischen Mitarbeitern der Henry-Reeve-Brigade für ihre Hilfe im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie in den Regionen Lombardei und Piemont im Jahr 2020. Der Einsatz kubanischer Mediziner bewahrt die Bevölkerung vieler Gemeinden Kalabriens vor einer Notsituation. Laut Giuseppe Fontana, Bürgermeister der an der Südostküste gelegenen 12.000-Einwohner-Gemeinde Locri, habe eine »belastende und äußerst heikle Situation in der Krankenversorgung« behoben werden können.

Während die Kommunalpolitiker vieler anderer Gemeinden Roberto Occhiuto für seine Initiative danken, versuchen die USA weiterhin, den Einsatz kubanischer Ärzte in Italien zu unterbinden. Am 24. März berichtete die Tageszeitung Il Quotidiano del Sud, dass Occhiuto und der für Gesundheit zuständige Regionalrat Carlo Guccione »in die US-Botschaft vorgeladen« worden seien. Dort wurden sie darum »gebeten«, einen »detaillierten Bericht über die Art der mit den Ärzten vereinbarten Verträge und die Zahlungen an die einzelnen Mediziner« zu erstellen. Gegenüber dem italienischen Gesundheitsministerium habe die US-Botschaft den »Verdacht« geäußert, dass die US-Blockade im Zuge der Zusammenarbeit unterlaufen werden solle und die Zahlungen eine »Finanzierungsquelle für die sozialistische Republik« sein könnten. »Was soll ich tun? Die Krankenhäuser schließen?« beschrieb Occhiuto das Dilemma. »Sie haben versucht, uns mit Polemik und bürokratischen Hürden auszubremsen, aber wir werden uns nicht aufhalten lassen«, konterte er gegenüber der »absurden Einmischung der USA«.

Die AiP meint: Hoch die Inter/Nationale Solidarität!


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Aus „Junge Welt“ vom 8. August 2023

Totgeglaubter grüßt Guerilla

Kolumbien: Comandante Marquéz anerkennt fortgesetzten Kampf und fordert Bogotás Engagement für Friedensdialog mit FARC-EP Von Julieta Daza, Caracas

Iván Márquez ist am Leben. Beweis dafür soll eine am vergangenen Mittwoch vom Radiosender Caracol Radio teilweise veröffentlichte Audiobotschaft des Comandante der kolumbianischen Guerillaorganisation FARC-EP, Zweites Marquetalia, sein. Nachrichtendienstlichen Quellen zufolge handele es sich dabei um eine sechsminütige, an die Truppen dieser Guerilla gerichtete Nachricht.

Darin zollt Márquez, der 2019 auch eine Grußbotschaft an die Internationale-Rosa-Luxemburg-Konferenz richtete, den Guerilleros, die landesweit »den Kampf fortsetzen und die Fahnen der sozialen Gerechtigkeit und der wahren Demokratie hochhalten« seine Anerkennung. Anschließend begrüßt der Comandante, dass es der Regierung von Präsident Gustavo Petro, des ersten progressiven Staatschefs in der Geschichte Kolumbiens, gelungen ist, das erste Jahr seiner Amtszeit inmitten schwieriger Umstände zu erreichen. Trotz des »Widerstandes der Mächtigen, die sich mit ihren politischen Parteien, Verbänden und Medien jeder Reform widersetzen, die das Regime der Privilegien und der Ungleichheit, das im Laufe der Geschichte der Republik auferlegt wurde, beeinträchtigen könnte«, so Márquez.

Der Comandante – zuletzt hatte es Gerüchte über seinen Tod gegeben – übt in der Audiobotschaft jedoch auch Kritik an der aktuellen Regierung. In einem weiteren Teil des Audios, der unter anderem vom Radiosender Blue Radio veröffentlicht wurde, heißt es, die Guerilla FARC-EP, Zweites Marquetalia werte den Vorschlag der Regierung des »totalen Friedens« als sinnvoll und habe deshalb bereits drei Briefe an Präsident Petro gerichtet, in denen sie ihre Bereitschaft und Entschlossenheit zur Aufnahme von Friedensgesprächen äußern. Zudem hätten sie diese Bereitschaft bei drei Treffen mit dem Friedensbeauftragten der Regierung, Danilo Rueda, bestätigt. Doch seit Ende Februar, als mit Bogotá eine vorläufige Vereinbarung getroffen wurde, habe es von seiten der Regierung keine Fortschritte gegeben. »Es scheint uns ein Widerspruch zur totalen Friedenspolitik, dass die Entscheidung und der Wille unserer Guerilla, einen Friedensprozess voranzutreiben, nicht richtig und rechtzeitig verstanden wird. Die fehlende Entschlossenheit und das Verstreichen der Zeit können unerwünschte Folgen haben. Wir wollen dem Herrn Präsidenten die Hand reichen und ihn einladen, den nächsten Schritt zu machen, wir sind bereit«, so Márquez weiter.

Einige Tage zuvor, am 24. Juli, war im Rahmen des Gedenktages für den Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar auf der offiziellen Homepage der Guerilla ein längerer, von Márquez unterzeichneter Text unter dem Titel »Ideen für eine kontinentale Vision« veröffentlicht worden. Zahlreiche Medien übernahmen den Text und fragten sich, ob das bedeute, dass er doch am Leben sei. Denn Anfang Juli hatte die Nachrichtensendung Noticentro 1 CM& gemeldet, der Guerillaführer sei an den Folgen von Verletzungen gestorben, die er nach einem auf ihn verübten Attentat im Juni vergangenen Jahres erlitten hatte. Ende Juli hatte ihn ein Gericht in Ibagué Márquez in Abwesenheit wegen Mord und Terrorismus zu einer 41jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Die Straftaten sollen im Rahmen der Besetzung der Gemeinde Roncesvalles im Süden vom Departamento Tolima durch die Guerilla im Jahr 2000 geschehen sein. Damals waren 13 Polizisten und ein Zivilist, die an der Rückeroberung der Stadt teilnahmen, getötet worden.

Márquez war zwischen 2012 und 2016 Chef der Guerilladelegation bei Friedensgesprächen mit der damaligen kolumbianischen Regierung. Doch im Jahr 2018, nach der Unterzeichnung des Abkommens zwischen Regierung und FARC-EP und der Demobilisierung der Guerilla, tauchte er als Reaktion auf die Nichteinhaltung des Friedensvertrages seitens des Staates und der Verfolgung gegen ihn und weitere frühere Comandantes unter. Ende August 2019 erschien Márquez zusammen mit anderen Guerilleros der früheren FARC-EP wieder und verkündete in einem Video die Rückkehr zum bewaffneten Kampf, nun unter dem Namen FARC-EP, Zweites Marquetalia. Daraufhin wurde Márquez im Oktober 2019 von den Friedensgesprächen ausgeschlossen.

Die AiP meint: Es lebe die Nationale und Sozialistische Bewegung! Für den Sieg im Volkskrieg!


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Aus „Junge Welt“ vom 7. August 2023

Hollywood unter Druck

US-Streik: Treffen zwischen Gewerkschaft und Studios endet ohne Ergebnis Von Alex Favalli

In der US-Filmbranche zeichnet sich keine Entspannung ab. Am Freitag kamen in Los Angeles Vertreter der Alliance of Motion Picture and Television Producers (AMPTP) und der Writers Guild of America (WGA) zum ersten Mal seit Beginn des inzwischen seit drei Monaten andauernden Hollywood-Streiks für Verhandlungen zusammen. Doch auf das Angebot der Produktionskolosse reagierte die Gewerkschaft mit einer klaren Ablehnung, wie sie in einer Pressemitteilung am Wochenende mitteilte.

Konkret bot die Chefin der Produzentenvereinigung Carol Lombardini an, bei nur zwei der WGA-Forderungen einen Kompromiss zu suchen. Demnach wäre der Kapitalverband AMPTP bereit, über eine Erhöhung des Mindestlohns der Drehbuchautoren sowie über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu verhandeln. Weitere Anliegen wie der Erhalt der Büroräume der Autoren, regelmäßige Lohnzahlungen auf wöchentlicher Basis oder erfolgsabhängige Bonuszahlungen wurden entschlossen zurückgewiesen.

Aus einer internen E-Mail vom Wochenende an die Gewerkschaftsmitglieder geht hervor, dass WGA nun den Streik noch entschlossener fortführen wird: »Bislang haben die Unternehmen Monate mit der gleichen gescheiterten Strategie verschwendet. Sie haben immer wieder versucht, durch anonyme Zitate in den Medien, mit Panikmache, Gerüchten und Lügen, unsere Entschlossenheit zu schwächen.« Tatsächlich summierten sich in den vergangenen Wochen die Medienberichte, wonach der Streik keine Auswirkungen auf die Unterhaltungsindustrie hätte, weil die Streamingdienste angeblich über genügend Programm für die kommenden Monate verfügten.

Dass die Produktionen derzeit nur schwer vorankommen oder gar nicht stattfinden, wird in den besagten Texten nicht erwähnt. Doch allein die Bereitschaft von AMPTP, sich nach 90 Tagen Schweigen plötzlich an den Verhandlungstisch zu setzen, zeugt von der Effektivität des Streiks. In der E-Mail hieß es weiter: »Studiobosse behaupten, dass der Streik für die Unternehmen finanziell gut sei und dass sie froh seien, wenn er bis 2024 andauert, damit sie ihre Verluste abschreiben können. Dies ist eine kalkulierte Desinformation über die tatsächlichen Auswirkungen der Streiks. Wir haben die Produktion stillgelegt. Die gewerkschaftlich organisierten Autoren und Schauspieler sind in dieser Branche so unverzichtbar, dass die Unternehmen nicht einmal versuchen können, die Arbeit ohne uns zu machen.«

Angesichts des besorgniserregenden »Wendepunkts für den wichtigsten Industriezweig von Los Angeles«, der inzwischen auf die gesamte Wirtschaft Auswirkungen hat, meldete sich am Freitag auch Bürgermeisterin Karen Bass zu Wort: »Wir müssen auf diese Herausforderung reagieren und uns weiterentwickeln«, sagte sie. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass Los Angeles wieder auf den »richtigen Weg« komme, »und ich bin bereit, mich persönlich mit allen Beteiligten auf jede erdenkliche Weise zu engagieren, um dazu beizutragen, dass dies geschieht«.

Obwohl AMPTP zunehmend unter Druck steht, weist die Vereinigung jegliche Verantwortung für den aktuellen Streik zurück. In einer Mitteilung vom Donnerstag heißt es, die Rückkehr Tausender Menschen zur Arbeit sei ihr einziges Ziel.

Enthüllungen der Los Angeles Times vom Freitag zufolge spricht man in den privaten Konferenzräumen von Big Hollywood eine ganz andere Sprache: Führungskräfte der Unternehmen hätten demnach inoffiziell erklärt, dass die Gewerkschaft WGA ihre Forderungen nach einer Mindestbesetzung von Autorenzimmern und der Länge der Autorenverträge aufgeben müsse, um eine Einigung zu erzielen. Die Unternehmen wollen nicht, dass die Autoren diktieren, wie viele Personen für das Schreiben einer Fernsehsendung erforderlich sind, so eine Person, die den Verhandlungen nahesteht.

Während der Verhandlungen am Freitag versammelten sich Tausende Drehbuchautoren sowie Schauspieler, die derzeit parallel mit der Gewerkschaft SAG-AFTRA streiken, vor den Toren der Produktionsfirma NBC Universal. WGA gab sich dort kämpferisch und verkündete, dass man nicht die Absicht habe, diesen Streik einfach zu beenden. Der Ausstand der Autoren und Schauspieler dürfte also noch Monate andauern.

Die AiP meint:

Arbeiter von Stirn und Faust vereinigt euch gegen den gemeinsamen Kampf!


Blumenkorb zu Ehren der Helden im Großen Vaterländischen Befreiungskrieg

Parallel zum zweiten internationalen Solidaritätskongress, der anlässlich des 70 Jahrestages des Sieges der DVRK im Großen Vaterländischen Befereiungskrieg am 22. Juni in der Botschaft der DVRK in Berlin stattfand, hat die Antiimperialistische Plattform Deutschland wieder für einen opulenten Blumenkorb zu Ehren der unvergessenen Helden der ruhmreichen koreanischen Volksarmee gesammelt.

Gemeinsam mit den Präsenten zahlreicher weiterer internationaler Organisationen und Regierungen – darunter der unserer Genossen der deutschen Sektion des internationalen Solidaritätskommitees mit der DVRK, der koreanischen Freundschaftsgesellschaft, dem Verteidigungsministerium der Republik Äquatorialguinea und vielen anderen fortschrittlichen Kräften, wurde der liebevoll gestaltete Blumenkorb in feierlicher Zeremonie am Großmonument Mansudae in Pjöngjang vor den Standbildern des Großen Führers KIM IL SUNG und des Geliebten Führers KIM JONG IL abgelegt.

Blumenkorb der Antiimperialistischn Plattform Deutschland
Mitteilung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA

Ein weiteres sichtbares Zeichen unserer unverbrüchlichen Solidarität mit dem koreanischen Volk und der staatstragenden Partei der Arbeit Koreas, und ein starkes Signal an die Feinde der DVRK – die Kriegstreiber in Washington und Seoul –, dass die DVRK in ihrem Kampf um Freiheit, Souveränität und Selbstbestimmung keineswegs isoliert ist. Im Gegenteil wächst mit jeder Provokation des Westens die Zahl der Freunde und Unterstützer des koreanischen Volkes.

Denn immer mehr Menschen erwachen und erkennen, dass die konsequente Haltung der DVRK nicht nur Garant für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel, sondern für den Frieden weltweit ist.


Bei anderen gelesen …

Aus „Junge Welt“, Nr. 167 vom 21 Juli 2023

44 Jahre Freiheit

Nicaragua: Feierlichkeiten zum Sieg der Sandinistischen Revolution mit Tausenden Teilnehmern und zahlreichen Staatsgästen Von Thorben Austen, Managua

Zehntausende Menschen haben am Mittwoch in Nicaragua den Jahrestag des Sieges der Sandinistischen Revolution vom 19. Juli 1979 gefeiert. Vor 44 Jahren waren die Revolutionstruppen des Frente Sandinista de Revolución Nacional (FSLN) in die Hauptstadt Managua einmarschiert und hatten das Ende der jahrzehntelangen Diktatur der Familie Somoza verkündet. Diktator Anastasio Somoza war bereits zwei Tage zuvor aus dem Land geflohen.

Die Feiern werden in Nicaragua jedes Jahr sowohl dezentral in den Departamentos als auch in der Hauptstadt begangen, das Programm beginne stets schon Wochen vor dem 19. Juli, erklärte Jorge Capelán vom Centro Regional de Estudios Internacionales gegenüber jW. In den vergangenen Jahren hätten landesweit jeweils etwa 400.000 Menschen teilgenommen. Der zentrale Festakt am Mittwoch abend fand auf der Plaza de la Dignidad statt. An ihm nahmen neben Staatsgästen Vertreter aus Solidaritätsbewegungen, Gewerkschaften und linken Parteien verschiedenster Länder teil. Auch waren Tausende Delegierte der Sandinistischen Jugend anwesend, überwiegend Schüler und Studenten aus Managua, wie ein Teilnehmer gegenüber jW angab. Für Mauricio, einen Aktivisten der Sandinistischen Jugend aus der Hauptstadt, ist der »19. Juli ein Tag des historischen Gedenkens, ein Tag des Kampfes und des Sieges der Sandinistischen Volksrevolution – er bedeutet 44 Jahre Freiheit und Unabhängigkeit«, sagte er im Gespräch mit jW. Heute lebe man in Nicaragua »im Frieden«, mit einer »Jugend, die sich verpflichtet, täglich für ein besseres Leben zu streiten«, erklärte er.

Das Programm auf der Plaza de la Dignidad begann mit einem Konzert mit revolutionären Liedern aus Lateinamerika. In einer kurzen Rede versprach die Vizepräsidentin und Ehefrau von Staatspräsident Daniel Ortega, Rosario Murillo, die Sozialprogramme »im Wohnungs- und Straßenbau, im Gesundheits- und Bildungswesen« fortzusetzen. Die Regierung sei »christlich«, daher könne man zu Recht sagen: »Hier lebt Jesus Christus (…) mit Liebe und aus Liebe. Christlich, sozialistisch und solidarisch arbeiten wir und dienen unserem großen Volk.« Murillo stellte auch die ausländischen Gäste vor. Neben Vertretern verschiedener afrikanischer und lateinamerikanischer Staaten waren offizielle Delegationen der Palästinensischen Nationalbehörde sowie aus Russland, Belarus und der Demokratischen Volksrepublik Korea angereist. Die Veranstaltung verzichtete trotz der internationalen Gäste nahezu vollständig auf aufwendige Sicherheitsvorkehrungen, die Zuschauer saßen ohne Trennlinie nur wenige Meter von den Staatsgästen entfernt.

Schließlich setzte Präsident Daniel Ortega zu einer etwa zweieinhalbstündigen Rede an. Er ging ausführlich auf die Geschichte Nicaraguas ein. Den ersten Sieg gegen den »spanischen Imperialismus« hätten indigene Völker auf dem Territorium Nicaraguas errungen. Die späteren Präsidenten hätten alle für die USA regiert. Schließlich sei aus dem Geist des für die Unabhängigkeit des Landes kämpfenden Generals Augusto Sandino (1895–1934) der Frente Sandinista entstanden. Europa, so der Staatschef, diene den »Interessen der USA innerhalb der NATO«, verhänge »Sanktionen gegen Nicaragua« und lasse gleichzeitig »Tausende Migranten an seinen Grenzen sterben«. Diese Verbrechen »gegen menschliche Wesen« müsse der »berühmte Internationale Gerichtshof Europa verurteilen«, forderte der Staatschef. Statt Millionen in den »Krieg in der Ukraine zu stecken, könnte das Geld weltweit zur Armutsbekämpfung und für Umweltschutz verwendet werden«. Zum Ende ging Ortega auf die internationale Solidaritätsbewegung mit Nicaragua ein und erinnerte an die »80 Brüder« aus verschiedenen Ländern, die in den 1980er Jahren von Contras ermordet worden waren.

Die oppositionelle Zeitung La Prensa schrieb, »der FSLN habe die Feiern mit viel Lärm und wenig Leuten begonnen«, und veröffentlichte am Mittwoch Fotos von Polizisten in Uniform, die mit Fahnen des FSLN an einem Marsch zum Jahrestag teilnehmen. Glückwünsche seien »von Nicolás Maduro und anderen die Menschenrechte missachtenden Regimen« eingegangen. Nicaragua Investiga gab an, die Zustimmung für den FSLN sei nach einer Umfrage vom Juli von 16 auf 13 Prozent zurückgegangen. Die Pressefreiheit ist also durchaus intakt.


Freunde zu Besuch bei Freunden

Anlässlich des 70. Jahrestages des Sieges im Großen Vaterländischen Befreiungskrieg, trafen am 22. Juni, im Rahmen des 2. internationalen Solidaritätskongresses, eine Abordnung der deutschen Sektion der Internationalen Solidaritätsgruppe mit der DVRK, sowie unser Vorsitzende – Genosse Michael Koth – in der Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea in Berlin zusammen.

Nach einem herzlichen Empfang durch den Genossen Botschafter und einer anschließenden Würdigung der tapferen Helden im Koreakrieg, tauschte man sich gegenseitig über die bisher geleistete Arbeit und aktuelle Projekte aus. Im Zentrum stand selbstredend die bedingungslose Solidarität zur Demokratischen Volksrepublik Korea und der staatstragenden Partei der Arbeit Koreas unter ihrem Vorsitzenden, den Obersten Führer, Genossen KIM JONG UN.

Es wurde in allen Punkten volle Übereinstimmung getroffen und beschlossen, die gemeinsame Arbeit auch in Zukunft fortzusetzen und zu intensivieren. Getreu dem Motto: „Und mögen sie auch hetzen, man solle sich vernetzen!“

Gerade in der aktuellen, spannungsgeladenen Situation auf der koreanischen Halbinsel, ist es wichtig, ein sichtbares Zeichen der Solidarität zu zeigen. Und das gelingt über alle Grenzen hinweg. Denn anders als es uns die westliche Propaganda weißmachen will, steht die Demokratische Volksrepublik Korea mitnichten isoliert in der Welt. Vielmehr wächst die Zahl der fortschrittlichen Kräfte dieser Welt, die sich brüderlich mit der DVRK verbunden fühlen. Nicht zuletzt der Besuch des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu und eines hochrangigen Mitglieds des chinesischen Politbüros, anslässlich der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Sieges, sprechen wahrlich Bände.

Das die weltweiten Solidaritätsbekundungen auch in der koreanischen Heimat auf Widerhall stoßen, davon zeugt die Titelseite Koreas bedeutenster Tageszeitung „Rodong SinMun“ (Nachrichten der Arbeit) vom 22. Juli, auf dem nicht nur über den Besuch des russischen Verteidigungsministers an prominenter Stelle berichtet wurde. Direkt unter dem Leitartikel wird über den 2. Solidaritätskongress und besonders auch dem Besuch der Botschaft der DVRK in Berlin berichtet.

Eine große Ehre, die wir sehr zu schätzen wissen, und die uns anspornt, das brüderliche Band mit dem Volk der DVRK noch enger zu knüpfen.