Sind die USA unbesiegbar?

Quelle: Sache des Volkes

Während sich rechte Verschwörungstheoretiker alle Mühe geben, innerhalb der nationalen Opposition geistige Wehrkraftzersetzung zu betreiben, mit der blödsinnigen Behauptung, die USA seien unbesiegbar, weil die hinter ihnen stehenden „Hintergrundmächte“ unbesiegbar seien, lehrt uns die Weltpolitik, daß sich Widerstand gegen den US-Imperialismus aus Sicht der unterdrückten Völker lohnt.

Ohne hier irgendeine „moralische“ Bewertung vornehmen zu wollen: Die Bombenanschläge, die islamische Terroristen im März 2004 in Madrid verübten, haben dem US-Vasallen José Maria Aznar eine Wahlniederlage beschert, worauf die siegreichen Sozialisten den Rückzug spanischer Truppen aus dem Irak umsetzten. Seitdem tun sich die USA zunehmend schwer, Hilfstruppen für ihre Welteroberungspläne zu finden. Cui bono – wem haben die Anschläge in Madrid genutzt? Dem US-Imperialismus haben sie jedenfalls geschadet, dem arabischen Befreiungsnationalismus genutzt.

Im übrigen haben die Bombenanschläge, die in den sechziger Jahren von deutschen Befreiungsnationalisten in Südtirol verübt wurden, dem Deutschtum in Südtirol genutzt, da die italienische Besatzungspolitik die deutsche Schulsprache und weitere Autonomierechte den Deutschen südlich des Brenners dauerhaft zugestehen mußte. Somit konnte die Ent-deutschung Südtirols abgewendet werden, die nun im französisierten Elsaß-Lothringen Früchte trägt.

Die Lage in der BRD ist heute freilich eine ganz andere. Für militanten Befreiungs-nationalismus gibt es bei uns überhaupt keine Erfolgsgrundlage, da es derzeit am Bewußtsein der Deutschen fehlt, in einer amerikanisch besetzten Zone zu leben. Im Bewußtseinsmäßigen – und nicht in der terroristischen Gewalt – hat deshalb gegenwärtiger deutscher Befreiungsnationalismus anzusetzen.

Im Jahr 9 nach der Zeitrechnung war das Bewußtsein unter den germanischen Stämmen verbreitet, in einem von Rom besetzten bzw. bedrohten Land zu leben. Als Armin der Cherusker den Aufstand anführte, war sich der ehemalige römische Offizier bewußt, daß er und seine germanischen Kampfgefährten die römischen Legionen nicht auf dem offenen Schlachtfeld besiegen könnten. Deshalb wählte Armin die Partisanentaktik. In einem regelrechten Katz- und Maus-Spiel wurden die Römer in der Schlacht im Teutoburger Wald – nördlich des heutigen Osnabrück – aus dem Hinterhalt angegriffen, immer wieder gab es Rückzugsgefechte, um den großen römischen Lindwurm erneut überfallartig anzugreifen. Das Ergebnis: Die Römer verloren die drei Legionen des Varus, das waren insgesamt, wenn man den Troß hinzuzählt, 30.000 Mann.

Das Muster wiederholt sich heute: Die arabischen Befreiungsnationalisten haben bereits vor der militärischen Niederlage des Saddam Hussein gegen die US-Truppen begriffen gehabt, daß ein x-beliebiger arabischer Staat gegen die gewaltige technologische Feuerwalze der USA gerade mal drei Wochen bestehen kann. Deshalb legt man den Schwerpunkt auf den Krieg nach dem Krieg, auf den Partisanenkampf. Während es auf dem regulären Schlachtfeld kaum möglich ist, den GI im direkten Gefecht zu stellen, ist dies im Guerilla-Kampf sehr wohl möglich. Vor allem ist es möglich, die vielen zivilen Helfer der USA und andere Kollabora-teure direkt anzugreifen. Erst am letzten Dienstag verübten zwei Selbstmordattentäter einen verheerenden Bombenanschlag in der Polizeiakademie von Bagdad, mit dem Ergebnis, daß es dem Marionettensystem künftig noch schwerer fallen wird, Polizisten zu rekrutieren.

Vor allem macht es auch Eindruck, wenn die Gedemütigten ihren Feind zu Hause angreifen. Das heißt: Wer als Engländer oder Deutscher Regierungen wählt, die islamische Länder überfallen und besetzen, muß damit rechnen, bei der Fahrt zur Arbeit in der U-Bahn angegriffen und getötet zu werden. Wer einem Stellenangebot in einer BRD-Zeitung nachkommt, im besetzten Irak Toilettenhäuschen für die US-Truppen zu errichten, muß damit rechnen, im Land zwischen Tigris und Euphrat einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Somit dürfte mit der Zeit die Zahl der willigen US-Helfer geringer ausfallen. Und die Zeit arbeitet für den Terrorismus. Vor allem haben die arabischen Befreiungsnationalisten eines begriffen: Dem dekadenten Amerikaner oder Europäer fällt das Sterben wesentlich schwerer als dem Palästinenser oder Iraker.

Der Terror hat also aus Sicht des Terrorismus seine Logik. Nur westliche Propagandaabteilungen und Geheimdienste können ein Interesse daran haben, diese Logik zu verschleiern.

Daß sich Widerstand gegen den US-Imperialismus lohnt und zu handfesten Erfolgen führen kann, beweist auch Hugo Chavez. Der Präsident Venezuelas führt den Kampf gegen den US-Imperialismus in der Handelspolitik. Chavez hat immerhin erreicht, daß die von US-Präsident George W. Bush angestrebte „Freihandelszone“, die sich über gesamt Nord- und Südamerika erstrecken soll, bis auf weiteres nur in der Phantasie der Yankees existiert. So gelang es dem Präsidenten Venezuelas auf einer Konferenz, die im November 2005 im argentinischen Mar del Plata stattgefunden hatte, die Pläne für die Errichtung einer panamerikanischen Freihandelszone (FTAA) zu sabotieren.

Im Mittelpunkt der FTAA-Betrebungen des George W. Bush steht die Aufhebung internationaler Handelsschranken zugunsten des US-Kapitals. Während 29 Staaten, darunter die USA und Mexiko, auf dem Amerika-Gipfel dafür plädierten, die FTAA-Verhandlungen grundsätzlich wieder aufzunehmen und dafür eine Frist bis spätestens April 2006 festzulegen, stieß diese Absicht auf den Widerstand der fünf übrigen Teilnehmer – Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay und Venezuela. Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hatte schon vor dem Gipfel erklärt, er verfolge das Ziel, die „FTAA zu begraben“. Das ist ihm bisher gelungen. Gegen die Freihandelszone richteten sich auch zahlreiche Protestaktionen am Rande des Gipfels. Pünktlich zur Eröffnung des Treffens der amerikanischen Staatschefs flogen die ersten Steine. „Piqueteros“, militante Arbeitslose, feuerten mit Zwillen auf Schaufenster im Zentrum des argentinischen Seebads Mar del Plata, zündeten Molotow-Cocktails und steckten die Räume einer Bank in Brand. Die Polizei warf Tränengasgranaten und schützte eine McDonalds-Filiale sowie weitere Geschäfte und Banken. Die Demonstranten skandierten: „Fuera Bush!“, „Raus mit Bush!“. So sieht also der Widerstand gegen den US-Imperialismus in Südamerika aus. Andere Länder, andere Sitten; sicherlich nicht zur Nachahmung in Deutschland empfohlen. Auf was es uns an dieser Stelle ankommen soll, ist die Erkenntnis, daß sich die unterschiedlichen Formen des Widerstands und Protests gegen den US-Imperialismus lohnen können. Man braucht dazu allerdings entschlossene Kämpfer, die vor allem wissen, für was sie kämpfen und wer ihr Feind ist, der den eigenen politischen Zielen im Weg steht.

Unser Feind ist sichtbar, angreifbar, verwundbar und besiegbar. Hören wir deshalb nicht auf die Desinformation über irgendwelche unbesiegbaren „Hintergrundmächte“, die dafür sorgten, daß unser Widerstand gegen den US-Imperialismus umsonst sei.

Jürgen Schwab

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2 responses to “Sind die USA unbesiegbar?

  • eipram

    Frag die Vietnamesen…

  • Stephan Göbeke-Teichert

    Eine längst überfällige Betrachtung! Wenn man unter diesen Kriterien die politische Landschaft der Bundesrepublik Deutschland beobachtet erkennt der politisch Interessierte, auf welch extrem dünner Personaldecke sich die Vasallen derzeit bewegen! Lustig auch, dass man nach keinen Argumenten politischer Exesse suchen muss, sie werden uns jeden Tag via Medien präsentiert. Schon fast zuviel um einen klaren Gedanken fassen zu können – eine Taktik, die zur Lähmung führen soll? Und wenn… Arbeit kann man auf- und einteilen. Jeder an seinen Platz.

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