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Berliner Kurier vom 08.08.2026 von Florian Thalmann

FDGB-Ferienheim „Fritz Heckert“: Ferientraum der DDR kommt zurück!

Das einstige FDGB-Ferienheim „Fritz Heckert“ im Harz war eine Ruine. Nun soll daraus ein neues Hotel mit 100 Zimmern entstehen.

Es war eines der größten Ferienheime der DDR, schrieb Tourismus-Geschichte – und steht nun seit Jahren leer: Das ehemalige FDGB-Ferienheim „Fritz Heckert“ im Harz ist zu einer Ruine geworden, zu einem der bekanntesten Lost Places in dem Mittelgebirge. Doch an dem Ort, den so viele Menschen aus dem Osten mit Urlaubserinnerungen verbinden, soll sich nun etwas tun: Noch in diesem Jahr sollen hier die Baumaßnahmen für ein neues Hotel-Projekt beginnen. Bald kann man wieder Urlaub im ehemaligen FDGB-Ferienheim aus der DDR machen!Das Ferienheim „Fritz Heckert“ bei Gernrode im Harz ist ein Stück Tourismus-Geschichte der DDR. Der Grund: Es wurde zwischen 1952 und 1954 gebaut – und gilt als erster Neubau in der Geschichte des DDR-Tourismus! Die DDR-Gewerkschaft FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) hatte den Komplex in Auftrag gegeben – die Gewerkschaft war in der DDR maßgeblich an der Vergabe von Urlaubsplätzen beteiligt.In den FDGB-Ferienheimen machten vor allem DDR-Bürger Urlaub, die berufstätig waren. Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund organisierte ab 1947 preisgünstige Erholungsreisen für Millionen Werktätige und ihre Familien. Besonders gefragt waren Ferienplätze an der Ostsee, im Thüringer Wald, im Erzgebirge – und eben auch im Harz. Da die Nachfrage größer war als das Angebot, waren die Plätze oft lange ausgebucht. Und wer einen bekam, konnte sich glücklich schätzen!Wer einen Ferienplatz wollte, musste sich über seinen Betrieb bewerben. Die Anträge wurden dort von sogenannten Ferienkommissionen geprüft. Bei der Vergabe spielten verschiedene Kriterien eine Rolle: Arbeitsleistungen, gesellschaftliches Engagement, Betriebszugehörigkeit, Familienstand oder die Zahl der Kinder.

Auch Mitglieder erfolgreicher Brigaden hatten bessere Chancen. Anschließend erhielt der Betrieb ein bestimmtes Kontingent an Plätzen, das an die Beschäftigten verteilt wurde. Ein FDGB-Urlaub war stark subventioniert und deshalb für viele erschwinglich. Einen Platz zu bekommen, galt jedoch oft als Glücksfall.

Urlaubsträume der DDR im FDGB-Ferienheim

Das Ferienheim „Fritz Heckert“ in Gernrode wurde am 11. Juli 1954 eröffnet – der Bau kostete mehr als zwei Millionen Mark. Dafür wurde hier alles geboten, wovon die Urlauber in der DDR nur träumen konnten. Es gab fließendes Warmwasser, eine Zentralheizung, Wannenbäder, eine Bibliothek, ein Fernsehzimmer und Essen nach Wahl. Für 13 Tage Urlaub kostete das 30 Mark pro Kind und weniger als 100 Mark für einen Erwachsenen. 1969 wurden auf dem Gelände noch ein weiteres Bettenhaus und eine Gaststätte mit Bar gebaut.Doch nach der Wende wurde das DDR-Ferienheim geschlossen, die Anlage verfiel nach und nach. 1998 wurde das Bettenhaus wieder abgerissen. Sonst tat sich nicht viel auf dem Gelände, der ehemalige Ferientraum der DDR wurde zum vergessenen Gebiet.

Immer mehr verwandelte es sich in einen Lost Place, auf dem nachts Partys gefeiert wurden, auf dem der Vandalismus einzog, auf dem Müll hinterlassen wurde und auf dem Obdachlose hausten. Bis 2021: Da verkündete die Stadt, dass das Gelände verkauft und einer neuen Nutzung zugeführt werden soll.Doch im Gebäude gab es auch anderes Leben: Laut NABU zogen hier Fledermäuse ein, für die die verfallenen Räume zum perfekten Quartier wurden. „Es stellt für sie im Suchbild nichts anderes dar als ein riesiges Felsgebilde mit jeder Menge Spalten“, sagte Bernd Ohlendorf, Vorsitzender des Arbeitskreises Fledermäuse Sachsen-Anhalt, der Mitteldeutschen Zeitung. Vor den geplanten Umbauarbeiten soll nun ein Ersatzquartier für die Tiere geschaffen werden. Ein entsprechendes Gutachten gibt es bereits, die Maßnahmen sollen bald geplant und umgesetzt werden.Bald kann man im ehemaligen FDGB-Ferienheim dann wieder Urlaub machen. Entstehen soll hier ein Hotel mit 100 Zimmern, Restaurant und Wellnessbereich. Allerding soll aus dem ehemaligen DDR-Feriendomizil kein Luxusresort werden: Das Gelände bleibt ein Ferienort für normale Menschen. Von einem „bezahlbaren“ Tourismusangebot war die Rede. „Hauptzielgruppe ist der Freizeit- und Familientourismus“, sagte einer der Projektverantwortlichen der Zeitung.

Im DDR-Ferienheim entstehen 35 Arbeitsplätze

Mehr als 20 Millionen Euro sollen investiert werden, ein großer Teil davon fällt laut Berichten auf die Außenanlagen. Denn die müssen nicht nur wieder ordentlich hergerichtet, sondern auch mit neuen Leitungen ausgestattet werden, etwa für das Abwasser. Rund 35 Arbeitsplätze sollen in dem neuen Hotelkomplex entstehen, „für Rezeption, Service, Küche, Management, alles, was man braucht, um es zu betreiben und zu bewirtschaften“, hieß es.


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