Berliner Kurier vom 09.08.2026 von Norbert Klaucke
DDR-Staatschef Erich Honecker und Ehefrau Margot: Ihre Urnen können doch nach Berlin kommen
Erich Honecker und seine Frau Margot haben bis heute kein Grab. Am Zentralfriedhof Friedrichsfelde gibt es jetzt doch noch freie Plätze für Urnen.

Erich Honecker organisierte vor 65 Jahren den Bau der Berliner Mauer. Und der DDR-Staatschef, der 1994 im chilenischen Exil starb, hat bis heute kein Grab – genau wie seine Frau Margot (starb 2016). Jetzt könnte sich das ändern. Ausgerechnet auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde. Was vor zehn Jahren an der Bürokratie scheiterte, könnte jetzt klappen. Denn nahe der Gedenkstätte der Sozialisten sind laut Bezirksamt noch ein paar Plätzchen für Urnenbestattungen frei.Der Verbleib der Urnen von Erich und Margot Honecker ist bis heute ein Rätsel. Für beide gab es Trauerfeiern auf Friedhöfen in Chile. Beigesetzt wurden sie nie.
Mit dieser Wahrheit rückte Honecker-Enkel Roberto Yáñez (52) in seinem Buch „Mein Leben als Enkel der Honeckers“ (Suhrkamp-Insel) heraus, das er gemeinsam mit dem Berliner Filmemacher Thomas Grimm schrieb. Es erschien kurz nach dem Tod von Margot Honecker.Darin heißt es: Die Urnen liegen an einem geheimen Ort in Chile, aufbewahrt von Bekannten der Familie. Der Grund dafür ist immer derselbe geblieben. Die Urnen sollen einmal in Deutschland beigesetzt werden.Den Wunschort hatte Enkel Roberto schon vor zehn Jahren genannt. Nahe der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde sollten die Honeckers an der Seite ihrer einstigen Genossen ruhen.
„Das war damals nicht nur so dahingeschrieben“, sagt Mitautor Grimm heute dem KURIER. „Es gab schon entsprechende Vorbereitungen. Zwei Grabstellen waren bereits für eine Beisetzung ausgesucht worden.“Am Ende verhinderte die Bürokratie die Beisetzung. „Die Beisetzung der Familie Honecker in der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Lichtenberg sei nicht möglich, da die Anlage unter Denkmalschutz steht und dort seit 1989 keine neuen Bestattungen mehr vorgenommen werden“, erklärte damals der Senat.
Die Antwort aus Lichtenberg
Und jetzt, zehn Jahre später? Der KURIER fragte beim Bezirksamt Berlin-Lichtenberg nach, ob sich die Lage geändert hat.
Zunächst kommt aus dem Büro der zuständigen Bezirksstadträtin Filiz Keküllüoğlu (Grüne) eine Absage. „Auf der Gedenkstätte selbst – und das betrifft auch die Urnen ringsherum – wird nicht mehr beigesetzt oder bestattet“, teilt eine Sprecherin des Bezirksamtes dem KURIER mit.1951 ließ die SED-Führung die Gedenkstätte der Sozialisten errichten. Grabplatten um einen großen Gedenkstein erinnern vor allem an die ermordeten KPD-Führer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, zu deren Ehren Zehntausende DDR-Bürger stets im Januar (dem Monat ihrer Ermordung im Jahr 1919) zum Zentralfriedhof hin marschieren mussten. In der ersten Reihe liefen oft Erich Honecker und seine Frau Margot mit anderen Mitgliedern der Staatsführung mit.
Laut Aussage des Bezirksamtes ist die Gedenkstätte für Urnenbestattungen weiterhin tabu. Genauso wie die dahinterliegende Ringmauer, an der man unter anderem das Grab von Walter Ulbricht (1893–1973) findet. Jenem DDR-Staatschef, der 1961 die Mauer errichten ließ und deren Bau Erich Honecker (damals Sicherheitssekretär im Zentralkomitee der SED) organisierte.Dennoch gibt es noch eine Möglichkeit, dass die Honeckers auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde ganz in der Nähe der Gedenkstätte der Sozialisten beigesetzt werden können. „Im Pergolenweg können pro Stelle bis zu vier Urnen beigesetzt werden“, antwortet das Bezirksamt dem KURIER in Bezug auf eine Anfrage zu einer möglichen Bestattung der Honeckers auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde.Die Gräberanlage Pergolenweg auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde wurde 1951 zeitgleich mit der zentralen Gedenkstätte der Sozialisten eingeweiht. Sie diente in der DDR als Ehrenfriedhof für Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung. Anders als in der streng reglementierten Hauptgedenkstätte konnten am Pergolenweg auch Ehepartner und nahe Verwandte der geehrten Persönlichkeiten bestattet werden.
Dort findet man unter anderem die Gräber von DEFA-Kultregisseur Konrad Wolf (1925–1982, „Ich war neunzehn“) oder von Sophie Liebknecht (1884–1964), der zweiten Frau des ermordeten KPD-Führers Karl Liebknecht, der auf der Hauptgedenkstätte geehrt wird.Ob dort einmal die Urnen von Erich und Margot Honecker liegen, hängt allein von ihrem Enkel Roberto ab. Der Maler, Musiker und Autor, der in Chile lebt, ist offenbar der einzige noch lebende direkte Nachfahre der Honeckers. Er müsste die Bestattung in Berlin-Friedrichsfelde in die Wege leiten.
Bisher liegt keine solche Anfrage vor, teilt das Bezirksamt Lichtenberg mit. Wann – und ob überhaupt – die Urnen nach Berlin kommen, ist damit vor allem eine Frage der Zeit.

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