Archiv des Autors: AiP West

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Berliner Kurier vom 05.04.2026 von Matthias Fritzsche

BFC Dynamo geht mit klaren  Plänen auf seine Osterreise nach Zwickau

Ausflug am Ostersonntag für den BFC Dynamo. Beim FSV Zwickau geht es ab 18 Uhr um Regionalliga-Punkte. „Ich erwarte wieder ein sehr intensives Spiel. Zwickau ist seit 27 Spielen zu Hause ungeschlagen. Das wird für uns eine Herausforderung. Wir müssen klaren Männerfußball anbieten. Wir brauchen eine clevere, aggressiv geführte, klare Entscheidungsqualität auf Platz. Wir fahren nach Zwickau, um was mitzunehmen“, sagt Trainer Sven Körner.
Burkhard Reich traut dem BFC eine Überraschung zu

Die Dynamo-Freunde aus der KURIER-Tipprunde sind optimistisch, trauen dem Team alles zu, nur keine Niederlage. Für die Traditionsmannschaft lässt Teamchef Norbert Paepke Ex-Dynamo Burkhard Reich ran. „In Babelsberg war mehr drin als nur der Punkt. Aber die Mannschaft wird das Feld von hinten aufrollen. Es wird in Zwickau keine leichte Aufgabe gegen den Tabellenfünften. Ich hoffe auf eine Überraschung durch unser Team und tippe auf einen 3:2 Auswärtssieg. Toi, toi, toi dem ganzen Team.“Im Team Wirtschaft schaut Kapitän Jens Redlich in die Glaskugel: „Zwickau wird eine ganz andere Hausnummer als Babelsberg. Wir sind sicher Außenseiter. Ich hoffe, wir können uns durch Einsatz und Kampf auf Augenhöhe präsentieren und das Spiel offen gestalten. Dann ist alles möglich. Auch kurz vor Schluss durch einen Lucky Punch. So wie ihn uns Babelsberg am Mittwoch eingeschenkt hat, könnten wir ja auch mal zuschlagen. Ich glaube, es wird ein tolles Spiel und wir werden auf der Rückreise einen starken Punkt nach einem 1:1 feiern.“Für die Fans schickt Team-Chef Rainer Lüdtke mit Ulf Rieger einen langjährigen Anhänger des BFC Dynamo ins Rennen: „Das erste Mal beim BFC war ich Mitte der 70er bei einem Oberliga-Spiel, ich meine gegen Magdeburg. Klick gemacht hat es dann gegen Roter Stern, mein erstes Europapokal- und Flutlichtspiel. Ende der 80er bin ich für ein paar Jahre weg aus Berlin und konnte den BFC nur noch aus der Ferne beobachten. Durch Rainer Lüdtke bin ich dann zurück zum BFC gekommen, kann mich noch gut an unser erstes Treffen in der Picasso Straße erinnern (Flower Systems). Mein Tipp ist ein 2:1 für die Guten damit die Serie der Zwickauer beendet wird.“


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UZ vom 03.04.2026 von Björn Blach

US-Blockade durchbrochen – „Anatoli Kolodkin“ bringt Rohöl nach Kuba

Endlich, die Russen sind da!

Am Freitag vergangener Woche drohte US-Präsident Donald Trump noch unverhohlen mit einer Militärintervention in Kuba. Den dritten Weltkrieg wollte er dann aber doch nicht anfangen. Anders als angekündigt haben die USA den russischen Öltanker auf dem Weg nach Kuba nicht abgefangen. Am Montagmorgen erreichte die „Anatoli Kolodkin“ den Hafen von Matanzas. Die Blockade ist durchbrochen. Der US-Präsident tat in der Folge so, als sei es ihm egal, wer der sozialistischen Karibikinsel Öl liefert.

In der letzten Woche erreichten bereits die ersten Schiffe des Solidaritätskonvois von „Nuestra América“ Havanna und brachten Lebensmittel, Medikamente und Technik. Nach tagelanger Fahrt über den Atlantik, vermutlich mit allerlei Tricks, um den US-Freibeutern zu entwischen, erreichte der russische Tanker „Anatoli Kolodkin“ Kuba. Geladen hat das Schiff 730.000 Barrel Rohöl. Damit lässt sich die katastrophale Lage der Versorgung mit Brennstoff etwas entspannen.

Seit Jahresbeginn haben die USA sämtliche Öllieferungen nach Kuba blockiert. Nach dem Überfall auf Venezuela und der Entführung des Präsidenten Nicolás Maduro wurden die Treibstofflieferungen von dort eingestellt. Gegenüber Mexiko stieß Trump Drohungen aus, sodass Kuba im Januar letztmals Öllieferungen von dort erreichten. Kurz darauf hat Russland entschieden, trotz Blockade und der Kaperung russischer Öltanker eine Lieferung auf den Weg zu bringen.

Zuvor hatten fortschrittliche Kräfte aus beiden Amerikas angekündigt, eine Flotilla „Nuestra América“ auf den Weg zu bringen. Angelehnt an das Vorbild der Solidaritätsbewegung mit dem palästinensischen Volk wurden humanitäre Güter geliefert und vor allem politische Solidarität ausgedrückt. Hunderte Menschen aus 33 Ländern, darunter Genossinnen und Genossen aus Schwesterparteien der DKP, machten so auf die völkerrechtswidrige und unmenschliche Blockade der USA aufmerksam. Diese seit Jahrzehnten verhängten und ständig verschärften Sanktionen konnten das kubanische Volk nicht in die Knie zwingen. Im Gegenteil. Trotz teilweise schwieriger eigener Situation hat Kuba stets anderen Völkern geholfen. Sei es im Kampf um die nationale Befreiung in Afrika, gegen den Analphabetismus und mit der kostenlosen Ausbildung von Studierenden, mit Ärztinnen und Ärzten sowie Medikamenten. Dieses Beispiel ist den Herrschenden in den USA ein Dorn im Auge. Schließlich zeigt die kleine Karibikinsel, dass sie trotz der Blockade in der Lage ist, eine bessere Gesundheitsversorgung zu leisten, als sie Nicht-Reiche in den USA erhalten. Kuba zeigt vor allem den Lateinamerikanern, dass man aufrecht gehen kann.

Jeremy Corbyn, ehemaliger Hoffnungsträger der britischen Labour Party und Teilnehmer der Flotilla, prangerte demgegenüber die Feigheit und den moralischen Bankrott der europäischen Regierungen an. Er fragte, ob die USA einen Tanker aus Europa auf dem Weg nach Kuba bombardieren würden. Aber die Regierungen würden sich diese Frage noch nicht einmal stellen.

Auch die DKP hat in dieser Situation der Bedrohung ihre Solidarität verstärkt. Sie unterstützt die Kommunistische Partei Kubas (PCC) mit einer Spendensammlung. Nachdem das erste Spendenziel von 25.000 Euro schon in den ersten Tagen nach dem Beschluss des Parteivorstands übertroffen wurde, wurde das Ziel jetzt erhöht: Bis zum 1. Mai sollen 100.000 Euro für die Arbeit der PCC gesammelt werden.

¡Cuba sí, bloqueo no!


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Berliner Kurier vom 29.03.2026 von Matthias Fritzsche

Pokal-Wahnsinn

Der BFC Dynamo schießt sich mit sechs Toren ins Final-Glück

Zweimal liegen Dynamos bei Sparta Lichtenberg hinten, doch am Ende feiert der BFC die erneute Endspielteilnahme.

Ende gut, alles gut. Doch auf dem Weg ins Berliner Pokalfinale strapaziert der BFC Dynamo die Nerven aller, die es mit ihm halten, auf extremste Weise. Auf Kunstrasen bei Oberligist Sparta Lichtenberg sind die Weinrot-Weißen auf dem Papier Favorit. Was sich auf dem Platz beim 6:3 nach Verlängerung abspielt, wird ein Fußballmärchen und weinrot-weiße Geschichte.„Wir haben eine Leistung auf einem ekelhaften Kunstrasen, unter ekelhaften Bedingungen gebracht, die aller Ehren wert ist und demzufolge können die Jungs den Finaleinzug feiern“, sagt Trainer Sven Körner. Das nächste Spiel in der Regionalliga am Mittwoch in Babelsberg (19 Uhr) ist weit weg.

Führung für den BFC reicht nichtDer Film des Spiels hat das Zeug zum Klassiker. Mit Überlänge. Levin Mattmüller bringt den BFC nach nur sieben Minuten in Führung. Die berühmte Sicherheit gibt sie nicht. Das Spiel ist eng und als Sparta den Rückstand durch Tore von Dominic Schmüser (40.) und Berkin Tonk (50.) in ein 2:1 dreht, denken viele an die Sensation vor drei Jahren, als Sparta aus einem 0:1 ein 5:1 machte.So schlimm wird es für die Dynamos nicht. Aber das Comeback hängt am seidenen Faden. „Die Mannschaft hat immer an sich geglaubt und gewusst, dass sie den Ausgleich machen wird“, sagt Körner. Der Optimismus wird in Minute 90 Wirklichkeit, Lloyd-Addo Kuffour erzwingt mit dem 2:2 die Verlängerung.Kaum angepfiffen, liegt der BFC wieder hinten. Marko Trojanovic bringt Sparta 3:2 in Front (97.). Doch dann macht der Dynamo endlich richtig Licht an. Leander Fritzsche gleicht aus (104.), Rufat Dadashov erzielt die erste Führung (109.) und dann macht Fritzsche mit einem Doppelpack den Sack zu (109, 119.) – Finale.„Nach dem 1:0 müssen wir mehr Kontrolle ins Spiel bringen“, hätte sich Körner einen ruhigeren Nachmittag an der Außenlinie gewünscht.  „Aber dass die Mannschaft in der Verlängerung so viel Tore macht, spricht für das Team und die physische Stärke.“

Am Ende überstrahlt der Sieg alles. Vom wichtigsten Saisonziel sind die Dynamos nur noch einen Sieg entfernt. Er soll im Mai beim Pokalfinale gegen die VSG Altglienicke eingefahren werden. Vielleicht ist das Spiel ja leichter. Die Favoritenrolle liegt beim Gegner, es wird nicht auf Kunstrasen gespielt, wahrscheinlich im Mommsenstadion. Vor zehn Tagen endete die Regionalligapartie 1:1.


Prachtvoller Bildband: Eine Blütezeit voller Ereignisse und Umwälzungen im Jahr 2025

Wir freuen uns, unseren Lesern eine weitere Perle aus dem Verlag für fremdsprachige Literatur der Demokratischen Volksrepublik Kore präsentieren zu dürfen.

Der jüngst erschienene Bildband „Eine Blütezeit voller Ereignisse und Umwälzungen im Jahr 2025“ zeigt auf knapp 300 eindrucksvoll bebilderten Seiten einen Rückblick auf das wirtschafts- und außenpolitisch ereignisreiche Jahr 2025.

Eine Fundgrube für jeden, der sich neben den Mainstream-Medien ein eigenes Bild der politischen Weltlage machen will.

Wir wünschen unseren Lesern viel Spaß und gute Unterhaltung.


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Berliner Kurier vom 08.03.2026 von Jana Hollstein

Tausende feiern wieder

Wie in der DDR: Jugendweihe boomt in Berlin und Brandenburg

Immer mehr Jugendliche in Berlin und Brandenburg feiern Jugendweihe oder Jugendfeier. Für viele Familien ist es ein emotionaler Schritt ins Erwachsenwerden.

Ein paar Jellycat-Plüschtiere stehen noch im Regal, ansonsten erinnert nur noch wenig Spielzeug an die Kindheit: Matilda Zachäus verwandelt ihr Zimmer schon seit längerem in ein Jugendzimmer. Für die 14‑Jährige aus Berlin-Mahlsdorf wird sich am 30. Mai einiges verändern. „Das wird so ein Tag für mich“, sagt sie. „Mein Tor ins Erwachsenwerden.“ Es ist der Tag ihrer Jugendfeier.Für Matilda und ihre Eltern war die Entscheidung klar. „Ich bin nicht gläubig und stehe mit keiner Religion in Verbindung. Deshalb passt die Jugendfeier besser zu mir“, sagt sie. Die Familie richtet im Garten eine große Feier aus, mit Zelten und vielen Gästen. „Ich merke, wie viel Mühe sich meine Eltern jetzt schon geben. Und wenn man von älteren Freunden hört, dass das immer ein richtiges Highlight war, dann bin ich sehr gespannt“, erzählt die Achtklässlerin.Matilda ist eine von fast 8500 Jugendlichen, die 2026 in Berlin und Brandenburg an einer Jugendfeier teilnehmen werden. Die Zahl wächst seit Jahren, berichtet Katrin Raczynski, Vorstandsvorsitzende des Humanistischen Verbands Berlin-Brandenburg.Dass eine Jugendweihe oder Jugendfeier nicht überall selbstverständlich ist, erlebt Ole Wolf aus Berlin-Lichtenberg. Der 13-Jährige, der im Mai seine Jugendweihe feiern wird, hat sich in seiner Klasse umgehört – mit überraschendem Ergebnis: „Manche wussten nicht mal, was Jugendweihe ist“, sagt er. „Viele in meiner Klasse machen gar nichts. Manche kommen aus dem asiatischen Raum und sind nicht hier aufgewachsen. Deshalb wissen sie vielleicht gar nicht, dass es dieses Fest gibt.“Die Jugendweihe und die spätere Jugendfeier haben eine lange Tradition. Bereits 1889 fand in Berlin die erste proletarische Jugendweihe statt, erklärt Raczynski. Es war eine klare Abgrenzung von kirchlichen Festen wie Firmung und Konfirmation. Im 20. Jahrhundert durchlief das Ritual mehrere politische Brüche – besonders in der DDR, wo es staatlich organisiert und ideologisch aufgeladen wurde. Nach 1990 trafen Ost- und West‑Traditionen wieder aufeinander. Der Begriff „Jugendfeier“ entstand, um die humanistische, weltliche Ausrichtung zu betonen.Familien begründen ihre Entscheidung oft mit Traditionen, erzählt Raczynski: Eltern oder ältere Geschwister haben selbst eine Jugendweihe, Jugendfeier oder Konfirmation erlebt. Hinzu kommt, dass viele Eltern das Fest als „letzte große Familienfeier“ sehen, bevor die Jugendlichen ihren Abschluss selbst gestalten.Wie bei Konfirmationen spielt für einige Jugendliche auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Matilda sagt: „Ich möchte gerne sparen — für den Führerschein oder vielleicht ein Auslandsjahr. Da kommt bestimmt eine ordentliche Summe zusammen.“ Ole sieht es ähnlich: Geschenke seien schön, sagt er, „aber größtenteils ist es die Feier selbst, dieses Ritual mit der Familie“, das ihm wichtig sei.


Pictorial Korea – Ausgabe 3/26 und Sonderausgabe zum 9. Parteitag der Partei der Arbeit Koreas

Aus der Demokratischen Volkerepublik Korea erreichte uns die neueste Ausgabe der beliebten und eindrucksvoll gestalteten Illustrierten „Pictorial Korea“, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen.

Thematisch geht es in der März-Ausgabe unter anderem um die feierliche Einweihung von mehr als 50.000 neuen und hochmodernen Wohnanlagen in der Hauptstadt Pjöngjang, der Vorstellung neuer 600 mm Mehrfach-Raketenwerfer, sowie dem Wettbewerb der Scharfschützen in der Koreanischen Volksarmee.

Zusätzlich dazu, präsentieren wir unseren Lesern die umfangreiche Sonderveröffentlichung zum 9. Parteitag der Partei der Arbeit Koreas (PdAK). Eine bildgewaltige Dokumentation mit zahlreichen Hintergrund-Informationen und allerlei Wissenswertem, rund um die Partei und den Parteitag.

Wir wünschen unseren Lesern viel Spaß und gute Unterhaltung.


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Berliner Kurier vom 07.03.2026 von Wolfgang Heise.

Sieg im Kellerduell

Liebelt schießt den BFC Dynamo aus dem Abstiegssumpf

Der BFC Dynamo gewinnt durch ein Last-Minute-Tor mit 1:0 beim Greifswalder FC und kann im Abstiegskampf kurz durchatmen.

Der BFC Dynamo zieht sich aus dem Abstiegssumpf. Das Krisenduell in der Regionalliga beim Tabellenfünfzehnten Greifswalder FC gewannen die Weinrot-Weißen mit Fleiß und Last-Minute-Glück 1:0 (0:0). John Liebelt (24) erzielte den Goldenen Treffer, der den BFC erstmal aufatmen lässt – vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge.Nach dem 3:1 vergangenen Dienstag beim BFC Preussen waren die Knochen der Dynamos erstmal noch müde. Die erste Halbzeit verlief mühsam.

Doch nach einer Kabinenansprache durch BFC-Coach Sven Körner in der Pause bissen alle Spieler nochmal auf die Zähne. Mehr Offensivdrang, der dann in der 87. Minute belohnt wurde. Liebelt schob den Ball ganz cool zum 1:0-Sieg ein.Liebelt: „Das ist natürlich superglücklich für uns gelaufen. Es sind drei Punkte im Abstiegskampf. Ich freue mich über mein Tor, aber es geht Dienstag gleich weiter.“ Die Dynamos laufen im Spiele-Marathon jetzt richtig heiß. In drei Tagen gibt es das Heimspiel gegen Magdeburg II.Trainer Sven Körner: „In der ersten Halbzeit hatten wir Probleme. Aber dann haben wir gute Torchancen erspielt. Das freut mich für John Liebelt. Die Jungs haben ihre Qualität.“Doch gefeiert werden darf nicht. Körner: „Ich hoffe die Rückfahrt wird im Bus wird spaßig und heiter, auch ohne Alkohol. Es gibt keinen freien Tag. Es wird Sonntag und Montag trainiert, denn Dienstag ist schon das nächste Spiel.“ Drei Siege in einer Woche, das wäre der gelungene Befreiungsschlag.


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Rofuchs Ausgabe vom März 2026


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Junge Welt vom 23.02.26 von Janusz Berthold

Der Schalk im Nacken

Gustav-Adolf »Täve« Schur zum 95. Geburtstag

Als am 23. Februar vor exakt 95 Jahren in Heyrothsberge, östlich von Magdeburg, ein kleiner Junge geboren wurde, verschwendete selbstverständlich noch niemand spezifische Gedanken an dessen zukünftiges Leben. Ganz sicher wünschten die Eltern des kleinen Gustav, so wurde er benannt, für ihren Filius nur das allerbeste – Gesundheit, Glück und dass er es einmal besser hat. Wie es Eltern im allgemeinen seit Menschengedenken überall tun. Der Vater, in den frühen 1920er Jahren aus dem Ruhrgebiet in die Börde gezogen, hielt die Familie als Arbeiter in einer Ziegelei über Wasser. Die Mutter kümmerte sich um das Gehöft und den Nachwuchs, Gustav war das älteste von insgesamt fünf Kindern der Familie. Eine proletarische Familie im bäuerlichen Umfeld.

Jener Gustav ist inzwischen natürlich längst erwachsen. Und nicht nur das. Vor allem ist er, ohne übertreiben zu wollen, zu einer herausragenden Persönlichkeit gereift und steht seit gut sieben Jahrzehnten für außerordentliche sportliche und zwischenmenschliche Verdienste, zunächst in der DDR und später auch in der BRD. Der Öffentlichkeit ist jener Gustav unter dem Spitznamen Täve bekannt. Jeder in der DDR kannte den Namen Täve. Dieser Name steht exemplarisch für die sportlichen Erfolge und das Menschenbild der DDR.

Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs dürstete es die Menschen nach mannigfaltigen Ablenkungen. Den schönen und begeisternden Beschäftigungen des Friedens eben. Sport, im speziellen das Fahrradfahren, kann bekanntlich diese Ablenkungen bieten. Ferner waren trotz allumfassenden Mangels Fahrräder noch die am unproblematischsten beschaffbaren Fortbewegungsmittel. Als Täve in den frühen 50er Jahren die ersten sportlichen Erfolge auf überregionaler Ebene feiern durfte, entwickelte sich auch seine zunehmende Popularität. Als erster Deutscher gewann er 1955 die legendäre Internationale Friedensfahrt. Und 1959 noch einmal. Täve ist neunfacher DDR-Meister (Straße, Mannschaft, Querfeldein) und errang je eine Olympiamedaille bei den Spielen 1956 und 1960. Zweimal wurde er Straßenradweltmeister der Amateure (1958, 1959), auf den möglichen Hattrick verzichtete er 1960 zugunsten seines Mannschaftskollegen Bernhard Eckstein und wurde Vizeweltmeister. Dieses Rennen bei der Heim-WM auf dem Sachsenring begründete seinen Legendenstatus. Täve opferte seine Siegchancen mit einer taktischen Meisterleistung. Er zog, sich seiner Favoritenrolle vollauf bewusst, sämtliche Aufmerksamkeit der Konkurrenten auf sich, wodurch Eckstein freie Fahrt hatte. Diese Selbstlosigkeit beeindruckte die Menschen von Rügen bis zum Fichtelberg. Täve war ihr Held! Nicht umsonst wurde Täve neunmal Sportler des Jahres und 1989 zum beliebtesten Sportler in 40 Jahren DDR gewählt.

Auf die WM und den Vizetitel angesprochen, macht Täve um diese Episode auch heute noch keine großen Worte. Für ihn war das selbstverständlich. Ihm geht und ging es nie vordergründig um ihn selbst, es geht immer um das große Ganze. Auch auf den Landstraßen Europas. Mannschaftsdienlicher Individualismus – der rote Faden der sozialistischen (Arbeiter-) Sportbewegung.Täve ist mit einem wunderbaren Humor gesegnet. Trocken, direkt, tiefsinnig, immer mit dem charmanten Schalk im Nacken. Bei einem unserer ersten Treffen im Friedensfahrtmuseum in Kleinmühlingen fachsimpelten wir über die legendären WM-Rennen. Ich ließ mich natürlich davon begeistern. Bei der Verabschiedung konnte ich nicht anders, als Täve ein wenig zu lobpreisen: »Ach Gustav, ich wäre nie so ein guter Radsportler geworden wie du.« Täve, anderthalb Köpfe kleiner, schaut an mir hoch, hält kurz inne, kneift die Augen etwas zusammen, grinst und spricht: »Aber ein Großer!« Es brauchte bei mir einige Augenblicke …

Diese Anekdote zeigt doch, er ist mehr als ein Radsportidol. Täve ist eine Seele von Mensch. Auch weil er etwas zu sagen hat, sich nie den Mund verbieten lässt und dennoch seine Bodenständigkeit bewahrt hat. Sehr viele Menschen mit DDR-Sozialisierung achten Täve Schur, etliche vertrauen ihm, einige verehren ihn. Er gilt als sportliches und zwischenmenschliches Vorbild. Mittelbar ist das auch auf seine Mitgliedschaft in der Volkskammer der DDR zurückzuführen. Von 1958 bis zur Auflösung 1990 war Täve Abgeordneter. In dieser Funktion gelang ihm etwas, was bis heute den wenigsten Parlamentariern gelingt – er blieb volksnah. Sein vierjähriges Intermezzo im Bundestag für die PDS (1998–2002) konnte daran auch nichts ändern.

Täve ist seiner antifaschistischen Haltung treu, keinen Groll empfindet er für die offensichtlich ideologisch motivierte Ignoranz der »Hall of Fame des deutschen Sports« gegenüber seiner Person: »Und mit einigen, die in diese Hall of Fame aufgenommen wurden, will ich auch gar nicht in Verbindung gebracht werden. Da findest du welche, die aktiv mit dem Faschismus paktiert hatten, mit denen will ich nicht in einer Reihe stehen.« (vgl. jW, 20./21.02.2021)

Prinzipienfest und zielstrebig in jeder Lebenslage darfst du dich heute feiern lassen, lieber Täve! Mögest Du, mit dem Dir eigenen Tatendrang, Dein erklärtes Ziel der 100plus erreichen.

Herzlichen Glückwunsch!